Bitcoin legte am Montag um mehr als 2 Prozent zu, lag im laufenden Jahr aber weiterhin knapp 27 Prozent im Minus. Fundstrat bewertet den Anstieg daher vorsichtig: Das Open Interest bei coinbasierten Perpetual-Futures fiel während des Kursanstiegs um etwa 8 Prozent. Das passt eher dazu, dass pessimistische Händler Short-Positionen schlossen, als zu einer breiten Welle neuer Long-Positionen.
Das erklärt, warum die Erholung noch nicht zwingend in einen nachhaltigen Aufwärtstrend übergehen muss. Fundstrat verwies auf ähnliche Short-Covering-Rallys Anfang Juni und Anfang Juli, die Bitcoin zunächst nach oben trieben, anschließend aber wieder nachließen. Ein konstruktives Kursbild ist zwar ermutigend – für eine dauerhafte Erholung braucht es jedoch Anschlusskäufe am Spotmarkt.
Als zentrales Abwärtsrisiko nannte Fundstrat die langfristigen Realrenditen. Steigen diese weiter, könnten sich die Finanzierungsbedingungen verschärfen und Bitcoin sowie andere Risikoanlagen zusätzlich belasten. Ein anhaltender Anstieg der Realrenditen würde einen Ausbruch nach unten aus der aktuellen Niedrigvolatilitätsphase wahrscheinlicher machen.
Das positive Szenario setzt die gegenteilige Entwicklung voraus: Eine Stabilisierung der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen – möglicherweise unterstützt durch fallende Ölpreise – könnte den Druck auf Risikoanlagen verringern und Bitcoin einen Ausbruch nach oben ermöglichen. Im Fokus standen außerdem das Protokoll der US-Notenbank und der weitere Zinsausblick. Bank of America rechnete trotz schwächerer Juli-Daten weiterhin mit zusätzlichen Zinserhöhungen der Federal Reserve um insgesamt 75 Basispunkte.
Praktisch bedeutet das: Stabile oder sinkende Realrenditen und eine weniger restriktive Interpretation der Geldpolitik würden das Umfeld für eine Rally verbessern. Neuer Zinsdruck würde eine negative Auflösung der aktuellen Handelsspanne begünstigen. Die historische Volatilitätsanalyse von Fundstrat allein kann diese Frage jedoch nicht beantworten.
Eine vorsichtige Interpretation lautet, dass sich Bitcoin möglicherweise in einer späten Phase eines Bärenmarkts befindet oder weiterhin einem breiteren Rückgang an den Aktienmärkten ausgesetzt ist. In einem solchen Umfeld kann ein ruhiger Markt wachsende Hebelpositionen verdecken. Ein scharfer Kursausschlag bei Bitcoin oder Aktien könnte Zwangsschließungen auslösen und aus einem normalen Ausbruch eine größere Liquidationsbewegung machen.
Auch der Optionsmarkt deutete auf die Erwartung zunehmender Turbulenzen hin. Marktberichte beschrieben eine ungewöhnlich niedrige realisierte Volatilität bei gleichzeitig höherer zukunftsgerichteter impliziter Volatilität. Mit anderen Worten: Der Markt war zuletzt ruhig, doch die Preise für Optionen spiegelten die Sorge wider, dass diese Ruhe nicht anhalten könnte.
Die Positionierung war dabei nicht einheitlich bullisch. Verkaufsoptionen, sogenannte Puts, mit Ausübungspreisen nahe 60.000 US-Dollar waren teurer als vergleichbare Kaufoptionen, sogenannte Calls, nahe 70.000 US-Dollar. In einer Momentaufnahme machten Puts zudem 53,8 Prozent des Bitcoin-Optionsvolumens aus. Das spricht für eine gewisse Nachfrage nach Absicherung, liefert aber weiterhin keine Gewissheit über die spätere Kursrichtung.
Fundstrats Analyse stützt eine These zur Ausweitung der Volatilität, nicht die Vorhersage einer sicheren Rally. Die historische Parallele ist bemerkenswert: Auf acht vergleichbare Phasen außergewöhnlicher Ruhe folgte eine mediane absolute Bewegung von 30,2 Prozent über 60 Tage. Die Aufteilung von vier Aufwärts- und vier Abwärtsbewegungen zeigt jedoch, warum diese Zahl nicht als Kursziel interpretiert werden sollte.
Für das bullische Szenario müsste Bitcoin anhaltende Nachfrage am Spotmarkt zeigen, während Realrenditen und die allgemeinen Finanzierungsbedingungen nicht weiter ungünstiger werden. Das bärische Szenario würde durch steigende Realrenditen, einen Schock an den Aktienmärkten oder den Abbau gehebelter Positionen entstehen. Bis diese Auslöser klarer erkennbar sind, bleibt die belastbarste Aussage: Bitcoin könnte vor einer größeren Bewegung stehen – ihre Richtung ist jedoch weiterhin offen.