Ostgrönland wandelt sich von einem stark vom Meereis geprägten Ökosystem zu einem saisonalen Futtergebiet für Bartenwale. Finnwale, Buckelwale und Gewöhnliche Zwergwale fressen inzwischen regelmäßig gemeinsam – mindestens bis 70° nördlicher Breite.
Forschungsantwort

Create a landscape editorial hero image for this Studio Global article: What does the Frontiers in Marine Science study led by Prof. Mads Peter Heide-Jørgensen reveal about the climate-driven ecological regime sh. Article summary: The study indicates that East Greenland has undergone a climate-driven shift from a sea-ice-dominated Arctic ecosystem to a seasonally open-water feeding habitat for boreal baleen whales. Retreating sea ice and warmer wa. Topic tags: general, academic, general web. Style: premium digital editorial illustration, source-backed research mood, clean composition, high detail, modern web publication hero. Use reference image context only for broad subject, composition, and topical grounding; do not copy the exact image. Avoid: logos, brand marks, copyrighted characters, real person likenesses, fake screenshots, UI text, readable text, watermarks, charts with fake num
An der Küste Ostgrönlands zeichnet sich ein tiefgreifender ökologischer Wandel ab. Wo früher ausgedehntes Treibeis den Zugang im Sommer begrenzte, finden Finnwale, Buckelwale und Gewöhnliche Zwergwale heute regelmäßig Nahrung. Das neue, saisonal eisfreie Futtergebiet reicht mindestens bis 70° nördlicher Breite.
Forschende sprechen von einem Regimewechsel: Das bedeutet, dass sich ein Ökosystem nicht nur vorübergehend verändert, sondern in einen anderen, durch neue Umweltbedingungen geprägten Zustand übergeht.
Hinter der Entwicklung stehen zwei miteinander verbundene Veränderungen: Das Meereis treibt in geringerer Menge ab, während sich die Bedingungen im Meer erwärmen. Frühere Untersuchungen in Südostgrönland zeigten bereits, dass der Rückgang des Eistransports und veränderte ozeanografische Bedingungen mehrere Ebenen des Küsten-Nahrungsnetzes beeinflussen.
Die aktuelle Walstudie verknüpft diese Veränderungen mit dem Auftreten großer Ansammlungen von Bartenwalen. Für die Tiere zählt dabei nicht allein, dass sie die Region nun erreichen können. Auch ihre Beute hat sich verlagert: Futterfische wie Lodde und Kleintiere wie Krill machen die zuvor eisgebundenen Küstengewässer zu einem attraktiven saisonalen Weidegrund.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in den Schiffsbeobachtungen. Vor 2006 wurde in dem untersuchten Gebiet kein Buckelwal registriert. 2007 waren es sieben Sichtungen, 2015 bereits 26 und 2024 mehr als 150.
Die Wale treten zudem in gemischten Gruppen auf. Im August 2025 beobachtete eine Schiffsbesatzung nahe 69° nördlicher Breite eine Ansammlung von bis zu 50 Bartenwalen. Finnwale, Buckelwale und Zwergwale fraßen dabei offenbar im selben Gebiet.
Einzelne Sichtungen beweisen zwar nicht, dass jedes Tier neu aus einer anderen Region eingewandert ist. Veränderungen der Beobachtbarkeit, der Wanderbewegungen und der lokalen Beuteverteilung können ebenfalls eine Rolle spielen. Doch historische Schiffsprotokolle, Luftaufnahmen, Satellitendaten und das Wissen lokaler Inuit-Jäger ergeben zusammengenommen ein konsistentes Bild: Ostgrönland wird im Sommer deutlich anders genutzt als früher.
Für den Sommer 2024 nennen die verfügbaren Berichte Größenordnungen von mehreren Tausend Tieren. Geschätzt wurden etwa 4.000 Buckelwale und 6.000 Finnwale.
Bei den Zwergwalen ist die Datenlage vorsichtiger zu bewerten. Einige Medienberichte nennen 6.000 Tiere, während die Zusammenfassung der zugrunde liegenden Studie von rund 4.500 Zwergwalen ausgeht. Die Zahl von 6.000 sollte deshalb nicht als unstrittiges Ergebnis der Primärstudie dargestellt werden.
Zusammen sollen die Wale über einen Zeitraum von ungefähr vier Monaten rund eine Million Tonnen Beute aufnehmen. Diese Größenordnung zeigt, warum es um mehr geht als um eine auffällige Zunahme von Walsichtungen: Eine neue Konzentration großer Räuber kann die Verteilung und Verfügbarkeit von Beutetieren im gesamten saisonalen Nahrungsnetz beeinflussen.
Für Buckel- und Finnwale kann der neu zugängliche Lebensraum ein wichtiger Gewinn sein. Beide Arten waren durch den kommerziellen Walfang stark dezimiert worden. Ein größeres, produktives Sommergebiet könnte daher Populationen zugutekommen, die sich von dieser historischen Belastung erholen.
Für eisabhängige Arten sieht die Bilanz weniger positiv aus. Narwale, Grönlandwale und Ringelrobben sind an Lebensräume gebunden, in denen Meereis eine zentrale Rolle spielt. Wenn dieses Eis weiter zurückgeht, verlieren sie geeignete Rückzugs- und Nahrungsgebiete. Gleichzeitig können große Walansammlungen den Druck auf gemeinsam genutzte Beute erhöhen.
Die vorliegenden Daten stützen diese Risiken als plausible Folgen des veränderten Nahrungsnetzes. Sie belegen jedoch weder das genaue Ausmaß einer möglichen Nahrungskonkurrenz noch konkrete Bestandseffekte für jede einzelne eisabhängige Art.
Die auffälligen Walansammlungen sind nicht bloß ein ungewöhnliches Sommerereignis. Mehrere unabhängige Datenquellen weisen auf einen Übergang von einem kalten, eisdominierten Küstensystem zu einem wärmeren und saisonal offeneren Ökosystem hin.
Für mobile Arten entstehen dadurch neue Chancen. Gleichzeitig schrumpft der Lebensraum für Tiere, die auf dauerhaftes Meereis angewiesen sind. Die spektakulären gemeinsamen Fressgruppen vor Ostgrönland sind deshalb beides: ein sichtbares Zeichen dafür, wie schnell sich arktische Bedingungen verändern – und eine Erinnerung daran, dass der Vorteil für eine Tiergruppe mit erheblichen Nachteilen für andere einhergehen kann.
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Ostgrönland wandelt sich von einem stark vom Meereis geprägten Ökosystem zu einem saisonalen Futtergebiet für Bartenwale.
Ostgrönland wandelt sich von einem stark vom Meereis geprägten Ökosystem zu einem saisonalen Futtergebiet für Bartenwale. Finnwale, Buckelwale und Gewöhnliche Zwergwale fressen inzwischen regelmäßig gemeinsam – mindestens bis 70° nördlicher Breite.
Die Entwicklung deutet auf eine umfassende Veränderung des Nahrungsnetzes hin: Wärmeres Wasser und weniger Eis verändern den Zugang zu Beute und Lebensraum.