Die Ergebnisse belegen noch keinen Zusammenbruch des Standardmodells: LHCb findet beim seltenen B Meson Zerfall weiterhin eine Spannung, die je nach theoretischer Behandlung fast 4σ erreicht. ATLAS misst eine Higgs Paar Rate von 2,6 ± 1,4 mal der Standardmodell Erwartung.
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Forschungsantwort

Create a landscape editorial hero image for this Studio Global article: What do CERN’s latest LHCb, ATLAS, and CMS results reveal about persistent possible cracks in the Standard Model—specifically, how does LHCb. Article summary: These are not yet discoveries or established failures of the Standard Model (SM). LHCb’s \(B^0\to K^{*0}\mu^+\mu^-\) result is the sharper anomaly—about 4σ under particular SM theory treatments—whereas the new double-Hig. Topic tags: general, general web. Style: premium digital editorial illustration, source-backed research mood, clean composition, high detail, modern web publication hero. Use reference image context only for broad subject, composition, and topical grounding; do not copy the exact image. Avoid: logos, brand marks, copyrighted characters, real person likenesses, fake screenshots, UI text, readable text, watermarks, charts with fake numbers, clic
Die jüngsten Ergebnisse vom Large Hadron Collider (LHC) zeichnen kein einheitliches Bild eines bevorstehenden Umsturzes in der Teilchenphysik. Sie zeigen vielmehr zwei sehr unterschiedliche Arten von Unsicherheit: LHCb findet beim seltenen Zerfall (B^0\to K^{*0}\mu^+\mu^-) weiterhin Abweichungen von den Vorhersagen des Standardmodells. ATLAS und CMS verbessern derweil die Suche nach der seltenen Produktion von Higgs-Boson-Paaren, ohne bislang eine statistisch etablierte Anomalie zu sehen. 1
17
33
Der entscheidende Unterschied: LHCb meldet eine mögliche Abweichung von einer Präzisionsvorhersage. ATLAS und CMS versuchen vor allem, den seltenen Prozess der Higgs-Paar-Produktion erstmals eindeutig zu beobachten und die Selbstwechselwirkung des Higgs-Feldes genauer zu bestimmen.
Der Zerfall (B^0\to K^{*0}\mu^+\mu^-) gehört zu den sogenannten flavour-changing neutral currents, also neutralen Prozessen, bei denen sich der Quark-Flavour ändert. Im Standardmodell läuft er nicht über eine einfache Wechselwirkung auf Baumebene, sondern über unterdrückte Quantenprozesse. Gerade deshalb kann er empfindlich auf kleine Veränderungen in den zugrunde liegenden Wechselwirkungen reagieren.
Die neue LHCb-Analyse nutzt die vollständigen Run-1- und Run-2-Daten des Experiments aus den Jahren 2011–2012 und 2016–2018. LHCb bezeichnet sie als bislang umfassendste Untersuchung dieses Zerfalls. Sie berücksichtigt ein breiteres Spektrum an Winkelobservablen sowie zusätzliche Beiträge zum beobachteten Endzustand. 1
8
Wichtig ist dabei nicht eine einzelne auffällige Zahl. Mehrere Observablen zeigen weiterhin ein zusammenhängendes Muster: Dazu gehören die bekannte Spannung beim Winkelobservablen (P'_5) und Unterschiede im differentiellen Verzweigungsverhältnis. Frühere LHCb-Analysen hatten bereits Abweichungen bei verwandten seltenen B-Meson-Zerfällen festgestellt. 3
5
9
Dass das Muster durch zusätzliche Daten nicht einfach verschwunden ist, macht es wissenschaftlich besonders interessant. Beständigkeit allein beweist jedoch noch nicht, dass ein neues Teilchen oder eine bislang unbekannte Kraft dahintersteckt.
Eine Signifikanz von annähernd 4σ bedeutet, dass das beobachtete Muster unter einer bestimmten Gegenüberstellung mit dem Standardmodell ungewöhnlich ist. Sie ist nicht gleichbedeutend mit einer 4σ-Entdeckung neuer Physik, die unabhängig von allen Modellannahmen wäre.
