Das ist der entscheidende Unterschied zu einem klassischen Deathmatch. Wer ein Duell gegen einen stärkeren Gegner verliert, ist in The Duskbloods nicht automatisch aus dem Spiel. Stattdessen kann man weiter erkunden, ein PvE-Ziel verfolgen, eine Aufgabe erfüllen oder eine Gelegenheit an einem anderen Ort der Karte nutzen. So bleibt die Partie auch dann strategisch offen, wenn ein direkter Kampf kurzfristig die schlechteste Entscheidung wäre.
Dadurch entstehen auch Möglichkeiten für zeitweilige Zusammenarbeit. Gegen eine besonders gefährliche Bedrohung aus der Spielwelt kann es sinnvoll sein, sich mit anderen Spielern zusammenzutun, bevor der Wettbewerb später wieder aufflammt. In der letzten Phase wird das Feld offenbar auf die erfolgreichsten Teilnehmer verengt – aus dem ununterbrochenen Acht-Spieler-Chaos wird dann ein konzentrierteres Finale.
Leaked Berichte und Vorschauen verwenden für dieses Endspiel unter anderem die Bezeichnungen Moon Blood Bestowal und Grail Battle. Da FromSoftware die endgültigen Regeln und die Terminologie noch nicht vollständig erklärt hat, sollten diese Angaben mit Vorsicht behandelt werden.
Gespielt werden die Bloodsworn: mächtige, vampirähnliche Krieger, die aus unterschiedlichen Epochen der Menschheitsgeschichte stammen. Sie werden in die „Twilight of Humanity“ gerufen und treten dort um den Preis First Blood an.
Anders als in einem traditionellen Souls-Spiel stehen offenbar keine leeren Figuren im Mittelpunkt, die man erst über Ausrüstung und Werte zu einem individuellen Build formt. Die Bloodsworn sind vielmehr eigenständige Action-Charaktere. Ihre Bewegungsmöglichkeiten, Waffen, Fähigkeiten und Verwandlungen prägen ihre Identität. Zum Start soll das vollständige Spiel mehr als zehn Bloodsworn bieten; im Preview- und Netzwerktest-Build waren sechs verfügbar.
Das erklärt, warum das durchgesickerte Gameplay ungewöhnlich beweglich wirkt. Der inoffizielle Clip zeigt laut Berichten Luftbewegungen, charakteristische Fähigkeiten, Transformationen und einen dramatischen Kampf auf Dächern. Als Eindruck vom Tempo ist das Material interessant, eine verlässliche Darstellung der Launch-Version ist es jedoch nicht.
Das spannendste System könnte Sigils heißen. Miyazaki beschreibt The Duskbloods im Zusammenhang mit Tabletop-Rollenspielen und Brettspielen – also Spielen, in denen nicht alle Teilnehmer dieselbe universelle Siegbedingung verfolgen. Stattdessen betreten sie ein Szenario mit unterschiedlichen Rollen, Motiven und Informationen und müssen die Lage während des Spiels interpretieren.
In The Duskbloods scheinen Sigils den Figuren persönliche Ziele oder Anreize zu geben, die über der gemeinsamen Match-Struktur liegen. Eine Handlung kann für einen Spieler deshalb wertvoll sein, während ein anderer sie ignoriert. Dadurch entstehen über das Schlachtfeld verteilte Motive, die für Rivalen nur teilweise sichtbar sind.
Das erzeugt einen anderen Druck als in einem reinen Arena-Spiel. Die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Wen kann ich besiegen?“ Sie lautet auch: „Was versucht diese Person eigentlich zu erreichen?“
Miyazaki interessiert dabei nicht nur, ob die Spieler das System so nutzen, wie es die Entwickler vorgesehen haben. Er möchte ausdrücklich sehen, auf welche unerwarteten Arten die Community Sigils während der Tests interpretiert und einsetzt. Der Netzwerktest wird daher zeigen, ob daraus echte Geschichten, improvisierte Bündnisse und überraschende Verrate entstehen – oder ob die Spieler jedes Sigil schnell auf eine möglichst effiziente Aufgabenliste reduzieren.
