Vietnams Warenhandel überschritt am 29. Oktober 2026 erstmals die Marke von einer Billion US-Dollar – und das, obwohl das Jahr noch zwei Monate vor sich hatte. Der Rekord zeigt, wie eng das Land in die globale Fertigung und Lieferketten eingebunden ist. Die Zollzahlen setzen dem Erfolg aber einen wichtigen Zusatz entgegen: Die Importe wuchsen schneller als die Exporte, und Unternehmen mit ausländischer Beteiligung bestritten den größten Teil des Handels.
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Was die Zollzahlen zeigen
Nach Angaben der vietnamesischen Zollbehörde belief sich der Warenhandel bis zum 29. Oktober auf insgesamt 1.001,3 Milliarden US-Dollar. Die Exporte erreichten 493,64 Milliarden US-Dollar und lagen damit 27,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Importe stiegen um 37,6 Prozent auf 507,66 Milliarden US-Dollar.
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Da die Einfuhren höher waren als die Ausfuhren, ergibt sich aus diesen Zahlen ein Handelsdefizit von rund 14,02 Milliarden US-Dollar. Das Importwachstum lag 10,4 Prozentpunkte über dem Exportwachstum.
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15 Die vorliegenden Berichte nennen keine einzelne Ursache für das Defizit. Sie halten jedoch fest, dass Vietnam im September und Oktober wieder monatliche Handelsüberschüsse verzeichnete. Dadurch sank das kumulierte Defizit von mehr als 20 Milliarden auf rund 14 Milliarden US-Dollar.
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Fertigungsstandort mit großem Auslandsanteil
Auf Computer, Elektronik, Telefone und Maschinen entfielen bis zum 29. Oktober zusammen 532 Milliarden US-Dollar Handelsvolumen. Ein Bericht bezifferte ihren Anteil auf 54 Prozent. Gemessen am ausgewiesenen Gesamtwert von 1.001,3 Milliarden US-Dollar entsprechen 532 Milliarden allerdings rund 53,1 Prozent. Die Quelle erläutert die Abweichung nicht; die 54 Prozent sind daher als gerundete oder näherungsweise Angabe des Berichts zu verstehen.
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Auch die Exportstruktur unterstreicht Vietnams Bedeutung als Fertigungsstandort: Verarbeitete und hergestellte Waren machten in den ersten zehn Monaten laut der vietnamesischen Nachrichtenagentur 87,4 Prozent der Ausfuhren aus.
31 Das passt zum Bild eines Landes, das stark in Montage und Export eingebunden ist. Das gesamte Handelsvolumen umfasst aber Importe und Exporte. Für sich genommen sagt es nicht aus, wie viel Wertschöpfung bei vietnamesischen Unternehmen verbleibt.
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Die Aufschlüsselung nach Eigentumsverhältnissen macht diesen Unterschied sichtbar. Unternehmen mit ausländischer Beteiligung kamen bis zum 29. Oktober auf rund 778 Milliarden US-Dollar Handelsvolumen – 37 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei heimischen Unternehmen waren es etwa 223 Milliarden US-Dollar, ein Zuwachs von 16 Prozent. Damit entfielen rund 78 Prozent des Gesamtwerts auf ausländisch investierte Unternehmen.
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22 Zum Vergleich: In den ersten neun Monaten stellten heimische Unternehmen 19,3 Prozent der Exporte. Diese frühere, nur auf Ausfuhren bezogene Kennzahl ist nicht mit ihrem Anteil am gesamten Handel bis zum 29. Oktober gleichzusetzen.
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Warum die Schätzungen voneinander abweichen
Das Industrieministerium veröffentlichte eine separate Schätzung für Januar bis Oktober: Demnach betrug Vietnams Warenhandel 1.010,6 Milliarden US-Dollar, 32,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Exporte bezifferte das Ministerium auf rund 499 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 27,4 Prozent.
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23 Die Zollsumme von 1.001,3 Milliarden US-Dollar ist dagegen ein Stand vom 29. Oktober. Da sich Berichtszeiträume und Schätzgrundlagen unterscheiden, sind die Werte nicht als direkte, gleichartige Messungen zu behandeln.
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Für den Oktober allein schätzte das Ministerium den Handel auf 122,2 Milliarden US-Dollar – 47,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im selben Monat verzeichnete Vietnam demnach zum zweiten Mal in Folge einen Überschuss, geschätzt auf 6,8 Milliarden US-Dollar. Das kumulierte Defizit für die ersten zehn Monate sank laut dieser Berechnung auf rund 12,7 Milliarden US-Dollar.
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23 Dieser Wert unterscheidet sich vom Defizit von rund 14 Milliarden US-Dollar, das sich aus dem Zollstand vom 29. Oktober errechnet. Auch deshalb sollten Datum und Berechnungsgrundlage jeweils mitgenannt werden.
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Ein Bericht prognostizierte für das Gesamtjahr 2026 ein Wachstum des Warenhandels von mehr als 25 Prozent. Das läge über dem staatlichen Ziel von 15 bis 16 Prozent. Dabei handelt es sich um eine Prognose, nicht um ein endgültiges Jahresergebnis.
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Ein langer Aufstieg – und was der Rekord nicht belegt
Den verfügbaren Berichten zufolge erreichte Vietnams Handelsvolumen 2007 die Marke von 100 Milliarden US-Dollar und 2019 die von 500 Milliarden. Für 2025 wurde ein Überschreiten der 900-Milliarden-Marke erwartet. Für den Zeitraum von 2016 bis 2025 wird ein kumuliertes Handelsvolumen von 6,12 Billionen US-Dollar und ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 11 Prozent angegeben.
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20 Diese Wegmarken zeigen eine anhaltende Expansion, auch wenn die vorliegenden Zahlen keine vollständige Jahresreihe abbilden.
China und die Vereinigten Staaten werden als Vietnams größte Handelspartner genannt. Berichte verweisen außerdem auf starke Lieferungen in wichtige Märkte wie die EU, Südkorea und die ASEAN-Staaten. Die verfügbaren Angaben beziffern jedoch nicht den Handel mit einzelnen Partnern und erlauben keine isolierte Bewertung bestimmter Freihandelsabkommen – etwa jener mit Mexiko oder Südkorea.
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Die Veröffentlichung der vietnamesischen Industrie- und Handelskammer VCCI wertet den Rekord als Zeichen für die Widerstandsfähigkeit des Handelssektors und betont zugleich, dass die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen gestärkt werden müsse.
13 Darin liegt die entscheidende Einschränkung der Schlagzeile: Vietnams Handelsvolumen und seine Verflechtung mit der Fertigung sind deutlich gewachsen. Die Zahlen zeigen aber auch, wie stark dieses Geschäft von Importen und ausländisch investierten Unternehmen getragen wird. Die Billionengrenze steht für Umfang und internationale Einbindung – nicht automatisch dafür, wie tief die Wertschöpfung im Inland verankert ist.