Die Bewertung hängt unter anderem von theoretischen Berechnungen der starken Wechselwirkung im Inneren des B-Mesons ab. Diese sogenannten hadronischen Beiträge sind schwierig präzise zu berechnen. Werden ihre Unsicherheiten unterschätzt, kann eine scheinbare Diskrepanz größer wirken, als der tatsächliche Unterschied zwischen Experiment und Theorie ist. CERN betont deshalb, dass weitere Daten und verbesserte Berechnungen notwendig sind, bevor sich die Ursache der Spannung bestimmen lässt. 1
5
7
Physikerinnen und Physiker behandeln eine einzelne Signifikanz daher nicht als endgültige „Punktzahl“ für oder gegen das Standardmodell. Sie prüfen, ob dasselbe Muster in verwandten Zerfällen, anderen kinematischen Bereichen und unabhängigen Experimenten wiederkehrt – und ob die theoretische Beschreibung belastbar ist.
Eine mögliche Erklärung innerhalb des Standardmodells sind langreichweitige Beiträge der starken Wechselwirkung, die mit virtuellen Charm-Quarks zusammenhängen. In der Fachsprache werden solche nichtlokalen Beiträge häufig als „charming penguins“ bezeichnet.
Vereinfacht gesagt kann der Zerfall über einen Prozess mit virtuellen Charm-Quarks laufen, schematisch (b\to s,c\bar c), wobei sich die resultierende Struktur letztlich auf das Myon-Antimyon-Paar auswirkt. Charm-Resonanzen und ihre langreichweitigen QCD-Ausläufer können mit dem kurzreichweitigen Zerfallsamplituden interferieren. Dadurch könnten Winkelverteilungen oder Zerfallsraten verändert werden – und zwar auf eine Weise, die wie eine neue Wechselwirkung im Prozess (b\to s\mu^+\mu^-) aussieht.
Die vorliegenden CERN-Materialien entscheiden diese theoretische Frage nicht. Die sachlich angemessene Schlussfolgerung lautet deshalb: Eine Erklärung durch starke Wechselwirkungen bleibt möglich, ebenso neue Physik. Präzisere Messungen in verschiedenen Bereichen der Dimuon-Masse (q^2) werden helfen müssen, zwischen beiden Möglichkeiten zu unterscheiden.
Die Suche nach zwei Higgs-Bosonen testet eine andere Seite des Standardmodells. Sie gibt insbesondere Aufschluss über das Higgs-Potential und die trilineare Selbstkopplung des Higgs-Bosons. Bei einem der relevanten Produktionsbeiträge spaltet sich ein virtuelles Higgs-Boson in zwei Higgs-Bosonen auf. Die Produktionsrate hängt daher davon ab, wie das Higgs-Feld mit sich selbst wechselwirkt.
ATLAS kombinierte im Kanal (HH\to b\bar b\tau^+\tau^-) insgesamt 196 fb⁻¹ an Proton-Proton-Daten aus Run 2 und dem frühen Run 3. Die gemessene Produktionsrate beträgt (2{,}6\pm1{,}4) des Standardmodellwerts. Gegenüber der Hypothese, dass nur Untergrundprozesse vorliegen, entspricht dies einer Signifikanz von 2,6σ. Gegenüber der konkreten Standardmodell-Erwartung liegt die Messung jedoch nur etwa 1,65σ höher und ist daher mit ihr vereinbar. 33
Diese Unterscheidung ist zentral: „Es gibt Hinweise auf ein Signal gegenüber dem Untergrund“ und „das Signal widerspricht dem Standardmodell“ sind zwei verschiedene statistische Fragen. Das ATLAS-Ergebnis ist ein ermutigender Schritt bei der Suche nach Higgs-Paaren, aber noch kein bestätigter Riss im Standardmodell.
