Was Thryve.Earth vereinbart hat
Thryve.Earth hat seine ersten unternehmerischen Abnahmeverträge für ein Renaturierungsprojekt auf Sulawesi, Indonesien, bekannt gegeben. Google und McKinsey & Company wollen über die Symbiosis Coalition gemeinsam mehr als 335.000 Tonnen CO₂-Entfernung über einen Zeitraum von zehn Jahren abnehmen. Tencent hat separat den Kauf von 300.000 Tonnen über zehn Jahre zugesagt. Zusammen ergeben die genannten Mengen 635.000 Tonnen. Die in Teilen der Berichterstattung genannte Zahl von 650.000 Tonnen ist daher eine gerundete Schlagzeilenzahl.
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Bei einem solchen „Offtake“ handelt es sich um einen Vertrag über den künftigen Kauf der Leistung eines Projekts. In diesem Fall sichern sich die Unternehmen also künftig entstehende CO₂-Entfernungen aus Thryve.Earths Projekt zur Wiederherstellung der Waldlandschaft auf Sulawesi. Die langfristige Nachfrage soll dazu beitragen, 6.000 Hektar degradierter Flächen zu regenerieren.
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Für die Symbiosis Coalition ist das Vorhaben das erste Agroforstprojekt und zugleich das erste Projekt in Asien. Für Tencent ist es der erste Abnahmevertrag für CO₂-Entfernung außerhalb Chinas.
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Ein Wald, der auch Einkommen schaffen soll
Thryve.Earth will stark geschädigte, von invasiven und leicht brennbaren Gräsern dominierte Flächen durch ein mehrschichtiges Anbausystem ersetzen. Vorgesehen sind drei Ebenen:
- Obere Schicht: Zuckerpalmen und Nutzholzbäume
- Mittlere Schicht: Obstkulturen wie Avocado und Kaffee
- Bodenschicht: Jahreskulturen wie Chili und Mais
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Der Ansatz soll mehrere Ziele miteinander verbinden: Bäume speichern längerfristig Kohlenstoff, während Obst und Feldfrüchte früher Einnahmen ermöglichen können. Nach Darstellung von Thryve.Earth und seinen Unterstützern kann das System außerdem Böden regenerieren, die Biodiversität erhöhen und das Risiko von Bränden verringern. Zugleich sollen lokale Landwirte verlässlichere und vielfältigere Einkommensquellen erhalten.
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Damit geht das Projekt über die reine Ausgabe von CO₂-Zertifikaten hinaus. Die landwirtschaftlichen Erträge sollen einen wirtschaftlichen Anreiz schaffen, die wiederhergestellte Landschaft langfristig als produktives und artenreiches Waldsystem zu erhalten.
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Warum langfristige Abnahmeverträge wichtig sind
Agroforstprojekte müssen zunächst erhebliche Kosten tragen, bevor sich biologische und wirtschaftliche Vorteile einstellen. Dazu zählen die Pflanzung, Pflege, Überwachung und die Unterstützung der beteiligten Landwirte. Bäume und bestimmte Nutzpflanzen benötigen zudem Zeit, bis sie Erträge liefern.
Ein zehnjähriger Abnahmevertrag schafft für den Projektentwickler eine besser kalkulierbare Nachfrage nach den künftig entstehenden CO₂-Entfernungen. Das kann die Finanzierung in der frühen Wiederherstellungsphase erleichtern. Die Einnahmen aus dem Kohlenstoffmarkt sollen dabei mit landwirtschaftlichen Erträgen zusammenspielen, statt allein die wirtschaftliche Grundlage des Projekts zu bilden.
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Die Finanzierungsidee beruht somit auf mehreren Einnahmequellen: Kohlenstoffentfernung, landwirtschaftliche Produktion und – je nach Anbau – spätere Erträge aus Bäumen oder Baumkulturen. Ob dieses Modell seine ökologischen und sozialen Ziele erreicht, hängt letztlich von der Umsetzung, der Kontrolle und der Dauerhaftigkeit der Wiederherstellung ab.
Das Ziel der Symbiosis Coalition
Die Symbiosis Coalition wurde 2024 als sogenannte Advance-Market-Commitment-Initiative von Google, Meta, Microsoft und Salesforce gegründet. Die beteiligten Unternehmen kündigten an, bis 2030 bis zu 20 Millionen Tonnen hochwertiger, naturbasierter CO₂-Entfernungen unter Vertrag zu nehmen. Später schlossen sich Bain, McKinsey und REI dem Verbund an.
