Besonders häufig genannt wurde der intensive Wettbewerb. Wenn gleichzeitig die Nachfrage schwach bleibt und immer mehr Anbieter um dieselben Aufträge kämpfen, geraten Preise und Margen weiter unter Druck.
Fast 60 Prozent der Befragten erklärten, dass wachsende Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ihre Gewinne schrittweise aufgezehrt hätten . In einigen Fällen führte der Engpass beim Zahlungseingang zu einer akuten finanziellen Notlage .
Das Problem ist nicht neu. Bereits im März 2026 forderten Unternehmer, offene Verbindlichkeiten mithilfe von Staatsanleihen sowie rechtlich verbindlichen Zahlungen staatlicher Unternehmen und Behörden abzubauen, um die miteinander verflochtenen Schuldenketten zu unterbrechen . Auch das EU SME Centre bezeichnete verspätete Zahlungen in einem Bericht von 2025 als strukturelle Schwäche des Geschäftsumfelds .
Viele Unternehmen, die auf den chinesischen Binnenmarkt angewiesen sind, leiden unter verhaltenem Konsum. Eine schwache Nachfrage erschwert es ihnen, Umsätze zu steigern oder höhere Kosten weiterzugeben .
Die Weltbank hatte eine gedämpfte Nachfrage bereits als anhaltendes Risiko für die chinesische Wirtschaft hervorgehoben . Auch der China Economic Monitor von KPMG verwies im ersten Quartal 2026 auf eine Erholung, die weiterhin von einer fragilen Nachfrage gebremst wird .
Die Kombination aus Preisdruck, Zahlungsverzögerungen und fehlenden neuen Aufträgen lässt die Gewinnspannen schrumpfen . Für viele Firmen bedeutet das: Investitionen werden verschoben, Expansionspläne zurückgestellt und vorhandene Mittel vor allem dazu eingesetzt, den laufenden Betrieb zu sichern.
Etwa ein Fünftel der befragten Unternehmen meldete sowohl steigende Umsätze als auch höhere Gewinne . Diese positiven Entwicklungen konzentrierten sich laut Umfrage vor allem auf künstliche Intelligenz, Halbleiter und fortgeschrittene Werkstoffe .
Daraus ergibt sich das Bild einer K-förmigen Erholung: Ein Teil der Wirtschaft bewegt sich steil nach oben, während ein anderer Teil weiter nach unten zeigt. Die Gewinner sitzen vor allem in neuen Technologien und der fortgeschrittenen Fertigung. Traditionelle Branchen und viele Unternehmen mit schwächerer Marktposition kämpfen dagegen mit Überkapazitäten, geringer Nachfrage und zunehmendem Wettbewerb .
Auch die zur selben Zeit veröffentlichten Branchendaten weisen in diese Richtung. Die Gewinne der Elektronikindustrie stiegen demnach – angetrieben von der Nachfrage nach KI-Technologie – binnen Jahresfrist um 96,9 Prozent. Im Automobilbau sanken die Gewinne dagegen um 19,5 Prozent, in der Eisen- und Stahlverarbeitung sogar um 25 Prozent .
Die Zahlen sprechen nicht für einen einheitlichen Aufschwung der chinesischen Privatwirtschaft. Sie zeigen vielmehr, dass Kapital, Nachfrage und Wachstum zunehmend in technologiebezogene Bereiche fließen, während traditionelle Geschäftsmodelle unter Druck bleiben.
Für die Politik verschärft das die Aufgabe: Maßnahmen zur Unterstützung der Privatwirtschaft müssten nicht nur Investitionen in Zukunftstechnologien fördern, sondern auch die Zahlungsfähigkeit von Unternehmen verbessern und die Binnennachfrage stärken. Solange Rechnungen verspätet beglichen werden und neue Aufträge ausbleiben, dürfte der Technologieboom für viele Firmen außerhalb der Wachstumssektoren nur begrenzt spürbar sein.