CMS analysierte für die jüngste Suche 172 fb⁻¹, die zwischen 2022 und 2024 aufgezeichnet wurden, und kombinierte diese Daten mit früheren Run-2-Ergebnissen. Daraus ergibt sich bei einem Konfidenzniveau von 95 % eine beobachtete Obergrenze von viermal der Standardmodell-Prognose für den gesamten Higgs-Paar-Wirkungsquerschnitt. 17
Eine Obergrenze beantwortet die Frage: Wie groß könnte der Prozess höchstens sein, ohne mit den Daten unvereinbar zu werden? Sie misst nicht, dass der Prozess viermal so häufig wie vorhergesagt stattfindet.
Deshalb widersprechen sich die CMS- und ATLAS-Ergebnisse nicht. ATLAS erhält in einem bestimmten Kanal einen zentralen Messwert oberhalb der Standardmodell-Prognose, allerdings mit großer Unsicherheit. CMS legt in seiner kombinierten Suche eine Obergrenze für die zulässige Rate fest. Beide Resultate bleiben innerhalb ihrer Unsicherheiten mit dem Standardmodell vereinbar.
Higgs-Paar-Suchen schränken die Higgs-Selbstkopplung ein, die häufig als (\lambda_3) oder relativ zu ihrem Standardmodellwert angegeben wird. Die Grenzen werden enger, doch der erlaubte Bereich ist weiterhin breit und umfasst die Standardmodell-Prognose. Eine ATLAS-Analyse eines seltenen Higgs-Paar-Zerfalls begrenzte die Selbstkopplung beispielsweise auf einen Bereich zwischen −1,5 und 6,7 Standardmodellwerten. 51
Solche Messungen können Modelle mit einem erweiterten Higgs-Sektor oder mit einer veränderten Form des Higgs-Potentials testen. Sie stehen auch mit Fragen zur Geschichte und Stabilität des elektroschwachen Vakuums in Verbindung. Die aktuellen Ergebnisse entscheiden jedoch nicht, ob unser Vakuum absolut stabil, metastabil oder durch unbekannte Physik stabilisiert ist. Diese Verbindung ist eine wissenschaftliche Motivation für die Messungen – keine bereits bewiesene Schlussfolgerung. 57
In der Teilchenphysik gilt eine Signifikanz von ungefähr 5σ als übliche Schwelle für eine Entdeckung. Hinzukommen müssen eine überzeugende statistische Behandlung sowie Bestätigung und Konsistenz über mehrere Analysen hinweg. Die genaue Wahrscheinlichkeitsinterpretation hängt vom verwendeten Test und seinen Annahmen ab. Das Grundprinzip ist aber einfach: Ein Entdeckungssignal sollte sich nur äußerst schwer durch eine statistische Schwankung oder einen nicht ausreichend modellierten Untergrund erklären lassen.
Das LHCb-Ergebnis liegt unterhalb dieser Schwelle und reagiert zudem empfindlich auf theoretische Unsicherheiten der starken Wechselwirkung. Die Higgs-Paar-Ergebnisse stellen noch weniger eine Abweichung vom Standardmodell dar: Die Unsicherheit der ATLAS-Messung umfasst den erwarteten Wert, während CMS eine Obergrenze statt eines Überschusses meldet. 1
17
33
Für LHCb sind weitere Daten der wichtigste nächste Schritt. Neue Run-3-Daten können prüfen, ob die Abhängigkeit vom invarianten Dimuon-Massenquadrat (q^2) bestehen bleibt, die Winkelmessungen verbessern und das Muster mit verwandten Zerfallsarten vergleichen.
Bleibt das Signal mit wachsendem Datensatz kohärent, würde das die Interpretation als neue Physik stärken. Folgt das Muster dagegen Resonanzen oder hadronischen Effekten, spräche dies eher für eine Erklärung innerhalb des Standardmodells.
