Die Aufnahmen verbreiteten sich in sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer und lösten eine Welle der Empörung aus.
Das Fare-Netzwerk, das bei diesem Turnier als offizieller Diskriminierungsbeobachter der FIFA fungiert, reagierte ungewöhnlich scharf und eindeutig. In einer Stellungnahme fordert die Organisation, Evans mit sofortiger Wirkung von allen weiteren Aufgaben zu entbinden. Die klare Botschaft lautet, der Unparteiische dürfe "keine weitere Rolle bei dieser Weltmeisterschaft spielen" .
Diese öffentliche Forderung des eigenen Anti-Rassismus-Partners setzt die FIFA massiv unter Druck. Der Weltverband steht historisch wegen seiner oft zögerlichen Haltung bei Diskriminierungsfällen in der Dauer-Kritik.
Die FIFA hat den Eklat nicht abgestritten und offiziell bestätigt, den Vorgang zu prüfen. Man stehe in Kontakt mit Evans und bitte um „Aufklärung“ zu der Handgeste . Konkrete Konsequenzen blieb der Verband bislang jedoch schuldig. Disziplinarische Schritte, eine Suspendierung oder gar die geforderte sofortige Entfernung aus dem Turnier wurden noch nicht verkündet.
Interessant ist ein operativer Vorgang während der Live-Übertragung. Beobachtern zufolge zog die FIFA-Regie stillschweigend die Konsequenzen, noch bevor das Spiel richtig begonnen hatte: Kamerabilder aus dem VAR-Raum in Dallas, die den 38-jährigen Unparteiischen hätten zeigen können, wurden aus der laufenden Übertragung genommen . Dieser Eingriff wirkt für viele wie ein Versuch, Schadensbegrenzung zu betreiben, anstatt den Vorfall direkt öffentlich anzusprechen. Evans selbst hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert
.
Dass die Geste hohe Wellen schlägt, liegt an ihrer belegten politischen Aufladung. Was lange Zeit als völlig harmloses 'Alles okay'-Symbol oder Teil eines Kinderspiels galt, ist in einschlägigen Internetforen und bei rechtsextremen Gruppen zu einem Code geworden. Die drei ausgestreckten Finger stehen für ein 'W', der Kreis aus Daumen und Zeigefinger für ein 'P' – zusammen soll es die Parole „White Power“ symbolisieren.
Die ADL stellte 2019 nach jahrelanger Beobachtung klar, dass das Zeichen von Rassisten und Trolle-Kampagnen gezielt vereinnahmt worden ist. Dennoch warnt die Organisation stets vor voreiligen Schlüssen und stellt den Kontext als entscheidend heraus . Im vorliegenden Fall sind es genau die Parameter, die diese harmlose Interpretation extrem schwierig machen: das betont tiefe Halten der Hand unterhalb der Hüfte, der direkte und wissentliche Blick in die Kamera sowie die auffällige Dauer von mehreren Sekunden. Experten sehen darin die Konfiguration, die am stärksten mit der extremistischen Bedeutung assoziiert wird
.
Der Druck auf die FIFA steigt, denn diesmal geht es nicht um Fans oder Spieler, sondern um einen ihrer eigenen Offiziellen im hochoffiziellen Rahmen einer WM-Übertragung, die weltweit Milliarden Menschen erreicht.