Das italienische Unternehmen Saipem, das an dem Projekt beteiligt war, bestätigte laut Berichten, dass Rauniyar verletzt wurde, und erklärte, man habe seine medizinische Versorgung sichergestellt. Die Frage einer finanziellen Entschädigung bleibt jedoch ein zentraler Kritikpunkt des Berichts.
Viele der interviewten Arbeiter berichteten von Einsätzen bei Temperaturen von über 50 °C. Einige gaben an, Kollegen seien auf Baustellen ohnmächtig geworden oder zusammengebrochen.
Ein Arbeiter brachte langjährige Arbeit unter diesen Bedingungen mit gesundheitlichen Problemen wie Nieren‑ und Herzkrankheiten in Verbindung.
Zusätzlich dokumentiert der Bericht extrem lange Schichten, besonders bei Fahrern von Treibstofftankern, die Aramco‑Anlagen versorgen. Einige Arbeiter berichteten von Arbeitstagen von bis zu 19 Stunden, kurzen Ruhepausen und Druck, zwischen Einsätzen im Fahrzeug zu schlafen – Faktoren, die das Risiko schwerer Verkehrsunfälle erhöhen können.
Auch die Wohnbedingungen der Arbeiter stehen im Fokus der Untersuchung.
Mehr als ein Drittel der Befragten beschrieb überfüllte oder unhygienische Unterkünfte, die laut Bericht der UN‑Habitat‑Definition von Slum‑Wohnungen entsprechen.
Einige Arbeiter gaben an, in Containerunterkünften mit defekten elektrischen Anlagen zu leben, bei denen es während Regenfällen zu Stromschlägen kam. Außerdem berichteten sie von schlechter Lebensmittelqualität und unzureichender Sanitärversorgung.
Ein zentraler Vorwurf des Berichts betrifft die Schwierigkeiten, Entschädigungen für Verletzungen oder Todesfälle zu erhalten.
FairSquare untersuchte sechs Fälle mit Todesfällen oder dauerhaften Behinderungen. Laut Bericht führte nur einer dieser Fälle zu einer angemessenen Entschädigung für die Betroffenen oder ihre Familien.
Die Organisation argumentiert, dass das Verfahren über das saudi‑arabische Sozialversicherungssystem komplex sei und häufig die aktive Unterstützung des Arbeitgebers erfordere – etwas, das viele Migrantenarbeiter nicht erhalten.
Darüber hinaus behauptet der Bericht, Angehörige seien in manchen Fällen dazu gedrängt worden, Leichen ohne Obduktion freizugeben. Todesfälle auf Baustellen seien teilweise als „natürliche Todesfälle“ eingestuft worden, was Entschädigungsansprüche erschweren oder verhindern könne.
Die Vorwürfe erhalten zusätzliche Aufmerksamkeit, weil Saudi‑Arabien seine Rolle im internationalen Sport ausbaut.
Saudi Aramco ist Sponsor mehrerer großer Sportveranstaltungen, während das Land sich auf die Fußball‑Weltmeisterschaft 2034 vorbereitet.
Im April 2026 forderten unabhängige UN‑Menschenrechtsexperten Saudi‑Arabien auf, dringend Maßnahmen zum Schutz der geschätzt 16 Millionen Migrantenarbeiter im Land zu ergreifen. Trotz früherer Reformen gebe es weiterhin Berichte über Missbrauch und Ausbeutung.
Nach Angaben von FairSquare wandten sich die Forscher vor Veröffentlichung des Berichts an Saudi Aramco, erhielten jedoch keine Stellungnahme.
In einzelnen Fällen äußerten sich beteiligte Auftragnehmer. So erklärte Saipem im Zusammenhang mit Rauniyars Unfall, dass medizinische Versorgung organisiert worden sei.
Der Bericht kommt insgesamt zu dem Schluss, dass strengere Kontrollen von Auftragnehmern und klarere Verantwortlichkeiten notwendig seien, um Arbeiter in großen industriellen Lieferketten besser zu schützen.
Comments
0 comments