Für ATLAS und CMS geht es darum, die Higgs-Paar-Produktion von einer Suche zu einer Präzisionsmessung weiterzuentwickeln. Größere Datensätze, zusätzliche Zerfallskanäle und Kombinationen zwischen den Experimenten sollen den erlaubten Bereich der Higgs-Selbstkopplung weiter verkleinern. Der High-Luminosity-LHC wird dafür deutlich größere Datenmengen liefern.
Der überzeugendste Hinweis auf Physik jenseits des Standardmodells wäre eine konsistente Abweichung in mehreren Kanälen und unabhängigen Experimenten – nicht lediglich ein erhöhter zentraler Messwert in einem einzelnen Kanal.
Die neue LHCb-Analyse des Zerfalls (B^0\to K^{*0}\mu^+\mu^-) hält ein seit Jahren bestehendes Rätsel in der Flavour-Physik am Leben. Unter bestimmten theoretischen Annahmen kann die Abweichung fast 4σ erreichen. Damit ist LHCb der deutlich interessantere Kandidat für einen möglichen „Riss“ – doch Unsicherheiten bei den starken Wechselwirkungen verhindern bislang eine Entdeckung.
ATLAS und CMS untersuchen eine andere offene Frage: Werden Higgs-Bosonen in Paaren mit der erwarteten Rate erzeugt, und wie stark wechselwirkt das Higgs-Feld mit sich selbst? Die ATLAS-Messung von (2{,}6\pm1{,}4) und die CMS-Obergrenze von viermal der Standardmodell-Prognose verbessern die Einschränkungen, bleiben aber mit dem Standardmodell vereinbar.
Der aktuelle Stand lautet daher nicht: Die Theorie ist gescheitert. Er lautet: Die Tests werden präziser – und einige Fragen werden dadurch erst richtig spannend.
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Die Ergebnisse belegen noch keinen Zusammenbruch des Standardmodells: LHCb findet beim seltenen B Meson Zerfall weiterhin eine Spannung, die je nach theoretischer Behandlung fast 4σ erreicht.
Die Ergebnisse belegen noch keinen Zusammenbruch des Standardmodells: LHCb findet beim seltenen B Meson Zerfall weiterhin eine Spannung, die je nach theoretischer Behandlung fast 4σ erreicht. ATLAS misst eine Higgs Paar Rate von 2,6 ± 1,4 mal der Standardmodell Erwartung.
CMS meldet eine Obergrenze von viermal der Standardmodell Prognose – das ist kein gemessener Überschuss, sondern ein Ausschluss höherer Raten auf 95% Konfidenzniveau.
Die Ergebnisse belegen noch keinen Zusammenbruch des Standardmodells: LHCb findet beim seltenen B Meson Zerfall weiterhin eine Spannung, die je nach theoretischer Behandlung fast 4σ erreicht. ATLAS misst eine Higgs Paar Rate von 2,6 ± 1,4 mal der Standardmodell Erwartung.
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Die jüngsten Ergebnisse vom Large Hadron Collider (LHC) zeichnen kein einheitliches Bild eines bevorstehenden Umsturzes in der Teilchenphysik. Sie zeigen vielmehr zwei sehr unterschiedliche Arten von Unsicherheit: LHCb findet beim seltenen Zerfall (B^0\to K^{*0}\mu^+\mu^-) weiterhin Abweichungen von den Vorhersagen des Standardmodells. ATLAS und CMS verbessern derweil die Suche nach der seltenen Produktion von Higgs-Boson-Paaren, ohne bislang eine statistisch etablierte Anomalie zu sehen. 1
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Der entscheidende Unterschied: LHCb meldet eine mögliche Abweichung von einer Präzisionsvorhersage. ATLAS und CMS versuchen vor allem, den seltenen Prozess der Higgs-Paar-Produktion erstmals eindeutig zu beobachten und die Selbstwechselwirkung des Higgs-Feldes genauer zu bestimmen.