The Duskbloods bleibt ein kompetitives Spiel, und die Kämpfe wirken anspruchsvoll. Die Vorschauen deuten jedoch auf mehrere sinnvolle Beschäftigungen hin, bei denen direkte Duelle nicht die einzige Option sind. Virtue lässt sich offenbar durch Erkundung, PvE-Begegnungen, besondere Aufgaben und charakterbezogene Ziele verdienen. Bestimmte Szenarien können außerdem Zusammenarbeit belohnen. Matchmaking-Systeme sollen wiederholte Begegnungen zwischen Einsteigern und deutlich erfahreneren Spielern verringern.
Zu den weiteren Optionen gehören laut Preview-Berichten KI-Begleiter namens Kin. Sie machen aus The Duskbloods zwar kein klassisches Einzelspieler-Spiel. Sie deuten aber darauf hin, dass FromSoftware eine Partie auch dann relevant gestalten möchte, wenn man nicht der stärkste Kämpfer in der Lobby ist.
Auch Nintendos Beteiligung könnte dabei eine Rolle spielen. Miyazaki bezeichnete Nintendo als „definitiv den richtigen Partner“ für das Projekt. Berichten zufolge drängte Nintendo FromSoftware außerdem dazu, Erklärungen und den Einstieg ins Spiel zu verbessern. Das ist bemerkenswert für ein Studio, dessen Spiele häufig damit verbunden werden, Spieler ohne große Einführung in komplexe Welten zu werfen.
The Duskbloods befindet sich Berichten zufolge seit 2021 in Entwicklung – zu einer Zeit, als FromSoftware noch an Elden Ring arbeitete. Miyazaki versteht das Projekt als Möglichkeit, Multiplayer-taugliche Ideen weiterzuentwickeln, die sich während vieler Jahre mit überwiegend auf Einzelspieler ausgerichteten Spielen angesammelt haben. Es sei kein Zeichen dafür, dass das Studio seine Einzelspieler-Arbeit aufgibt.
Dieser Hintergrund macht die ungewöhnliche Struktur verständlicher. The Duskbloods überträgt nicht einfach FromSoftwares Kampfsystem auf ein Battle-Royale-Modell. Das Studio versucht vielmehr, vertraute Interessen wie Worldbuilding, markante Figuren, asymmetrische Ziele, Entdeckung und die Interpretation durch Spieler in ein rundenbasiertes Multiplayer-Format zu überführen.
Der Global Network Test ist für den 21. bis 24. August angesetzt und findet vor dem für 2026 geplanten Start statt. Entscheidend wird dabei nicht nur sein, ob sich die Kämpfe schnell anfühlen oder die Bloodsworn Spaß machen. Die größere Frage lautet, ob die Systeme rund um den Kampf tatsächlich jene soziale Unsicherheit erzeugen, von der Miyazaki spricht.
Eine gelungene Partie sollte Spieler mit mehreren konkurrierenden Fragen konfrontieren:
Das geleakte Dach-Gameplay deutet auf ein spektakuläres und äußerst mobiles Finale hin. Die Hands-on-Vorschauen legen jedoch nahe, dass der wichtigere Teil früher stattfindet: in dem Moment, in dem acht Spieler dieselbe Karte und dieselben Regeln unterschiedlich lesen.
Bis der Test und später das vollständige Spiel eine breitere Faktenbasis liefern, fällt das vorsichtigste Urteil daher positiv, aber nicht endgültig aus: The Duskbloods ist ein ambitioniertes Experiment. FromSoftware versucht, ein kompetitives Multiplayer-Spiel so zu gestalten, dass es sich zugleich wie ein Tabletop-Szenario und wie eine Arena anfühlt.
Die zentrale Frage ist damit klar: Erzeugen Virtue und Sigils tatsächlich erinnerungswürdige Geschichten zwischen Spielern – oder werden erfahrene Teilnehmer daraus nur die nächste optimierte Route zum Sieg machen? Der Netzwerktest soll genau das herausfinden.