Der Grund für diese Aufmerksamkeit liegt vor allem an einem Unternehmen: TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company). Der Auftragsfertiger produziert die weltweit fortschrittlichsten Chips – auch für viele US‑Technologiekonzerne.
Mit dem explosionsartigen Wachstum von KI‑Rechenzentren wird der Zugang zu modernen Fertigungsprozessen und zu aufwendigem Chip‑Packaging immer wichtiger. Für Chipdesigner wie Nvidia und AMD bedeutet das: Wer langfristig genug Kapazität sichern will, muss eng mit Taiwans Industrie zusammenarbeiten.
Genau deshalb reisten beide CEOs ungewöhnlich früh nach Taipei.
Nvidia‑Chef Jensen Huang landete mehr als eine Woche vor der Computex und nahm kurz darauf an einem Entwickler‑Treffen im Technologiebezirk Nangang teil – ein Signal, dass Nvidia seine Beziehungen zur lokalen Entwickler‑Community weiter ausbauen will.
Auch AMD‑CEO Lisa Su traf früh in der Stadt ein, während sich der Wettbewerb zwischen den beiden KI‑Chipgiganten weiter verschärft.
Für Nvidia steht während der Reise vor allem die eigene KI‑Konferenz GTC Taipei im Mittelpunkt, die parallel zur Computex stattfindet.
Der Höhepunkt ist Huangs Keynote am 1. Juni im Taipei Music Center, bei der er neue KI‑Technologien vorstellen und die Strategie des Unternehmens für die nächste Phase des KI‑Computings präsentieren soll.
Das GTC‑Programm läuft über mehrere Tage rund um die Computex und bringt Entwickler, Hardwarehersteller und Unternehmenskunden zusammen.
Schon kurz nach seiner Ankunft trat Huang bei einer lokalen Entwicklerveranstaltung auf. Das zeigt: Nvidia nutzt den Aufenthalt nicht nur für Produktankündigungen, sondern auch, um die Entwicklerbasis und das Partnernetzwerk rund um seine KI‑Plattform weiter zu stärken.
Gerade bei KI‑Beschleunigern reicht reine Hardwareleistung längst nicht mehr aus. Entscheidend ist ein starkes Ökosystem aus Software, Entwicklern, Serverherstellern und Cloud‑Betreibern.
AMD verfolgt in Taiwan eine etwas andere Strategie – mit starkem Fokus auf Produktionskapazitäten und langfristige Partnerschaften.
Das Unternehmen kündigte an, mehr als 10 Milliarden US‑Dollar in Taiwans KI‑ und Halbleiter‑Ökosystem zu investieren. Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit lokalen Herstellern zu vertiefen und die Produktionskapazitäten für zukünftige KI‑Prozessoren auszubauen.
Ein wichtiger Teil dieser Strategie betrifft Advanced Packaging – also die komplexe Integration mehrerer Chips in einem Modul. Gerade für moderne KI‑Prozessoren wird diese Technologie immer entscheidender.
Während ihres Besuchs soll Lisa Su außerdem Gespräche mit TSMC führen, insbesondere über Kapazitäten für den kommenden 2‑Nanometer‑Fertigungsprozess. Diese Technologie plant AMD für zukünftige Serverprozessoren wie die nächste Generation der EPYC‑Reihe einzusetzen.
AMD‑Manager betonen zudem, dass die Nachfrage nach Prozessoren und KI‑Infrastruktur deutlich schneller wächst als erwartet – weshalb das Unternehmen gemeinsam mit taiwanischen Partnern die Produktion ausweiten will.
Die parallele Präsenz der beiden CEOs in Taipei zeigt einen grundlegenden Wandel im Halbleitermarkt.
Der Wettbewerb im KI‑Chipgeschäft entscheidet sich heute nicht mehr allein durch technische Benchmarks. Immer wichtiger werden vier Faktoren:
Taiwan steht im Zentrum all dieser Bereiche – und wird damit zu einem der wichtigsten Schauplätze im globalen KI‑Hardware‑Wettlauf.
Die Computex Taipei gehört zu den größten Technologie‑ und Halbleitermessen der Welt. Hunderte Unternehmen präsentieren dort neue Hardware, während Branchenführer ihre Strategien für die kommenden Jahre vorstellen.
Mit dem aktuellen KI‑Boom hat die Messe noch einmal an Bedeutung gewonnen: Sie ist zu einer Bühne geworden, auf der Chipfirmen ihre Roadmaps präsentieren und gleichzeitig neue Partnerschaften schmieden.
Dass Huang und Su schon Tage vor dem offiziellen Start vor Ort sind, zeigt deshalb vor allem eines: Der eigentliche Wettbewerb beginnt oft lange vor den großen Keynotes – in vertraulichen Treffen, Lieferketten‑Verhandlungen und strategischen Allianzen innerhalb von Taiwans Halbleiterindustrie.