Das Kernproblem liegt in dem, was AMD eingespart hat. Die RX 9070 GRE nutzt einen beschnittenen Navi-48-Chip mit nur 48 Compute Units – zum Vergleich: Die vollwertige RX 9070 kommt auf 56 . Der verbaute GDDR6-Speicher beträgt 12 GB auf einem 192-Bit-Interface, was einen Kapazitätsverlust von 25 Prozent gegenüber den 16 GB der Standard-RX-9070 und RX-9070 XT bedeutet
. Die Speicherbandbreite liegt bei 432 GB/s
.
Um den Core-Verlust etwas auszugleichen, legte AMD beim Boost-Takt nach: 2,79 GHz sind höher als die 2,52 GHz des Standardmodells . Die typische Board-Power (TBP) wird mit 220 Watt angegeben
.
Unabhängige Tests bestätigten die Befürchtungen. KitGuru ermittelte in seinem Review 14 Prozent weniger Rechenkerne und – wie bestellt – im Schnitt 14 Prozent geringere Leistung bei 1440p-Auflösung . Im selben Test lag die GRE im Mittel 6 Prozent hinter der Nvidia RTX 5070, ohne den Konkurrenten in einem der zwölf Spieletitel signifikant zu schlagen
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Positiv formuliert: Die GRE hängt die RX 9060 XT um gut 31 Prozent ab und lässt auch die RTX 5060 Ti 16 GB hinter sich. AMDs eigene Benchmarks über mehr als 40 Spiele nennen im Schnitt 22 Prozent Vorsprung . Doch dieser Vergleich verliert an Strahlkraft, wenn die wichtigste Konkurrentin im eigenen Stall steht: Die Standard-RX 9070 bietet deutlich mehr Dampf für nicht viel mehr Geld.
Bei 4K wird der 12-GB-Framebuffer zunehmend zum Engpass. PC Guide zeigte, dass die GRE im nativen 4K-Gaming sogar hinter die letztjährige RX 7900 GRE zurückfällt, während der Abstand zur RX 9070 bei Raytracing-Szenarien noch deutlicher ausfällt .
Die 549-Dollar-UVP ist der Kern aller Kritik. AMD hatte seinerzeit die stärkere RX 9070 für exakt denselben Listenpreis auf den Markt gebracht, bevor dieser still auf 619 Dollar stieg . Die GRE tritt also zu dem Preis an, den zuvor das schnellere Modell trug – ein merkwürdiges Preis-Leistungs-Verhältnis.
Tom’s Hardware attestierte der GRE in seinem Test „solide Mittelklasse“ . Gagadget sprach von einer „komplizierten Geschichte“
. Notebookcheck titelte gar: „ein ziemlich mieser Deal von AMD“
. Ein Tenor zieht sich durch: Keine schlechte Karte an sich, aber neben AMDs eigenem Lineup schwer zu rechtfertigen.
Die realen Straßenpreise verstärken das Dilemma. Bei US-Händlern ist die GRE ab etwa 549,99 Dollar zu haben, während die 16-GB-RX 9070 für rund 50 Dollar mehr den Besitzer wechselt . Angesichts 14 Prozent Mehrleistung bei 1440p und einem größeren 4K-Vorteil – vor allem mit Raytracing – sind diese 50 Dollar eine der sinnvollsten Investitionen für Neukäufer.
Verkaufsdaten von Mindfactory, oft Gradmesser für den europäischen DIY-Markt, deuten auf eine kühle Aufnahme hin. Einem Bericht zufolge verkaufte sich die GRE am deutschen Markt zunächst so gut wie gar nicht
. In den Amazon-Bestsellerlisten für GPUs tauchte die Karte an den ersten Tagen ebenfalls nicht auf, während das Schwestermodell RX 9070 XT bei Mindfactory Wochen für Woche hunderte Einheiten absetzt
.
Die Radeon RX 9070 XT ist seit Monaten ein Verkaufsschlager und lag im November 2025 sogar vor der gesamten RTX-50-Serie von Nvidia . Die RX 9070 GRE dagegen fällt in ein Niemandsland: Käufer greifen entweder zur günstigeren 9060 XT oder legen das bisschen mehr für die spürbar flottere RX 9070 hin.
Weshalb sich AMD ausgerechnet für diese Preisgestaltung beim globalen Rollout entschied, bleibt unklar. Die ursprüngliche RX 9070 GRE bediente einen spezifischen Markt in China mit anderen Preis- und Verfügbarkeitsstrukturen . Dieses Produkt eins zu eins mit jener UVP in den Weltmarkt zu stellen, die zuvor das stärkere Modell trug, erzeugte unweigerlich einen Wahrnehmungsproblem.
Für Bauherren, die mit der GRE liebäugeln, ist die Rechnung unbequem, aber einfach: Die Rasterleistung bei 1440p ist solide, und sie schlägt im Schnitt Nvidias RTX 5060 Ti . Doch die geringe Preisdifferenz zur RX 9070 mit 14 bis 16 Prozent mehr Leistung und 33 Prozent größerem VRAM-Puffer macht die GRE für alle, die 50 bis 70 Euro mehr ausgeben können, zu einer schweren Empfehlung
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Die RX 9070 GRE ist ein seltsames Produkt – leistungsfähig genug für aktuelle Spiele, aber zu einem Preis gestartet, der sie neben einem fast durchweg besseren Geschwistermodell alt aussehen lässt.
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