Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 1. November, russische Streitkräfte hätten im Oktober 54.400 Soldaten verloren – getötet oder schwer verwundet. Das sei der höchste Monatswert seit Beginn der großangelegten Invasion. Zugleich hätten ukrainische Truppen 96,2 Quadratkilometer zurückerobert, 10,4 Quadratkilometer mehr, als Russland eingenommen habe. Es handelt sich um Angaben ukrainischer Stellen; die vorliegenden Berichte bestätigen weder die Verlustzahl noch die exakten Gebietsangaben unabhängig.
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Was die Gebietsangabe tatsächlich bedeutet
Die 96,2 Quadratkilometer bezeichnen laut Selenskyj die von der Ukraine zurückgewonnene Fläche – nicht ihren Nettogewinn. Wenn diese Fläche um 10,4 Quadratkilometer größer war als das von Russland eroberte Gebiet, entsprächen die russischen Geländegewinne rund 85,8 Quadratkilometern. Der behauptete ukrainische Nettogewinn läge damit bei 10,4 Quadratkilometern.
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Eine separate Einschätzung des Institute for the Study of War (ISW), eines US-amerikanischen Konfliktforschungsinstituts, beschrieb für Oktober ebenfalls einen Rückgang der russischen territorialen Kontrolle. Sie nennt jedoch andere Flächenwerte. Das stützt die allgemeine Richtung der ukrainischen Darstellung, bestätigt aber nicht Selenskyjs konkrete Zahlen. Aus den vorliegenden Auszügen geht nicht hervor, warum die Messungen voneinander abweichen.
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Was in der Verlustschätzung steckt
Selenskyjs Mitteilung bezifferte die 54.400 auf getötete oder schwer verwundete Soldaten.
16 Ein Bericht unter Berufung auf den Generalstab der ukrainischen Streitkräfte sagte, die geschätzten Verluste im Oktober hätten um 8.170 über dem Septemberwert gelegen. Dort umfasst die Schätzung Getötete, Verwundete und Vermisste. Wegen dieser unterschiedlichen Definitionen ist die Zahl nicht als bestätigte Todeszahl zu verstehen.
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Selenskyj nannte außerdem den 21. Oktober als Tag mit einem Rekord von 2.250 russischen Soldaten, die getötet oder schwer verwundet worden seien.
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16 Ein weiterer Bericht bezifferte den bisherigen Monats-Höchststand auf 48.670 im Dezember 2024. Auch dieser Vergleich beruht auf ukrainischen Verlustschätzungen.
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Für Oktober wurden zudem 16.796 russische Personalverluste den ukrainischen Unbemannten Streitkräften zugeschrieben. Das entspräche rund 31 Prozent der 54.400, sofern beide Angaben nach vergleichbaren Kriterien erhoben wurden. Die Zahl ist als ausgewiesener Anteil an der Monatsschätzung zu verstehen – nicht als zusätzlicher Betrag, der zu ihr hinzukommt.
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Was sich unabhängig überprüfen lässt
Die verfügbaren Quellen dokumentieren, was Selenskyj und ukrainische Militärvertreter gemeldet haben. Sie enthalten jedoch keine unabhängig prüfbaren Aufzeichnungen, mit denen sich die monatliche Verlustzahl nachvollziehen ließe. Auch die Gebietszahlen sind Angaben aus Kyjiw; die separate ISW-Einschätzung beruht auf einer eigenen Auswertung.
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Das ist wichtig, weil eine gemeldete Schätzung keine bestätigte Zählung ist. Auch „Personalverluste“ sind nicht automatisch mit Todesfällen gleichzusetzen. Die vorliegenden Belege reichen außerdem nicht aus, um einzuschätzen, wie ungewöhnlich ein ukrainischer monatlicher Nettogebietsgewinn dieser Größenordnung im Verlauf des Krieges wäre.
Der diplomatische Kontext
Kyjiw kann die Kombination aus hohen gemeldeten russischen Verlusten und einem begrenzten ukrainischen Nettogewinn als Argument dafür anführen, dass Russland für überschaubare Geländegewinne einen hohen Preis zahle. Die Zahlen allein belegen jedoch weder, dass der Krieg für Moskau nicht mehr tragbar ist, noch, dass sie russische Entscheidungen verändern werden.
Vor Selenskyjs Mitteilung hatten Berichte von geplanten Gesprächen ukrainischer, russischer und US-amerikanischer Verhandlungsteams auf technischer Ebene in Abu Dhabi in der ersten Novemberhälfte berichtet. Reuters zufolge hoffte Selenskyj, dass darauf ein Treffen der Staats- und Regierungschefs folgen könnte.
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Weitere Berichte meldeten ukrainische Angriffe auf eine russische Raketenfabrik und Anlagen zur Ölproduktion. Sie liefern zusätzlichen militärischen Kontext, bestätigen aber nicht die Schätzungen zu Verlusten oder Gebietsveränderungen.
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Die belastbare Kernaussage bleibt daher begrenzt: Kyjiw meldet für Oktober Rekordverluste auf russischer Seite und einen bescheidenen ukrainischen Nettogebietsgewinn. Die Zahlen zeigen, wie die Ukraine den militärischen Druck parallel zu diplomatischen Bemühungen darstellt. Ihre genaue Größenordnung und ihre Auswirkungen auf den Kriegsverlauf bleiben ungewiss.