Ein Serverumzug sollte DigiCerts interne Infrastruktur verändern – doch dabei wurde ein zuvor VPN-geschütztes Geschäftssystem öffentlich erreichbar. Eine Selbstregistrierungsfunktion und eine fehlerhafte Berechtigungsprüfung ermöglichten anschließend den Zugriff auf archivierte Kundendaten. DigiCert zufolge fand dieser Zugriff zwischen dem 27. Juni und dem 2. Juli 2026 statt. Die Zertifikatsausstellung sei nicht betroffen gewesen.
1
11
24
Wie aus einer Migration eine Datenpanne wurde
Im Februar 2025 wurde das interne System in ein anderes Netzwerksegment verschoben. Dabei fiel offenbar die VPN-Schranke weg, die den Zugriff zuvor begrenzt hatte. Das System bot eine Selbstregistrierung an – eine Funktion, die nicht dafür gedacht war, Außenstehenden Zugang zum Archiv zu geben.
3
5
11
Das zentrale Problem lag bei der Berechtigungsprüfung: Selbstregistrierte Konten ohne zugewiesene Anwendung konnten trotzdem archivierte Datensätze lesen. Berichten zufolge war für solche Konten keine Mehr-Faktor-Authentifizierung (MFA) vorgesehen, anders als für Mitarbeiterkonten.
11
25 Die Quellen beschreiben einen Fehler bei der Zugriffssteuerung – keinen MFA-Umgehungsangriff auf die Zertifikatsausstellung.
11
24
Der Ablauf: von ersten Hinweisen bis zur Bestätigung
- Februar 2025: Durch die Migration wurde das interne System von außen erreichbar. Ein Bericht datiert die Umstellung auf den 4. Februar.
3
5
- 18. Juni 2026: Mitarbeiter bemerkten Konten, die nicht zu DigiCert gehörten. Eine erste Einschätzung ging fälschlich davon aus, dass Konten ohne Anwendungszuweisung nicht auf Daten zugreifen könnten. Berichten zufolge blockierte eine Web Application Firewall (WAF) außerdem neue Registrierungen über den externen Zugang.
5
26
- 21. Juni: DigiCerts Vorfallbericht hält fest, dass das Unternehmen die unerwünschte Erreichbarkeit des Systems und ein Konto ohne Anwendungszuweisung festgestellt hatte.
24 Berichte erwähnen zudem einen Hinweis aus einem Sicherheitsforschungsprogramm um diesen Zeitpunkt.
18
22
- 27. Juni bis 2. Juli: In diesem Zeitraum griff ein nicht autorisiertes Konto auf einen Teil der archivierten Daten zu – wie DigiCert später feststellte.
1
24
- 2. Juli: DigiCert spielte eine Berechtigungsänderung ein. Sie sollte sowohl die Kontoerstellung als auch den Datenzugriff für nicht zugewiesene Konten unterbinden.
24
- 19. Oktober: DigiCert bestätigte den unbefugten Zugriff auf archivierte Daten und stufte den Vorfall als meldepflichtig ein.
24
Die Abfolge macht zwei verschiedene Probleme sichtbar: Neue Registrierungen zu blockieren war nicht dasselbe, wie bereits vorhandenen, nicht zugewiesenen Konten den Zugriff auf das Archiv zu verwehren. Die Änderung vom 2. Juli adressierte den Zugriff. Dass Kundendaten tatsächlich gelesen worden waren, bestätigte DigiCert jedoch erst am 19. Oktober – mehr als drei Monate nach dem später rekonstruierten Zugriffszeitraum.
18
24
Welche Daten betroffen waren
Bei den meisten aufgerufenen Datensätzen handelte es sich um geschäftliche Kontaktdaten: Namen, geschäftliche E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Geschäftsadressen. Bei einer kleinen Minderheit enthielten die Unterlagen zusätzlich Identitätsnachweise wie Reisepässe, Führerscheine oder Versorgerrechnungen. Einige Kundenvertreter hatten solche Dokumente zur Identitätsprüfung eingereicht.
1
12
24
Wie viele Kunden insgesamt betroffen sind, geht aus den verfügbaren Berichten nicht hervor. DigiCert hatte mit Benachrichtigungen an betroffene Kunden begonnen; die Quellen nennen aber weder die Gesamtzahl der versandten Mitteilungen noch den Stand einer Prüfung der offengelegten Ausweisdokumente.
6
7
Was laut DigiCert nicht betroffen war
DigiCert erklärte, seine Zertifizierungsdienste, CertCentral, DigiCert ONE, Kunden-Zugangsdaten und ausgestellten Zertifikate seien nicht kompromittiert worden.
9 Der Vorfall betraf archivierte Kundendaten in einem internen Geschäftssystem – nicht eine gemeldete Kompromittierung der Zertifikatsausstellung.
1
24
Aus den verfügbaren Berichten lässt sich allerdings nicht der Status jeder einzelnen Validierungsfunktion oder sämtlicher Prüf- und Alarmierungsprozesse ableiten. Die Aussage, dass Zertifikatsausstellung und bestimmte Dienste nicht betroffen waren, belegt nicht automatisch den Zustand aller weiteren Funktionen.
Warum die Bestätigung so lange dauerte
Die erste Einschätzung konzentrierte sich auf die fremden Konten und ging davon aus, dass Konten ohne Anwendungszuweisung keine Kundendaten erreichen konnten. Diese Annahme war falsch: Die Berechtigungslogik ließ den Konten dennoch Lesezugriff auf das Archiv.
5
24
Belegt ist: DigiCert bemerkte das Zugriffsproblem im Juni, setzte im Juli eine Korrektur um und bestätigte den Datenzugriff im Oktober. Die verfügbaren Quellen erklären jedoch nicht vollständig, welche Schritte die Untersuchung dazwischen umfasste oder warum die Bestätigung bis Oktober dauerte. Auch die Zahl der betroffenen Kunden sowie der abschließende Stand der Benachrichtigungen und der Dokumentenprüfung bleiben offen.
6
24