Der Zerfall (B^0\to K^{*0}\mu^+\mu^-) gehört zu den sogenannten flavour-changing neutral currents, also neutralen Prozessen, bei denen sich der Quark-Flavour ändert. Im Standardmodell läuft er nicht über eine einfache Wechselwirkung auf Baumebene, sondern über unterdrückte Quantenprozesse. Gerade deshalb kann er empfindlich auf kleine Veränderungen in den zugrunde liegenden Wechselwirkungen reagieren.
Die neue LHCb-Analyse nutzt die vollständigen Run-1- und Run-2-Daten des Experiments aus den Jahren 2011–2012 und 2016–2018. LHCb bezeichnet sie als bislang umfassendste Untersuchung dieses Zerfalls. Sie berücksichtigt ein breiteres Spektrum an Winkelobservablen sowie zusätzliche Beiträge zum beobachteten Endzustand. 1
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Wichtig ist dabei nicht eine einzelne auffällige Zahl. Mehrere Observablen zeigen weiterhin ein zusammenhängendes Muster: Dazu gehören die bekannte Spannung beim Winkelobservablen (P'_5) und Unterschiede im differentiellen Verzweigungsverhältnis. Frühere LHCb-Analysen hatten bereits Abweichungen bei verwandten seltenen B-Meson-Zerfällen festgestellt. 3
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Dass das Muster durch zusätzliche Daten nicht einfach verschwunden ist, macht es wissenschaftlich besonders interessant. Beständigkeit allein beweist jedoch noch nicht, dass ein neues Teilchen oder eine bislang unbekannte Kraft dahintersteckt.
Eine Signifikanz von annähernd 4σ bedeutet, dass das beobachtete Muster unter einer bestimmten Gegenüberstellung mit dem Standardmodell ungewöhnlich ist. Sie ist nicht gleichbedeutend mit einer 4σ-Entdeckung neuer Physik, die unabhängig von allen Modellannahmen wäre.
Die Bewertung hängt unter anderem von theoretischen Berechnungen der starken Wechselwirkung im Inneren des B-Mesons ab. Diese sogenannten hadronischen Beiträge sind schwierig präzise zu berechnen. Werden ihre Unsicherheiten unterschätzt, kann eine scheinbare Diskrepanz größer wirken, als der tatsächliche Unterschied zwischen Experiment und Theorie ist. CERN betont deshalb, dass weitere Daten und verbesserte Berechnungen notwendig sind, bevor sich die Ursache der Spannung bestimmen lässt. 1
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7
Physikerinnen und Physiker behandeln eine einzelne Signifikanz daher nicht als endgültige „Punktzahl“ für oder gegen das Standardmodell. Sie prüfen, ob dasselbe Muster in verwandten Zerfällen, anderen kinematischen Bereichen und unabhängigen Experimenten wiederkehrt – und ob die theoretische Beschreibung belastbar ist.
Eine mögliche Erklärung innerhalb des Standardmodells sind langreichweitige Beiträge der starken Wechselwirkung, die mit virtuellen Charm-Quarks zusammenhängen. In der Fachsprache werden solche nichtlokalen Beiträge häufig als „charming penguins“ bezeichnet.
Vereinfacht gesagt kann der Zerfall über einen Prozess mit virtuellen Charm-Quarks laufen, schematisch (b\to s,c\bar c), wobei sich die resultierende Struktur letztlich auf das Myon-Antimyon-Paar auswirkt. Charm-Resonanzen und ihre langreichweitigen QCD-Ausläufer können mit dem kurzreichweitigen Zerfallsamplituden interferieren. Dadurch könnten Winkelverteilungen oder Zerfallsraten verändert werden – und zwar auf eine Weise, die wie eine neue Wechselwirkung im Prozess (b\to s\mu^+\mu^-) aussieht.
Die vorliegenden CERN-Materialien entscheiden diese theoretische Frage nicht. Die sachlich angemessene Schlussfolgerung lautet deshalb: Eine Erklärung durch starke Wechselwirkungen bleibt möglich, ebenso neue Physik. Präzisere Messungen in verschiedenen Bereichen der Dimuon-Masse (q^2) werden helfen müssen, zwischen beiden Möglichkeiten zu unterscheiden.
