Die größte Schlagzeile war jedoch der Ausblick auf die KI-Infrastruktur. Nachdem Cisco im laufenden Jahr bereits 5,3 Milliarden Dollar an KI-bezogenen Aufträgen verbucht hatte, hob das Unternehmen seine Prognose für KI-Infrastrukturaufträge im Geschäftsjahr 2026 auf rund 9 Milliarden Dollar an – fast eine Verdopplung der bisherigen Erwartungen.
Dieser Sprung deutet darauf hin, dass die sogenannten Hyperscaler – also Cloud-Giganten wie Amazon, Microsoft und Google – ihre Netzwerke, die Tausende von GPUs innerhalb von KI-Rechenzentren verbinden, in rasantem Tempo ausbauen.
Große KI-Cluster sind auf extrem schnelle Verbindungen zwischen Servern, Speichersystemen und Rechenbeschleunigern angewiesen. Je größer die KI-Modelle werden, desto mehr Daten fließen zwischen den Maschinen.
Das zwingt die Hyperscaler zu massiven Investitionen in:
Ciscos Bestellwachstum zeigt, dass diese Netzwerkschicht zu einem der größten Engpässe – und Chancen – im KI-Ausbau geworden ist. Wer die Rechenkapazität erweitert, muss parallel dazu die Netze aufrüsten, die Tausende GPUs miteinander verknüpfen.
Die Aktienrallye von Nokia spiegelt denselben Infrastruktur-Trend wider.
Das Unternehmen meldete starke Ergebnisse für das erste Quartal 2026, darunter einen Sprung des vergleichbaren Betriebsgewinns um 54 Prozent auf 281 Millionen Euro, womit die Analystenerwartungen übertroffen wurden.
Noch wichtiger: Die Zahlen zeigen eine dynamische Nachfrage von KI-Kunden:
Diese Zahlen trieben die Nokia-Aktie auf den höchsten Stand seit 2010. In der Spitze kletterte das Papier um fast 7 Prozent im frühen Handel in Helsinki.
Mehrere strategische Entscheidungen haben Nokia in eine hervorragende Position gebracht, von dieser Verschiebung hin zur KI-Vernetzung zu profitieren.
1. Expansion bei optischen Netzwerken
Nokia schloss die 2,3 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Optik-Spezialisten Infinera ab und stärkte damit die Fähigkeit, hochkapazitive Glasfaser- und Rechenzentrums-Verbindungstechnologien für KI-Cluster zu liefern.
2. Partnerschaft mit Nvidia für KI-native Netze
Nokia und Nvidia kündigten eine Zusammenarbeit an, um AI-RAN und KI-native Telekommunikationsnetze der nächsten Generation zu entwickeln. Dies unterstreicht die wachsende Konvergenz von klassischen TK-Netzen und KI-Recheninfrastruktur.
Zusammengenommen verändern diese Schritte das Bild von Nokia grundlegend: vom traditionellen Telekommunikationsausrüster hin zum Zulieferer für moderne Rechenzentrums- und Cloud-Infrastruktur im KI-Zeitalter.
Die Marktreaktion auf Cisco und Nokia unterstreicht ein grundlegendes Investmentthema: Die Investitionsausgaben (Capex) der Hyperscaler schwappen zunehmend zu den Netzwerkausrüstern über.
Wer als Cloud-Anbieter ein KI-Rechenzentrum baut, muss mehrere Infrastrukturebenen bereitstellen, die oft nacheinander boomen:
Jahrelang konzentrierte sich das Interesse der Anleger auf die Chips – insbesondere auf GPUs. Doch Ciscos Bestellwachstum und Nokias Gewinnsprung deuten darauf hin, dass die Netzwerkschicht zu den größten Profiteuren des KI-Ausbaus wird.
Der Trend geht weit über Cisco und Nokia hinaus.
Unternehmen wie Arista Networks sind ebenfalls bestens positioniert, da sie auf Hochleistungs-Ethernet-Switches spezialisiert sind, die in Rechenzentren der Hyperscaler zum Einsatz kommen. Analysten stufen diese Firmen zunehmend als Schlüssellieferanten für KI-Cluster und Cloud-Expansion ein. So sehen Experten von Morgan Stanley in Cisco und Arista zentrale Profiteure des KI-Infrastrukturaufbaus, getrieben durch die wachsende Marktbedeutung von Ethernet-Technologie und attraktive Bewertungen.
Selbst Cisco wird immer weniger nur als traditioneller Unternehmensnetzwerker gesehen, sondern als zentraler KI-Infrastrukturlieferant, speziell in den Bereichen Rechenzentrums-Vernetzung und optische Konnektivität.
Die Rallye der Netzwerkaktien deutet darauf hin, dass Investoren den KI-Boom zunehmend als umfassenden Infrastrukturzyklus begreifen – und nicht nur als Halbleiter-Story.
Die jüngsten Quartalsergebnisse zeichnen ein klares Muster:
Nokias 16-Jahres-Hoch an der Börse, gepaart mit Ciscos Rekordzahlen und steigenden KI-Auftragsprognosen, deutet darauf hin, dass sich die nächste Phase des KI-Booms immer stärker um die Netze dreht, die riesige KI-Rechencluster miteinander verbinden.
Wenn KI-Systeme in Richtung Zehntausender oder gar Millionen vernetzter Prozessoren skalieren, könnten die Unternehmen, die diese Netze bauen, zu den wichtigsten Zulieferern des gesamten KI-Ökosystems aufsteigen.
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