Diese Zahlen zeichnen das Bild eines stetigen, zermürbenden Wettbewerbs. Weder Gemini noch Claude erleben einen explosionsartigen Durchbruch über Nacht, doch ihre monatlichen Zuwächse sind konstant und summieren sich zu einer spürbaren Erosion von ChatGPTs ehemaliger Quasi-Monopolstellung.
Andere Messdienstleister, die abweichende Methoden anwenden, zeichnen ein noch dynamischeres Bild der Verschiebung. SimilarWeb misst weltweite Web-Besuche über die sieben größten KI-Assistenten hinweg und sieht ChatGPTs Anteil im April 2026 bei 54,7 % . Ein Jahr zuvor, im Mai 2025, lag dieser Wert noch bei 77,6 % – ein Rückgang um rund 24 Prozentpunkte innerhalb von 12 Monaten
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ChatGPTs Traffic-Anteil sank im April im Monatsvergleich um 3,84 % . Die Richtung ist eindeutig: Aus einem Beinahe-Monopol wird ein echter Mehrspieler-Wettbewerb.
Für Unternehmen ist eine andere Kennzahl noch vielsagender: der B2B-Referral-Traffic – also der Datenverkehr, den KI-Chatbots an Business-Websites weiterleiten. Dieser Wert zeigt, wohin sich professionelle Nutzer bei Recherche und Entscheidungsunterstützung wenden.
Acht Monate vor dem aktuellen Berichtszeitraum entfielen 89 % der messbaren KI-basierten B2B-Empfehlungen auf ChatGPT. Nach den jüngsten Daten ist dieser Anteil auf 63 % gefallen .
Diese Daten untermauern eine entscheidende Markterkenntnis: Im hochpreisigen Unternehmenssegment schlägt Claude weit über sein Gewicht beim allgemeinen Web-Traffic hinaus. Für deutsche Firmen, die KI-Tools evaluieren, ist dies ein Weckruf, nicht nur auf Bekanntheit, sondern auf spezifische Leistungsfähigkeit zu achten.
Die Daten deuten auf zwei entscheidende Wettbewerbsmechanismen hin, die den Markt grundlegend umgestalten.
Das rasante Wachstum von Google Gemini hängt eng mit der Integration in Google Workspace zusammen. Eine Analyse von SimilarWeb stellte fest, dass die Wachstumskurve von Gemini „eng mit der Einführung der Workspace-Integration korreliert“ . Durch den nahtlosen Zugriff direkt in Gmail, Google Docs, Sheets und anderen billionenfach genutzten Workspace-Tools verfügt Gemini über einen Vertriebskanal, den kein anderer KI-Assistent nachahmen kann.
Diese Bündelungsstrategie verwandelt passive Google-Nutzer in aktive Gemini-Nutzer, ohne dass diese eine weitere Plattform installieren müssen. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein etablierter Anbieter sein vorhandenes Ökosystem nutzt, um in eine neue Produktkategorie vorzudringen – ähnlich wie Microsoft einst Teams über Office 365 in den Markt drückte.
Anthropic's Claude erzählt eine andere Geschichte. Sein Anteil am allgemeinen Web-Traffic ist nach wie vor bescheiden – je nach Messmethode meist zwischen 2 und 8 % . Doch im Enterprise-Sektor ist seine Position überproportional stark. Claude gewinnt rund 70 % aller neuen Unternehmensaufträge, bei denen es in direkter Konkurrenz zu OpenAI steht
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Claudes Vorteile im Geschäftskundenbereich rühren von seiner Fähigkeit, extrem lange Dokumente zu verarbeiten (nativ über 100.000 Tokens, also deutlich mehr als etwa ein ganzes Buch), sowie von seinem Fokus auf Sicherheit und regelkonformes Verhalten („Alignment“). Dies trifft den Nerv risikoaverser Unternehmenskunden, die mit komplexen Dokument-Workflows arbeiten. Für ein Unternehmen, das einen KI-Assistenten für interne Prozesse auswählt, zählt die reine Verbraucher-Popularität weniger als die Leistung bei spezifischen Geschäftsaufgaben – und Claude nutzt diese Lücke konsequent aus.
Der relative Anteilsrückgang sollte eine wichtige Tatsache nicht verdecken: ChatGPT gewinnt in absoluten Zahlen weiterhin Nutzer hinzu.
Der KI-Chatbot-Markt expandiert so schnell, dass alle drei großen Plattformen – ChatGPT, Gemini und Claude – bei absolutem Traffic und Nutzerzahlen zulegen, selbst während sich die prozentuale Aufteilung verschiebt. ChatGPT verliert Anteile nicht, weil es schrumpft, sondern weil die Konkurrenten in einem boomenden Markt noch schneller wachsen.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Verkehrsanteil-Zahlen je nach Messquelle teils erheblich variieren. Statcounter etwa wies für ChatGPT im Mai 2026 einen globalen KI-Chatbot-Anteil von 79,08 % aus, während Gemini bei 7,03 % und Claude bei lediglich 2,98 % lag . Diese auf ausgehenden Verweisen basierenden Messungen ergeben andere Rangfolgen als Web-Besuchsmetriken wie die von SimilarWeb
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Die Unterschiede erklären sich daraus, was der jeweilige Anbieter zählt – Website-Besuche oder ausgehende Empfehlungen an Drittseiten – und welche Plattformen in den Panel-Datensatz aufgenommen werden. Trotz dieser Unterschiede zeigen alle Trendlinien in dieselbe Richtung: ChatGPTs Dominanz erodiert, und Gemini sowie Claude sind die Hauptprofiteure.
Der Gesamtmarkt wächst monatlich um etwa 3 %. Der KI-Chatbot-Raum erweist sich damit als groß genug für mehrere bedeutende Akteure. Die Frage lautet nicht mehr, ob ChatGPT ernsthafter Konkurrenz begegnen wird, sondern wie das letztendliche Marktgleichgewicht aussieht – und wie viele unterschiedliche Spezialisierungs-Spuren der Markt tragen kann. Für Nutzer und Unternehmen in Deutschland ist das eine gute Nachricht: Wettbewerb fördert Innovation und senkt perspektivisch die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter.
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