Parallel verbreiteten sich Bilder, die angeblich die größere Leonida-Karte zeigen – den fiktiven, an Florida angelehnten Bundesstaat, zu dem auch Vice City gehört. Das Kartenmaterial schien ein weitreichendes Straßennetz und verschiedene Orte von Interesse abzubilden. Unklar blieb allerdings, ob es sich um die vollständige finale Karte oder überhaupt um authentisches Rockstar-Material handelte.
Ein späterer Upload soll den Einsatz eines Tasers und einige Sekunden einer bislang unveröffentlichten Zwischensequenz gezeigt haben. Ein weiterer Clip wurde als Überflug über Leonida beschrieben. Wie viele Videos tatsächlich veröffentlicht wurden und in welcher Reihenfolge sie erschienen, unterschied sich je nach Bericht.
Einige Medien vermuteten außerdem, dass die Aufnahmen aus einer älteren Entwicklungsversion stammen könnten – möglicherweise aus einem Stand, der mehr als ein Jahr zurückliegt. Sollte das zutreffen, muss das Material nicht der Version entsprechen, die Rockstar öffentlich zeigen oder letztlich veröffentlichen will.
Das Material vom 20. August enthielt Berichten zufolge eine auffällige Anspielung auf den Namen Cyberleek: Das Wort „LEEK“ war mit Geschossen an eine Wand im Spiel geschrieben. Dazu erschien die Warnung: „No physical discs? Then more leeks!“ – sinngemäß: „Keine physischen Discs? Dann gibt es noch mehr Leeks!“
Die Botschaft wurde als Drohung verstanden, weiteres Material zu veröffentlichen, falls Rockstar und Take-Two nicht auf die Forderungen der Gruppe eingingen. Berichte sprachen von einer längeren Liste von Punkten oder „Geboten“. Eine vollständige, unabhängig verifizierte Transkription liegt jedoch nicht vor. Die detaillierten Forderungen sollten deshalb als Positionen von Cyberleek und nicht als bestätigte Informationen über GTA VI behandelt werden.
Cyberleek stellte die Kampagne als Protest gegen eine aus Sicht der Gruppe zunehmend verbraucherfeindliche Spielebranche dar. In verschiedenen Berichten wurden unter anderem folgende Forderungen genannt:
Damit berührte Cyberleek größere Debatten über digitales Eigentum, die Bewahrung von Videospielen und die Frage, wie dauerhaft der Zugang zu einem gekauften Spiel tatsächlich ist. Für einige Aktivisten für digitale Rechte widersprach die Methode jedoch der Botschaft: Stop Killing Games verurteilte die Verwendung eines nicht autorisierten Leaks und die Bewerbung eines Meme-Coins.
Im Zusammenhang mit der Leak-Kampagne wurde CYBERLEEK beworben, ein auf der Solana-Blockchain basierender Meme-Coin.
Diese finanzielle Verbindung schafft einen offensichtlichen Interessenkonflikt. Die Gruppe präsentierte sich als Verteidigerin der Spieler gegen problematische Monetarisierung, nutzte die geleakten Inhalte aber zugleich, um Aufmerksamkeit für einen hochspekulativen Token zu erzeugen. Berichten zufolge enthielten die Videos Links oder QR-Codes, die zu dem Projekt führten.
Preis, Handelsvolumen und Marktkapitalisierung des Tokens schwankten stark. Die während des ersten Hypes genannten Werte waren Momentaufnahmen und keine stabilen Maßstäbe für den tatsächlichen Wert. Wer auf das Projekt stößt, sollte es als spekulativ betrachten und keinesfalls annehmen, dass der Leak den Token seriös oder sicher macht.
Berichte zur Kursentwicklung von Take-Two zufolge lag die Aktie vor der Verbreitung des Leaks bei etwa 248,13 US-Dollar und fiel später zeitweise auf ungefähr 231,60 US-Dollar. Einige Medien schätzten, dass dadurch innerhalb von rund 48 Stunden etwa 2,83 Milliarden US-Dollar an Börsenwert verloren gingen.
Diese Zahlen müssen jedoch mit Vorsicht eingeordnet werden. Eine Kursveränderung beweist nicht, dass ausschließlich der Leak den gesamten Rückgang verursacht hat. Aktienkurse reagieren auf zahlreiche Markt- und Unternehmensfaktoren. Die vorliegenden Berichte liefern keine eindeutige Kausalanalyse, die den mutmaßlichen Angriff von anderen Einflüssen trennt.
Die sicherste Zusammenfassung lautet daher: Der Börsenwert von Take-Two soll in dem Zeitraum, in dem sich die Leaks verbreiteten, deutlich gefallen sein. Dass Cyberleek zweifelsfrei einen bestimmten Betrag an Unternehmenswert vernichtet hat, lässt sich daraus nicht ableiten.
Rockstar und Take-Two sollen DMCA- und Urheberrechtsbeschwerden gegen Beiträge und Konten eingereicht haben, die das Videomaterial und die Kartenbilder weiterverbreiteten. Mehrere Berichte beschrieben, dass Inhalte nach solchen Beschwerden entfernt wurden. Das DMCA ist ein US-amerikanisches Gesetz, das unter anderem Verfahren für die Entfernung mutmaßlich urheberrechtsverletzender Inhalte regelt.
Die Löschungen zeigen, dass die Rechteinhaber aktiv gegen die weitere Verbreitung vorgingen. Sie beweisen jedoch nicht automatisch, dass jeder kursierende Clip, jedes Kartenbild und jede Behauptung über die verwendete Version echt war. In den hier ausgewerteten Berichten hatten Rockstar und Take-Two keine ausführliche öffentliche Erklärung zur Quelle oder Authentizität des Materials abgegeben.
Der offizielle Zeitplan von Rockstar ist derzeit die verlässlichste Information in der Geschichte. „Grand Theft Auto VI: An Extended Look“ soll am 27. August 2026 um 15 Uhr Eastern Time (ET) zunächst auf Netflix starten. Später am selben Tag soll die Präsentation um 21 Uhr ET auf dem offiziellen YouTube-Kanal von Rockstar und auf der GTA-VI-Website erscheinen.
Das Spiel selbst soll am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S veröffentlicht werden.
Der zeitliche Zusammenhang erklärt die enorme Aufmerksamkeit für die Cyberleek-Kampagne: Die angeblichen Leaks tauchten nur wenige Tage vor Rockstars geplanter Präsentation auf. Bis diese offiziell ausgestrahlt wird, sollten die Inhalte jedoch klar in zwei Kategorien getrennt werden: online kursierendes, berichtetes Material auf der einen und von Rockstar bestätigte Fakten auf der anderen Seite.