Der unmittelbarste Effekt des Krieges zeigt sich bei den Energiepreisen. Der Ölpreis stieg innerhalb eines Monats um etwa 58 %, was Treibstoff‑ und Stromkosten in Industrie und Transport deutlich erhöht.
Gerade für die KI‑Industrie ist das entscheidend: Halbleiterfabriken und Rechenzentren gehören zu den energieintensivsten Anlagen der Welt. Schon moderate Preissteigerungen bei Strom oder Treibstoffen können sich direkt auf Produktionskosten und Investitionen in neue KI‑Infrastruktur auswirken.
Besonders stark betroffen ist Asien. Wichtige Halbleiterstandorte wie Taiwan oder Südkorea importieren einen großen Teil ihrer Energie über Transportwege, die durch die Straße von Hormus führen. Für Chiphersteller dort ist die Stabilität dieser Route deshalb strategisch entscheidend.
Neben Energie geraten auch weniger bekannte Rohstoffe unter Druck. Die Halbleiterindustrie ist stark von spezialisierten Industriegasen und Materialien abhängig, die eng mit der globalen Energieproduktion verbunden sind.
Ein Beispiel ist Helium. Das Gas wird in der Chipfertigung für Kühlung und Lecktests eingesetzt. Ein bedeutender Teil des weltweiten Angebots entsteht als Nebenprodukt bei der Erdgasverarbeitung im Nahen Osten – unter anderem in Katar, das einen großen Anteil der globalen Heliumexporte stellt. Störungen in dieser Region können daher schnell zu Lieferengpässen oder Preissprüngen führen.
Auch andere Materialien geraten unter Druck, darunter Aluminium, Brom und petrochemische Vorprodukte, die in Halbleiterprozessen und der Elektronikfertigung verwendet werden.
Diese Rohstoffe tauchen selten in Diskussionen über KI auf – doch ohne sie lassen sich keine Chips herstellen.
Mehrere große Technologie‑ und Halbleiterunternehmen haben bereits vor den wirtschaftlichen Folgen des Konflikts gewarnt.
Selbst wenn Lieferketten nicht komplett unterbrochen werden, treiben Umleitungen von Frachtrouten, höhere Versicherungsprämien und längere Transportzeiten die Kosten entlang der gesamten Elektronik‑Wertschöpfungskette nach oben.
Trotz dieser Risiken ist bislang kein massiver Produktionseinbruch zu sehen. Ein zentraler Grund ist die weiterhin extrem hohe Nachfrage nach KI‑Hardware.
Cloud‑Anbieter und Technologieunternehmen investieren Milliarden in neue Rechenzentren und Hochleistungsprozessoren. Diese starke Nachfrage stützt Umsätze und Bewertungen vieler Halbleiterfirmen.
Analysten sprechen deshalb derzeit eher von einem „beherrschbaren Gegenwind“ als von einer echten Branchenkrise.
Der entscheidende Faktor ist die Dauer des Konflikts.
Sollte sich die Situation bis 2026 hinziehen, könnten höhere Energiepreise, gestörte Logistik und teurere Rohstoffe über mehrere Quartale hinweg kumulativ wirken. Selbst wenn die Produktion stabil bleibt, könnten die Margen der Hersteller unter Druck geraten.
Mögliche Folgen wären:
Kurz gesagt: Die Wirtschaftlichkeit vieler KI‑Projekte könnte sich verändern – selbst bei weiterhin starker Nachfrage nach Chips.
Der KI‑Boom wirkt oft wie eine rein digitale Revolution aus Software, Daten und Algorithmen. In Wirklichkeit ist er stark von klassischen Industrien abhängig.
Rechenzentren, GPUs und KI‑Modelle stehen am Ende einer globalen Lieferkette, die fossile Energieträger, Spezialgase, Chemieproduktion und internationale Handelsrouten umfasst. Wenn geopolitische Konflikte diese Grundlagen erschüttern, können die Auswirkungen bis hin zu den Chips reichen, auf denen moderne KI läuft.
Der Iran‑Krieg hat die KI‑Expansion bislang nicht gestoppt. Aber er zeigt deutlich: Die Zukunft der künstlichen Intelligenz hängt nicht nur von Software und Silizium ab – sondern auch von der Stabilität der globalen Industrie‑ und Energieinfrastruktur, die sie möglich macht.