Kim betonte mehrfach, dass es ihm nicht um staatliche Zwangsmaßnahmen oder gar Kommunismus gehe, sondern um Stakeholder-Kapitalismus und eine tragfähige Lösung gegen die gesellschaftliche Polarisierung. Er wies Spekulationen, die Regierung wolle Samsung-Gewinne konfiszieren, scharf zurück: „Die Regierung hat weder die Befugnis noch die Absicht, gewaltsam in die legitime Gewinnverteilung von Unternehmen einzugreifen“ . Stattdessen forderte er ein nationales „Notfall-Forum“ und einen sozialen Dialog über die freiwillige Einführung dieser Modelle
.
Der ganze Streit entfachte sich an einem erbitterten Arbeitskampf bei Samsung Electronics. Die Gewerkschaft des Konzerns forderte, dass 15 % des operativen Gewinns der Chipproduktion als Leistungsbonus an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden, und drohte ab dem 21. Mai mit einem beispiellosen 18-tägigen Streik .
Für Kim war dieser Konflikt der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Er sah darin ein Symptom einer gefährlichen Schieflage: Die KI-Revolution spült einer kleinen Elite astronomische Profite in die Kassen, während der Rest der Gesellschaft abgehängt zu werden droht .
In einem dramatischen Showdown schaltete sich Kim am 20. Mai persönlich in letzter Minute als Vermittler ein. Nach einer stundenlangen Marathonsitzung vermeldeten beide Seiten eine überraschende Einigung: Über einen Zeitraum von zehn Jahren soll Samsung eine Gewinnbeteiligung von insgesamt 12 % an die Mitarbeiter auszahlen. Der Streik war abgewendet .
Nicht nur die Wirtschaft, auch die südkoreanische Regierung selbst ist in dieser Frage tief zerstritten:
Diese öffentliche Kabinettsschlacht macht deutlich, dass alle Beteuerungen vorerst reine Rhetorik und noch keinesfalls konkrete Regierungspolitik sind .
Das Präsidialamt (Cheong Wa Dae) dämpfte die Erwartungen an eine schnelle Revolution, aber öffnete die Tür für Debatten. Eine Sprecherin sagte: „Cheong Wa Dae hofft ebenfalls, dass es in Zukunft Gelegenheiten für vielfältige öffentliche Diskussionen über ein Forum geben wird“ .
Die Wirtschaft reagierte mit Unbehagen und sieht in der Rhetorik einen bedrohlichen Schritt hin zu mehr Staatseinfluss in privaten Unternehmen . Die Märkte erlebten bereits Mitte Mai einen Schock, als die Idee der „Bürgerdividende“ erstmals die Runde machte: Der Kospi, der südkoreanische Leitindex, brach um bis zu 5,1 % ein, was Hunderte Milliarden Dollar an Marktwert vernichtete, bevor klargestellt wurde, dass es nicht um eine neue Unternehmenssteuer, sondern um die Verwendung von Steuermehreinnahmen gehe
.
Samsung selbst reagierte nur Tage später mit einer vorauseilenden Goodwill-Aktion und kündigte einen Fonds im Volumen von 5 Billionen Won (ca. 3,7 Milliarden US-Dollar) für gemeinsames Wachstum, Zulieferer-Förderung und Talententwicklung an – ein freiwilliges Signal gesellschaftlicher Verantwortung .
Die Debatte hat längst den theoretischen Raum verlassen: Ein geplantes Notfall-Forum soll nun offiziell die Machbarkeit eines koreanischen Solidarlohns ausloten. Es ist dies erst der Anfang einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Auseinandersetzung darüber, wie Kapitalismus im KI-Zeitalter funktionieren soll .
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