Ein rund 192 GB großes Archiv mit mutmaßlichen Rockstar-Entwicklungsdateien ist am 18. September öffentlich in Umlauf gekommen. Sein größter Erkenntniswert liegt offenbar nicht bei Grand Theft Auto VI, sondern bei dem, was Grand Theft Auto V als Einzelspieler-Spiel hätte werden können: Berichten von Dataminern zufolge finden sich Spuren einer Liberty-City-Erweiterung namens LibertyV und eines Story-DLCs mit Trevor Philips als Geheimagent, Agent Trevor. Rockstar hatte dieses konkret kursierende Archiv zunächst weder öffentlich bestätigt noch dessen vollständigen Inhalt authentifiziert.
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Zwei große Story-Erweiterungen, die nie erschienen
Nach den Berichten besteht der Löwenanteil des Materials aus Dateien aus der GTA-5-Entwicklung. Es handelt sich demnach nicht um einen neuen, großen GTA-6-Leak. Das Paket soll vielmehr aus dem Rockstar-Hack von 2022 stammen und die deutlich kleineren, Ende 2023 aufgetauchten GTA-5-Quellcode-Dateien erweitern.
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Die mutmaßlichen Funde lassen sich vor allem zwei Projekten zuordnen:
- LibertyV: eine eingestellte Einzelspieler-Erweiterung mit einer neu aufgebauten Liberty City.
- Agent Trevor: ein Story-Zusatz, in dem Trevor Philips als Geheimagent auftritt.
Wichtig ist die Einordnung: Dateien aus der Entwicklung belegen allenfalls, dass an Ideen und Inhalten gearbeitet wurde. Sie sagen nicht zuverlässig, wie weit ein Projekt fortgeschritten war oder ob Rockstar es jemals kurz vor der Veröffentlichung sah.
LibertyV: Rückkehr nach Liberty City – aber für GTA 5
Dataminer berichten von Kartenmaterial, Assets und Verweisen auf ein Projekt namens LibertyV. Die Stadt soll eine Neuinterpretation von Liberty City aus GTA IV gewesen sein und offenbar größer angelegt gewesen sein als deren damalige Version. Nach der bisherigen Berichterstattung ging es um einen geplanten GTA-5-Singleplayer-DLC, nicht um eine bestätigte Erweiterung für GTA Online oder GTA VI.
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Kartenumrisse, Audiozonen und Asset-Verweise können zwar zeigen, dass ein Projekt existierte. Sie verraten aber nicht, in welchem Zustand es war, wie es veröffentlicht worden wäre oder ob die Inhalte später wiederverwendet wurden. Insbesondere gibt es keinen öffentlichen Beleg dafür, dass LibertyV-Material für GTA VI oder GTA Online übernommen wird. Aussagen wie „Liberty City kommt definitiv“ gehen deshalb deutlich über die Faktenlage hinaus.
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„Agent Trevor“ war real – und etwa zur Hälfte fertig
Beim Trevor-Projekt ist die Grundlage belastbarer als bei vielen Details aus dem Archiv: Rockstar-Mitgründer Dan Houser bestätigte in einem späteren Interview, dass Rockstar an einem GTA-5-Singleplayer-DLC arbeitete, in dem Trevor ein Geheimagent war. Das Projekt sei ungefähr zur Hälfte fertig gewesen, habe sich aber nie richtig zusammengefügt und sei nicht vollendet worden. Houser sagte außerdem, eine Veröffentlichung hätte wahrscheinlich bedeutet, dass Rockstar Red Dead Redemption 2 nicht hätte machen können.
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Das Archiv soll diese grobe Beschreibung mit weiteren Details ergänzen. Berichtet wird von Dateibezeichnungen und Dialogen zu einer Undercover-Geschichte mit CIA-Bezug, Einsätzen gegen koreanische, russische und arabische Ziele sowie Weltraum-Material. Außerdem sollen ungenutzte Innenräume eines Raumschiffs und einer Villa enthalten sein. All das sind jedoch nicht unabhängig bestätigte Auslegungen geleakter Entwicklungsdaten – keine von Rockstar bestätigten Story-Informationen.
