Uber hat seine Beteiligung am Berliner Lieferdienst Delivery Hero deutlich ausgebaut – auf 19,5 % der ausgegebenen Aktien sowie Optionen auf weitere 5,6 %. Damit ist der US‑Konzern inzwischen der größte Aktionär des Unternehmens, ohne jedoch eine formelle Kontrolle zu übernehmen. Um die Bedeutung dieses Schritts zu verstehen, lohnt sich ein Blick darauf, wie Uber diese Position aufgebaut hat, warum Anteile überhaupt verfügbar waren und welche Rolle deutsche Übernahmeregeln spielen.
Die heutige Beteiligung entstand schrittweise über mehrere Transaktionen.
Ein zentraler Schritt war der Verkauf eines Aktienpakets durch den niederländischen Tech‑Investor Prosus, der 4,5 % der Delivery‑Hero‑Aktien – rund 13,6 Millionen Stück – für etwa 270 Millionen € zu je 20 € an Uber verkaufte. Durch diesen Deal stieg Ubers Anteil zunächst auf etwa 7 %.
In den folgenden Wochen kaufte Uber weitere Aktien und Finanzinstrumente hinzu. Schließlich meldete Delivery Hero, dass Uber nun 19,5 % des ausgegebenen Kapitals hält und zusätzlich Optionen auf weitere 5,6 % besitzt.
Damit hat Uber seine frühere Beteiligung mehr als verdoppelt und ist laut Marktdaten zum größten Aktionär von Delivery Hero geworden. Der Marktwert dieser Beteiligung lag zum Zeitpunkt der Bekanntgabe bei etwa 1,7 Milliarden €.
Sollten die Optionen später ausgeübt werden, könnte Ubers wirtschaftliche Beteiligung in Richtung eines Viertels des Unternehmens steigen – abhängig davon, wie diese Instrumente regulatorisch und hinsichtlich der Stimmrechte bewertet werden.
Der Ausbau von Ubers Anteil wurde durch regulatorische Vorgaben begünstigt.
Prosus gehörte lange zu den größten Aktionären von Delivery Hero. Nach der Übernahme von Just Eat Takeaway musste der Investor jedoch Zugeständnisse gegenüber europäischen Wettbewerbshütern machen. Die EU‑Kommission genehmigte den Deal nur unter der Bedingung, dass Prosus seine Beteiligung an Delivery Hero deutlich reduziert, um Wettbewerbsbedenken im Liefermarkt zu entschärfen.
Der Verkauf von Aktien an Uber war daher Teil dieser Verpflichtungen. Spätere Verkäufe an andere Investoren reduzierten den Prosus‑Anteil weiter.
Für viele Anleger galt diese Entwicklung als positiv: Wenn ein großer Aktionär kontinuierlich verkaufen muss, entsteht oft ein sogenannter „Overhang“ – also Druck auf den Aktienkurs durch potenzielle große Blockverkäufe.
Da Delivery Hero ein börsennotiertes deutsches Unternehmen ist, bestimmt das deutsche Übernahmerecht, wie weit Uber seine Beteiligung ausbauen kann.
Zwei Regeln sind dabei besonders wichtig:
1. Meldepflichten für Beteiligungen. Aktionäre müssen ihre Beteiligung melden, wenn sie bestimmte Schwellen überschreiten – etwa 3 %, 5 %, 10 %, 15 %, 20 %, 25 %, 30 %, 50 % oder 75 % der Stimmrechte. Diese Transparenzpflichten sollen größere Einflussnahmen sichtbar machen.
2. Die 30‑Prozent‑Kontrollschwelle. Nach dem deutschen Wertpapiererwerbs‑ und Übernahmegesetz gilt der Besitz von 30 % der Stimmrechte als Kontrolle. Wer diese Schwelle überschreitet, muss normalerweise allen übrigen Aktionären ein Pflichtübernahmeangebot unterbreiten.
Mit 19,5 % plus Optionen bleibt Uber klar unter dieser Grenze. Das ermöglicht dem Unternehmen erheblichen Einfluss – ohne eine teure Pflichtübernahme auszulösen.
Auch ohne Mehrheit kann eine Beteiligung in dieser Größenordnung sehr einflussreich sein – besonders bei börsennotierten Firmen mit breit gestreuten Aktionären.
Eine Beteiligung nahe 20 % kann:
Analysten weisen darauf hin, dass Ubers Optionen theoretisch eine Beteiligung in dieser Größenordnung ermöglichen könnten – was den strategischen Einfluss weiter stärken würde.
Die Veränderungen in der Aktionärsstruktur kamen am Markt überwiegend gut an.
Die Aktie von Delivery Hero legte zu, nachdem Prosus weitere Anteile verkauft hatte und Ubers größere Beteiligung bekannt wurde. Investoren interpretierten dies als Zeichen dafür, dass der Verkaufsdruck des Großaktionärs nachlassen könnte.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der neuen Beteiligung notierte die Aktie laut Marktdaten bei etwa 31 € und lag mehrere Prozent im Plus.
Uber und Delivery Hero gehören zu den weltweit größten Plattformen für Essenslieferungen. In mehreren Märkten treten sie direkt gegeneinander an, etwa über Uber Eats.
Ubers Beteiligung eröffnet mehrere mögliche Szenarien:
Strategische Zusammenarbeit: Die Unternehmen könnten in Bereichen wie Logistik, Technologie, Werbung oder regionalen Partnerschaften kooperieren.
Branchenkonsolidierung: Sollte es weitere Fusionen oder Asset‑Tauschgeschäfte im Liefermarkt geben, hat Uber bereits einen Fuß in der Tür.
Signal an Wettbewerber: Die Beteiligung zeigt, dass Uber weiterhin stark auf das globale Liefergeschäft setzt – auch in Märkten, in denen Delivery Hero aktiv ist.
Gleichzeitig würde jede engere Kooperation zwischen zwei großen Plattformen wahrscheinlich strenge kartellrechtliche Prüfungen auslösen, besonders in Europa.
Ubers Einstieg bei Delivery Hero ist weniger eine klassische Übernahme als vielmehr eine strategische Beteiligung mit Optionen.
Mit 19,5 % der Aktien und weiteren Optionsrechten gewinnt Uber erheblichen Einfluss, bleibt aber bewusst unter der 30‑Prozent‑Kontrollschwelle des deutschen Übernahmerechts. Für Delivery Hero bringt der Deal einen finanzstarken Branchenakteur in den Aktionärskreis – und für den globalen Liefermarkt könnte er ein Hinweis darauf sein, dass Allianzen, Beteiligungen oder intensivere Konkurrenz die nächste Phase der Branche prägen werden.
Studio Global AI
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Uber ist mit 19,5 % der größte Aktionär von Delivery Hero und besitzt zusätzlich Optionen auf weitere 5,6 % der Aktien – genug Einfluss, ohne die deutsche Pflichtangebot‑Schwelle von 30 % zu überschreiten.
Uber ist mit 19,5 % der größte Aktionär von Delivery Hero und besitzt zusätzlich Optionen auf weitere 5,6 % der Aktien – genug Einfluss, ohne die deutsche Pflichtangebot‑Schwelle von 30 % zu überschreiten. Ein Teil der Anteile stammt aus einem Verkauf des Tech‑Investors Prosus für rund 270 Mio.
Sollte Uber seine Optionen ausüben, könnte der Konzern sich einer Sperrminorität nähern und damit mehr strategischen Einfluss im europäischen Liefermarkt gewinnen.
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