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Das Prinzip: Langfristige Kaufzusagen sollen verlässliche Nachfrage schaffen und damit Projekte für institutionelles Kapital attraktiver machen, die andernfalls möglicherweise nur schwer finanziert würden. Die Coalition verlangt nach eigenen Angaben konservative Annahmen über die Klimawirkung, eine Orientierung an aktueller Wissenschaft und bewährter Praxis sowie eine faire Beteiligung und Vergütung indigener Bevölkerungsgruppen und lokaler Gemeinschaften.
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Der Vertrag mit Thryve.Earth erweitert den bisherigen Schwerpunkt von Wiederaufforstung auf Agroforstwirtschaft. Zuvor hatte Symbiosis unter anderem folgende Projekte unterstützt:
- Mombak: Google und McKinsey kauften 215.000 Tonnen CO₂-Entfernung aus einem Wiederaufforstungsprojekt im brasilianischen Amazonasgebiet. Zuvor hatte die Coalition 185 Projekte in mehr als 40 Ländern geprüft.
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- Living Carbon: Google, McKinsey und Meta vereinbarten über zehn Jahre den Kauf von 131.240 Tonnen für die Wiederaufforstung degradierter Flächen in der US-amerikanischen Appalachenregion.
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Die Vereinbarungen zeigen, wie langfristige Abnahmeverträge unterschiedliche Formen naturbasierter Renaturierung unterstützen sollen – von der Wiederaufforstung bis zu integrierten landwirtschaftlichen Systemen.
Wie der Tencent-Vertrag in die Klimastrategie passt
Der Kauf von 300.000 Tonnen ist Tencent zufolge der erste Vertrag des chinesischen Technologiekonzerns zur CO₂-Entfernung außerhalb Chinas. Er erweitert Tencents Aktivitäten auf ein Projekt in Indonesien, wird aber nicht als Ersatz für direkte Emissionsminderungen dargestellt.
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Tencent strebt bis 2030 Klimaneutralität für den eigenen Betrieb und die Lieferkette an und will bis dahin 100 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren beziehungsweise grünen Quellen beziehen. Das Unternehmen priorisiert nach eigener Darstellung zunächst Emissionssenkungen und erneuerbare Energien; CO₂-Kompensationen beziehungsweise -Entfernungen sollen diese Maßnahmen nur ergänzen.
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Zusätzlich nennt Tencent das Ziel, seine absoluten Scope-1- und Scope-2-Emissionen gegenüber dem Basisjahr 2021 um 70 Prozent zu senken. Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigenen Quellen, Scope 2 indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie. Der Sulawesi-Vertrag steht damit neben Energieeffizienz, dem Bezug erneuerbarer Energie und weiteren Maßnahmen zur Emissionsminderung – nicht an deren Stelle.
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Die entscheidende Frage bleibt die Umsetzung
Die Ankündigung verbindet drei Bereiche, die im Markt für naturbasierte CO₂-Entfernung häufig nur schwer zusammenfinden: eine Finanzierung zu Beginn des Projekts, langfristige und glaubwürdige Nachfrage sowie wirtschaftliche Vorteile für die lokale Bevölkerung. Für Thryve.Earth bilden die Verträge eine kommerzielle Grundlage für ein groß angelegtes Agroforstprojekt. Für Symbiosis markieren sie den ersten Vertrag dieser Art in Asien. Für Tencent sind sie der erste CO₂-Abnahmevertrag außerhalb Chinas.
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Wichtig bleibt der Blick auf die genaue Zahl: Die einzeln genannten Zusagen summieren sich auf 635.000 Tonnen, auch wenn einige Berichte auf 650.000 Tonnen aufrunden. Ob daraus tatsächlich dauerhafte Klimawirkungen und bessere Lebensgrundlagen entstehen, wird sich erst über die Laufzeit des zehnjährigen Vertrags zeigen – durch die Qualität der Pflanzungen, die Entwicklung der landwirtschaftlichen Erträge, verlässliches Monitoring und den langfristigen Erhalt der renaturierten Flächen.