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Ebenfalls aus dem Leak stammen soll eine frühere Fassung von GTA 5s Ende „Option A“: Trevor würde demnach in flüssigen Stickstoff stürzen, einfrieren und zerbrechen. Verweise deuten laut Berichten zudem darauf hin, dass Brucie Kibbutz aus GTA IV auftreten sollte. Solche Fundstücke sind als verworfene Konzepte zu verstehen, nicht als gesicherter Kanon.
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Warum GTA 5 keine großen Story-DLCs bekam
Zeitgenössische Berichte brachten das Ausbleiben von Einzelspieler-Erweiterungen seit Langem mit dem enormen Erfolg von GTA Online und verschobenen Rockstar-Prioritäten in Verbindung. Housers Aussage liefert für Agent Trevor eine direktere Erklärung: Das Projekt fiel größeren Produktionsentscheidungen zum Opfer, darunter der Arbeit an Red Dead Redemption 2.
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Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass jede geplante GTA-5-Erweiterung aus genau demselben Grund gestrichen wurde. Es zeigt aber, dass Rockstar zwischen einer Verlängerung der GTA-5-Storys und anderen Großprojekten Ressourcen abwägen musste.
Die GTA-6-Dateien: nur sehr frühe Blockouts
Ein kleiner Teil des Archivs soll aus sehr frühen, niedrig aufgelösten Karten- oder Blockout-Daten zu GTA VI bestehen. Fans verglichen grobe Formen und Straßenverläufe mit offiziellem Rockstar-Material. Ein Blockout ist jedoch reine Entwicklungsgeometrie – keine belastbare Darstellung der finalen Karte, ihrer Größe, Missionen oder visuellen Qualität.
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Als Momentaufnahme einer frühen Entwicklungsphase können die Dateien interessant sein. Als Vorschau auf das fertige Spiel taugen sie nicht.
Was bestätigt ist – und was nicht
Nach den Berichten hatte Rockstar das am 18. September kursierende Archiv zunächst weder kommentiert noch als authentisch bestätigt.
7 Daraus ergeben sich klare Grenzen für jede Einordnung:
- Größe und mutmaßliche Herkunft aus dem Hack von 2022 wurden vielfach berichtet, der komplette Inhalt wurde jedoch nicht umfassend unabhängig geprüft.
- Die Existenz des Trevor-DLCs und sein ungefährer Entwicklungsstand werden durch Dan Housers Aussagen gestützt.
- Missionsnamen, Dialoge, Innenräume, alternative Enden und mögliche Gastauftritte bleiben leakbasierte Behauptungen.
- Es gibt keinen öffentlichen Nachweis, dass LibertyV für GTA VI oder GTA Online weiterverwendet wird.
Von Downloads oder dem Ausführen von Dateien aus inoffiziellen Leak-Mirrors ist abzuraten. Angebliche GTA-Dateien wurden bereits als Köder für Schadsoftware eingesetzt; weder ein riesiges Archiv noch überzeugend wirkende Screenshots machen eine Datei vertrauenswürdig.
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Keine Auswirkungen auf den angekündigten GTA-6-Start
Das Archiv ändert nach aktuellem Stand nichts an Rockstars kommunizierten Plänen für GTA VI. Auf der offiziellen Rockstar-Seite ist der 19. November 2026 als Termin genannt; die Support-Seiten führen PlayStation 5 und Xbox Series X|S als Startplattformen auf.
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Für Fans ist die Geschichte daher vor allem ein Blick auf eine deutlich ambitioniertere Einzelspieler-Zukunft von GTA V, die nie realisiert wurde. Am besten belegt ist: Ein Geheimagenten-DLC mit Trevor existierte und war etwa zur Hälfte fertig. LibertyV und die vielen kleineren Funde bleiben spannend – aber ohne Rockstar-Bestätigung eben Teile einer unvollendeten, nur lückenhaft rekonstruierbaren Entwicklungsgeschichte.