Xiaomi unterließ es, Verbraucher vorab zu informieren oder öffentlich bekannt zu geben, dass das Unternehmen sogenannte Key Opinion Leaders (KOLs) und Influencer für Produktempfehlungen bezahlte. Diese fehlende Kennzeichnung der kommerziellen Beziehung verletzt Punkt h, Absatz 1, Artikel 35 des Gesetzes . Die Regelung zielt auf Schleichwerbung ab und soll sicherstellen, dass Konsumenten wissen, wann sie es mit bezahlten Inhalten zu tun haben.
In seinen Standard-Vertragsbedingungen verwendete Xiaomi Klauseln, die die Haftung des Unternehmens unangemessen einschränkten und ihm das Recht einräumten, Bedingungen einseitig und ohne angemessene Vorankündigung zu ändern. Dies verstößt gegen Punkt a, Absatz 2, und Punkt b, Absatz 2, Artikel 27 des Gesetzes von 2023 . Geahndet wird hier das Machtungleichgewicht in vorformulierten Verträgen.
Der Fall Xiaomi ist kein Einzelfall, sondern Teil einer systematischen Regulierungsoffensive Vietnams. Sowohl das Verbraucherschutzgesetz von 2023 als auch das zum 1. Januar 2026 in Kraft getretene, novellierte Werbegesetz geben den Behörden schärfere Instrumente gegen irreführendes Influencer-Marketing an die Hand .
Die VCC hat diese neuen Befugnisse bereits aktiv genutzt. Bis Januar 2026 verhängte die Kommission gegen 14 Unternehmen und 6 Einzelpersonen Geldbußen in Höhe von insgesamt über 3,55 Milliarden VND wegen ähnlicher Verstöße .
Für Xiaomis Verstoß gegen die Kennzeichnungspflicht von Influencer-Werbung gab es einen klaren Vorläufer. Am 14. Januar 2026 verhängte die VCC gegen die Y&B Joint Stock Company, den exklusiven Vertriebspartner der Kosmetikmarke Cocoon Vietnam, eine Geldstrafe von 50 Millionen VND. Der Vorwurf: Das Unternehmen hatte nicht offengelegt, dass es Influencer für die Bewerbung seiner Produkte bezahlt hatte – genau jener Verstoß, der nun auch Xiaomi angelastet wird . Diese frühere Sanktion war ein deutliches Signal.
Die neuen Regeln verpflichten KOLs, Produktinformationen zu überprüfen und ihre bezahlte Rolle öffentlich zu machen. Unternehmen und die von ihnen beauftragten Influencer haften nun gemeinsam, wenn durch Werbung ein Schaden entsteht .
Die Strafe von umgerechnet rund 9.700 Euro in Vietnam ist vergleichsweise gering, besonders im Verhältnis zu den rechtlichen Risiken, denen Xiaomi in anderen Rechtsräumen ausgesetzt ist. Im Januar 2025 reichte die österreichische Datenschutzorganisation noyb (None of Your Business) eine Reihe von DSGVO-Beschwerden gegen Xiaomi und fünf weitere chinesische Technologiekonzerne in fünf EU-Staaten ein. Der Vorwurf: die unrechtmäßige Übermittlung personenbezogener Daten europäischer Nutzer nach China, das von der EU nicht als ein Land mit angemessenem Datenschutzniveau anerkannt wird .
Diese noch anhängigen DSGVO-Beschwerden können theoretisch zu Bußgeldern von bis zu 4 % des globalen Jahresumsatzes eines Unternehmens führen – ein himmelweiter Unterschied zu den moderateren Verwaltungsstrafen nach vietnamesischem Recht. Bis Anfang 2026 summieren sich die in der EU verhängten DSGVO-Strafen auf über 7,1 Milliarden Euro, was die immense finanzielle Dimension der europäischen Datenschutz-Durchsetzung verdeutlicht .