Ebenso direkt benannte Daly, was das aktuelle Inflationsumfeld wirklich antreibt – und das ist nicht KI. Sie erklärte, dass der jüngste Anstieg der Inflation auf höhere Zölle und, in jüngerer Zeit, auf höhere Energie- und Lebensmittelpreise seit Beginn des Iran-Kriegs zurückzuführen sei . Der durch den Konflikt ausgelöste Ölpreisschock bereitet Daly dabei besondere Sorgen. Bereits in einem Interview im April 2026 hatte sie angemerkt, dass die Wirtschaft zwar grundsätzlich solide dastehe, der Ölpreisschock jedoch "den Zeitrahmen für die Rückkehr der Inflation zum 2-%-Ziel der Fed verlängert" und die Notenbank in eine abwartende Haltung bei den Zinsen zwingen könnte
.
Diese Einordnung bringt KI in eine kuriose Lage: Sie ist eine Quelle des langfristigen Optimismus, bietet einer Federal Reserve, die mit akuten, geopolitisch getriebenen Preissprüngen ringt, aber keinerlei akute Entlastung.
Ein wesentlicher Grund für Dalys abwartende Haltung ist der schlichte Mangel an sichtbaren Beweisen. Sie stellte fest, dass sich die deutlichen Produktivitätsgewinne, die man von einer revolutionären Technologie wie KI erwarten würde, noch nicht in den Wirtschaftsdaten niedergeschlagen haben . Dies verschiebt den Zeitpunkt, an dem eine dämpfende Wirkung auf die Inflation spürbar werden könnte, noch weiter in die Zukunft. Die Datenlage deute darauf hin, dass 2027 zu einem entscheidenden "Lackmustest"-Jahr für die KI-Branche werde, um ihren realwirtschaftlichen Nutzen jenseits von Investitionen und Hype unter Beweis zu stellen
.
Dalys Äußerungen vom 4. Juni untermauern die aktuelle vorsichtige Haltung der Fed. Sie signalisierte, dass die Zentralbank bereit sei, die Leitzinsen in beide Richtungen anzupassen, warnte jedoch davor, dass eine explizitere Vorausschau in diesem volatilen Moment irreführend sein könnte . Der gegenwärtige Kampf gilt der zollbedingten und der durch Energiekosten getriebenen Inflation. Das Versprechen der KI bleibt vorerst eine Geschichte für das nächste Kapitel.
Comments
0 comments