Vietnams Regierung setzt sich für 2027 ein ehrgeiziges Ziel: Das Bruttoinlandsprodukt soll um mindestens 10 Prozent wachsen. Zugleich soll die Inflation bei etwa 4,5 Prozent bleiben. Premierminister Lê Minh Hưng stellte den Plan mit insgesamt 45 sozioökonomischen Zielen am 17. Oktober 2026 der Nationalversammlung vor.
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Die hohe Wachstumsmarke ist allerdings nicht ohne Vorbehalte zu lesen. Ein Ausschuss der Nationalversammlung warnt vor einer fragilen wirtschaftlichen Grundlage, Inflationsdruck sowie einem steigenden Bedarf an Kapital und Energie.
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Die wichtigsten Ziele für 2027
Zu den zentralen Kennzahlen des vorgeschlagenen Plans gehören:
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| Kennzahl |
Ziel für 2027 |
| BIP-Wachstum |
mindestens 10 % |
| Inflation der Verbraucherpreise |
rund 4,5 % |
| BIP pro Kopf |
6.100 US-Dollar |
| Wachstum der durchschnittlichen Arbeitsproduktivität |
8,6 % |
| Multidimensionale Armutsquote |
Rückgang um 1 bis 1,5 Prozentpunkte |
Beim Armutsziel ist von Prozentpunkten die Rede – nicht von einem proportionalen Rückgang um 1 bis 1,5 Prozent. Die Tabelle fasst die in der Berichterstattung hervorgehobenen Kennzahlen zusammen und bildet nicht alle 45 Ziele des Plans ab.
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Wie die Regierung das Wachstum fördern will
Die Regierung will nach eigenen Angaben die Kreditzinsen senken und Darlehen stärker in Produktion, Unternehmen und Exportgeschäft lenken. Außerdem soll eine ausreichende Versorgung mit Strom und Treibstoff sichergestellt werden.
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Auch öffentliche Investitionen spielen eine Rolle: Vorgesehen ist, die bereitgestellten Mittel vollständig auszuschütten und Investitionsverfahren zu vereinfachen.
5 Das sind politische Vorhaben; aus den verfügbaren Angaben lässt sich nicht ableiten, welchen konkreten Beitrag sie zum Erreichen des Wachstumsziels leisten werden.
Warum der Wachstumsplan kritisch gesehen wird
Der Wirtschafts- und Finanzausschuss der Nationalversammlung hält das Ziel von mindestens 10 Prozent für anspruchsvoll. Als Risiken nennt er unter anderem schwache Wachstumsgrundlagen, Inflationsdruck und den zunehmenden Bedarf an Kapital und Energie.
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Weitere Hinweise aus der Bewertung betreffen hohe Zinsen sowie Schwierigkeiten kleiner und mittlerer Unternehmen, an Kredite und Grundstücke zu gelangen.
30 Der Ausschuss mahnt außerdem, mögliche Nachwirkungen wirtschaftlicher Schocks aus dem Jahr 2026 einzukalkulieren – insbesondere, falls die Energiepreise hoch bleiben.
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Damit steht die Regierung vor einer doppelten Aufgabe: Das Wachstum soll kräftig anziehen, während die Inflation unter Kontrolle bleibt und genügend Mittel sowie Energie für die Expansion zur Verfügung stehen.
2026: Regierung und Ausschuss bewerten die Lage unterschiedlich
Nach Regierungsangaben wuchs Vietnams BIP in den ersten neun Monaten 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 9,01 Prozent. Die Zahl bezieht sich auf Januar bis September und nicht auf das Gesamtjahr.
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15 Die Regierung erklärte zudem, dass voraussichtlich 14 von 15 zentralen sozioökonomischen Zielen für 2026 erreicht oder übertroffen würden.
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Der Ausschuss zeichnete ein zurückhaltenderes Bild: Seiner Einschätzung nach dürften neun der 15 Ziele erreicht oder übertroffen werden; fünf seien noch in Reichweite. Das Ziel zur Verringerung der multidimensionalen Armut werde voraussichtlich verfehlt.
29 Die Einschätzungen stammen von unterschiedlichen Stellen und sind daher nicht als identische Bewertung zu verstehen.
Entscheidend wird somit nicht nur sein, ob Vietnam die Marke von 10 Prozent Wachstum erreicht. Ebenso wichtig ist, ob das Land dabei die Inflation im Griff behält und die vom Ausschuss benannten Finanzierungs-, Energie- und Umsetzungsrisiken bewältigen kann.