Die Suche nach zwei Higgs-Bosonen testet eine andere Seite des Standardmodells. Sie gibt insbesondere Aufschluss über das Higgs-Potential und die trilineare Selbstkopplung des Higgs-Bosons. Bei einem der relevanten Produktionsbeiträge spaltet sich ein virtuelles Higgs-Boson in zwei Higgs-Bosonen auf. Die Produktionsrate hängt daher davon ab, wie das Higgs-Feld mit sich selbst wechselwirkt.
ATLAS kombinierte im Kanal (HH\to b\bar b\tau^+\tau^-) insgesamt 196 fb⁻¹ an Proton-Proton-Daten aus Run 2 und dem frühen Run 3. Die gemessene Produktionsrate beträgt (2{,}6\pm1{,}4) des Standardmodellwerts. Gegenüber der Hypothese, dass nur Untergrundprozesse vorliegen, entspricht dies einer Signifikanz von 2,6σ. Gegenüber der konkreten Standardmodell-Erwartung liegt die Messung jedoch nur etwa 1,65σ höher und ist daher mit ihr vereinbar. 33
Diese Unterscheidung ist zentral: „Es gibt Hinweise auf ein Signal gegenüber dem Untergrund“ und „das Signal widerspricht dem Standardmodell“ sind zwei verschiedene statistische Fragen. Das ATLAS-Ergebnis ist ein ermutigender Schritt bei der Suche nach Higgs-Paaren, aber noch kein bestätigter Riss im Standardmodell.
CMS analysierte für die jüngste Suche 172 fb⁻¹, die zwischen 2022 und 2024 aufgezeichnet wurden, und kombinierte diese Daten mit früheren Run-2-Ergebnissen. Daraus ergibt sich bei einem Konfidenzniveau von 95 % eine beobachtete Obergrenze von viermal der Standardmodell-Prognose für den gesamten Higgs-Paar-Wirkungsquerschnitt. 17
Eine Obergrenze beantwortet die Frage: Wie groß könnte der Prozess höchstens sein, ohne mit den Daten unvereinbar zu werden? Sie misst nicht, dass der Prozess viermal so häufig wie vorhergesagt stattfindet.
Deshalb widersprechen sich die CMS- und ATLAS-Ergebnisse nicht. ATLAS erhält in einem bestimmten Kanal einen zentralen Messwert oberhalb der Standardmodell-Prognose, allerdings mit großer Unsicherheit. CMS legt in seiner kombinierten Suche eine Obergrenze für die zulässige Rate fest. Beide Resultate bleiben innerhalb ihrer Unsicherheiten mit dem Standardmodell vereinbar.
Higgs-Paar-Suchen schränken die Higgs-Selbstkopplung ein, die häufig als (\lambda_3) oder relativ zu ihrem Standardmodellwert angegeben wird. Die Grenzen werden enger, doch der erlaubte Bereich ist weiterhin breit und umfasst die Standardmodell-Prognose. Eine ATLAS-Analyse eines seltenen Higgs-Paar-Zerfalls begrenzte die Selbstkopplung beispielsweise auf einen Bereich zwischen −1,5 und 6,7 Standardmodellwerten. 51
Solche Messungen können Modelle mit einem erweiterten Higgs-Sektor oder mit einer veränderten Form des Higgs-Potentials testen. Sie stehen auch mit Fragen zur Geschichte und Stabilität des elektroschwachen Vakuums in Verbindung. Die aktuellen Ergebnisse entscheiden jedoch nicht, ob unser Vakuum absolut stabil, metastabil oder durch unbekannte Physik stabilisiert ist. Diese Verbindung ist eine wissenschaftliche Motivation für die Messungen – keine bereits bewiesene Schlussfolgerung. 57
In der Teilchenphysik gilt eine Signifikanz von ungefähr 5σ als übliche Schwelle für eine Entdeckung. Hinzukommen müssen eine überzeugende statistische Behandlung sowie Bestätigung und Konsistenz über mehrere Analysen hinweg. Die genaue Wahrscheinlichkeitsinterpretation hängt vom verwendeten Test und seinen Annahmen ab. Das Grundprinzip ist aber einfach: Ein Entdeckungssignal sollte sich nur äußerst schwer durch eine statistische Schwankung oder einen nicht ausreichend modellierten Untergrund erklären lassen.
