Der Diebstahl bei Binance am 29. Oktober 2026 war nach Angaben der Kryptobörse rund 6,3 Milliarden US-Dollar schwer. Der von Reuters berichtete Ablauf deutet nicht auf den Einbruch in einen einzelnen Computer hin, sondern auf einen mehrstufigen Angriff: Angreifer sollen Mitarbeitende ins Visier genommen und deren Geräte kompromittiert haben. Das FBI schrieb die Tat der Nordkorea zugeordneten Gruppe TraderTraitor zu – Nordkorea hat die Anschuldigung zurückgewiesen. Blockchain-Analysefirmen verfolgen unterdessen umfangreiche Geldbewegungen. Welche konkrete Rolle ein internes KI-Tool von Binance spielte, ist öffentlich jedoch nicht geklärt.
17
18
32
34
Der mutmaßliche Weg ins System
Binance zufolge kompromittierten die Angreifer die Computer zweier Softwareentwickler auf unterschiedliche Weise: mit Schadsoftware, die in einer Anzeige versteckt gewesen sein soll, und über ein fingiertes Bewerbungsgespräch. Dabei habe ein Entwickler ein schädliches Code-Repository heruntergeladen. Für den Diebstahl sei anschließend der Computer eines dritten Mitarbeitenden genutzt worden, berichtete Reuters unter Berufung auf die Darstellung der Börse. Es handelt sich dabei um die Ergebnisse der Binance-Untersuchung, nicht um eine unabhängig veröffentlichte forensische Rekonstruktion.
32
Binance erklärte außerdem, die Angreifer hätten ein internes KI-Tool eingesetzt, um Kontrolle über die Wallets des Unternehmens zu erlangen. In der frühen Berichterstattung hieß es allerdings, die genaue Funktion des Tools sei noch unklar. Die vorliegenden Berichte belegen nicht, dass ein autonomes KI-System den Diebstahl geplant oder selbstständig ausgeführt hat.
19
35 Ein kompromittiertes System, in dem ein KI-Tool vorkommt, ist für sich genommen kein Beleg dafür, dass eine KI eigenständig die entscheidenden Schritte eines Angriffs vorgenommen hat.
Was das FBI zur Urheberschaft sagt
Am 31. Oktober machte das FBI TraderTraitor für die schädliche Cyberaktivität verantwortlich und erklärte, die Gruppe habe gestohlene Vermögenswerte vor allem in Ether umgewandelt. Das ist die Zuschreibung der US-Behörde; Nordkorea weist die Verantwortung zurück.
17
18
Auch beim Diebstahl von 1,5 Milliarden US-Dollar bei der Kryptobörse Bybit im Jahr 2025 wurde TraderTraitor als verantwortliche Gruppe benannt. Die Zuordnung stammt von der Analysefirma TRM Labs. Die verfügbaren Quellen belegen jedoch nicht, dass bei beiden Fällen dieselben Methoden verwendet wurden.
8
Die Spur der Geldbewegungen
Nach Angaben von Elliptic bewegten sich die gestohlenen Vermögenswerte über mehr als 20.000 Wallets, 16 Blockchains und mindestens 65.000 Transaktionen. Diese Zahlen beschreiben die von der Analysefirma nachverfolgten Aktivitäten. Sie bedeuten nicht, dass jede Bewegung abgeschlossen wurde oder das Geld bereits ausgezahlt ist.
40
42
In einer Auswertung vom 6. November bezifferte Elliptic den Wert der Vermögenswerte in mit dem Diebstahl verbundenen Adressen auf rund 3,11 Milliarden US-Dollar – überwiegend Ether und Bitcoin. Die Firma hielt es für sehr wahrscheinlich, dass diese Werte weiterhin von Nordkorea gehalten würden. Zusätzlich meldete Elliptic rund 2,85 Milliarden US-Dollar an eingefrorenen oder beschlagnahmten Vermögenswerten. Die Begriffe sind nicht austauschbar: Gelder, die einer Adresse zugeordnet werden, sind nicht automatisch eingefroren, beschlagnahmt oder an Kunden zurückgezahlt.
13
43
Elliptic berichtete außerdem, dass gestohlene Vermögenswerte im Wert von rund 124 Millionen US-Dollar in Bitcoin umgetauscht worden seien. Ein großer Teil der neu umgewandelten Summe stammte demnach aus Tauschgeschäften über THORChain. Auch das beschreibt einen Schritt in der Nachverfolgung – nicht den Beleg, dass die umgetauschten Mittel erfolgreich ausgezahlt wurden.
7
38
Binance ersetzt Guthaben – das heißt nicht, dass die Coins zurück sind
Binance erklärte, rund 6,34 Milliarden US-Dollar an Unternehmensmitteln für den Ausgleich der Verluste zurückgestellt zu haben. Später teilte die Börse mit, 95 Prozent der gestohlenen Token abgedeckt zu haben, und begann am 1. November, Auszahlungen schrittweise wieder zuzulassen. Kundenguthaben mit Unternehmensmitteln zu ersetzen ist nicht dasselbe, wie die beim Angriff entwendeten Kryptowährungen zurückzuholen.
33
34
Nach der Wiederaufnahme der Auszahlungen hatten Kundinnen und Kunden bis zum 3. November netto 4,72 Milliarden US-Dollar abgezogen, berichtete Reuters. Diese Zahl beschreibt Abflüsse von der Börse – nicht die Menge der wiedererlangten Beute.
18
23
Die bisherige Berichterstattung zeichnet damit das Bild eines Angriffs, bei dem mutmaßlich gezielte Täuschung von Mitarbeitenden auf eine schwer nachzuverfolgende Spur digitaler Vermögenswerte traf. Behörden und Analysefirmen haben die mutmaßlichen Täter benannt und große Geldbewegungen verfolgt; Binance hat zugesagt, Kundenverluste auszugleichen. Offen bleiben jedoch die genaue technische Funktion des internen KI-Tools, der endgültige Verbleib der nachverfolgten Vermögenswerte und die rechtlichen Einzelheiten der Erstattung.