Das LHCb-Ergebnis liegt unterhalb dieser Schwelle und reagiert zudem empfindlich auf theoretische Unsicherheiten der starken Wechselwirkung. Die Higgs-Paar-Ergebnisse stellen noch weniger eine Abweichung vom Standardmodell dar: Die Unsicherheit der ATLAS-Messung umfasst den erwarteten Wert, während CMS eine Obergrenze statt eines Überschusses meldet. 1
17
33
Für LHCb sind weitere Daten der wichtigste nächste Schritt. Neue Run-3-Daten können prüfen, ob die Abhängigkeit vom invarianten Dimuon-Massenquadrat (q^2) bestehen bleibt, die Winkelmessungen verbessern und das Muster mit verwandten Zerfallsarten vergleichen.
Bleibt das Signal mit wachsendem Datensatz kohärent, würde das die Interpretation als neue Physik stärken. Folgt das Muster dagegen Resonanzen oder hadronischen Effekten, spräche dies eher für eine Erklärung innerhalb des Standardmodells.
Für ATLAS und CMS geht es darum, die Higgs-Paar-Produktion von einer Suche zu einer Präzisionsmessung weiterzuentwickeln. Größere Datensätze, zusätzliche Zerfallskanäle und Kombinationen zwischen den Experimenten sollen den erlaubten Bereich der Higgs-Selbstkopplung weiter verkleinern. Der High-Luminosity-LHC wird dafür deutlich größere Datenmengen liefern.
Der überzeugendste Hinweis auf Physik jenseits des Standardmodells wäre eine konsistente Abweichung in mehreren Kanälen und unabhängigen Experimenten – nicht lediglich ein erhöhter zentraler Messwert in einem einzelnen Kanal.
Die neue LHCb-Analyse des Zerfalls (B^0\to K^{*0}\mu^+\mu^-) hält ein seit Jahren bestehendes Rätsel in der Flavour-Physik am Leben. Unter bestimmten theoretischen Annahmen kann die Abweichung fast 4σ erreichen. Damit ist LHCb der deutlich interessantere Kandidat für einen möglichen „Riss“ – doch Unsicherheiten bei den starken Wechselwirkungen verhindern bislang eine Entdeckung.
ATLAS und CMS untersuchen eine andere offene Frage: Werden Higgs-Bosonen in Paaren mit der erwarteten Rate erzeugt, und wie stark wechselwirkt das Higgs-Feld mit sich selbst? Die ATLAS-Messung von (2{,}6\pm1{,}4) und die CMS-Obergrenze von viermal der Standardmodell-Prognose verbessern die Einschränkungen, bleiben aber mit dem Standardmodell vereinbar.
Der aktuelle Stand lautet daher nicht: Die Theorie ist gescheitert. Er lautet: Die Tests werden präziser – und einige Fragen werden dadurch erst richtig spannend.
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Die Ergebnisse belegen noch keinen Zusammenbruch des Standardmodells: LHCb findet beim seltenen B Meson Zerfall weiterhin eine Spannung, die je nach theoretischer Behandlung fast 4σ erreicht.
Die Ergebnisse belegen noch keinen Zusammenbruch des Standardmodells: LHCb findet beim seltenen B Meson Zerfall weiterhin eine Spannung, die je nach theoretischer Behandlung fast 4σ erreicht. ATLAS misst eine Higgs Paar Rate von 2,6 ± 1,4 mal der Standardmodell Erwartung.
CMS meldet eine Obergrenze von viermal der Standardmodell Prognose – das ist kein gemessener Überschuss, sondern ein Ausschluss höherer Raten auf 95% Konfidenzniveau.