Auch Reuters-basierte Berichte fassen Altmans Aussage in diesem Sinne zusammen: Musk sei daran interessiert gewesen, die Kontrolle über OpenAI zu übernehmen und mit dem Unternehmen Geld zu verdienen.
Musks Seite erzählt die Geschichte anders. Danach sei Musk überzeugt worden, 38 Millionen US-Dollar an OpenAI zu geben, nur um später zu erleben, dass sich die Organisation von ihrer Mission zum Nutzen der Menschheit entfernte und in Richtung einer gewinnorientierten Gesellschaft bewegte.
OpenAI, Altman, Brockman und Microsoft bestreiten den Vorwurf, sie hätten OpenAIs gemeinnützige Struktur über die Microsoft-Partnerschaft zum persönlichen Vorteil ausgeschlachtet.
Für die Leserinnen und Leser außerhalb der USA ist wichtig: Der Streit dreht sich nicht nur um Firmenanteile oder verletzte Egos. Er berührt die Governance-Frage, wer über die Entwicklung mächtiger KI-Systeme entscheidet – und unter welchen rechtlichen Bindungen.
Ein weiterer Baustein in OpenAIs Verteidigung ist die frühe Konkurrenz zu Google. Altman sagte, er habe OpenAI beinahe gar nicht gegründet, weil er geglaubt habe, Google sei bei künstlicher Intelligenz bereits so weit voraus, dass ein Start aussichtslos wäre.
OpenAIs Anwalt knüpfte daran an: Aus Sicht der Verteidigung ging es Musk nicht in erster Linie um OpenAIs Nonprofit-Status, sondern darum, das KI-Rennen gegen Google zu gewinnen.
Microsoft-Chef Satya Nadella spielt eine besondere Rolle, weil Microsoft in dem Verfahren nicht nur als Investor im Hintergrund auftaucht. ABC7 berichtete, Nadella sei in den Zeugenstand getreten, während Musk Microsoft vorwirft, bei einer Verletzung eines gemeinnützigen Treuhandverhältnisses Beihilfe geleistet zu haben.
Die vorliegenden Auszüge liefern allerdings keine detaillierte Wiedergabe von Nadellas Antworten. Belegt ist, dass seine Aussage zusammen mit der Aussage des OpenAI-Mitgründers Ilya Sutskever die konkurrierenden Erzählungen im Prozess sichtbar machte. Mehr – etwa eine konkrete Aussage Nadellas zugunsten einer bestimmten OpenAI-These – lässt sich aus dem bereitgestellten Material nicht seriös ableiten.
Noch dünner ist die Lage bei Bret Taylor. KTVU berichtete, dass Taylor, der Verwaltungsratsvorsitzende von OpenAI, seine Aussage kurz beendet hatte, bevor Altman vereidigt wurde. Was Taylor inhaltlich zu Musk, Tesla, Microsoft oder OpenAIs Nonprofit-Verpflichtungen sagte, geht aus den vorliegenden Auszügen nicht hervor.
Stärker belegt ist dagegen Greg Brockmans Beitrag zur Kontroll-Erzählung. Brockman sagte aus, Musk habe OpenAI „aufgegeben“, nachdem er erfahren habe, dass er keine Kontrolle erhalten werde; außerdem schilderte Brockman eine angespannte Sitzung, in der Musk wütend reagiert habe. Brockman betonte zugleich, OpenAIs Mission sei für ihn immer vorrangig gewesen.
Der Fall ist inzwischen enger geworden. Für den Prozess übrig geblieben sind zwei Ansprüche: Verletzung eines gemeinnützigen Treuhandverhältnisses und ungerechtfertigte Bereicherung.
Das ist juristisch entscheidend. In der öffentlichen Debatte klingt der Fall oft wie ein Grundsatzreferendum über OpenAIs Identität. Vor Gericht geht es nun aber darum, ob Musk diese verbliebenen Ansprüche beweisen kann – und ob OpenAI, Altman, Brockman oder Microsoft im Zusammenhang mit OpenAIs gemeinnütziger Mission unrechtmäßig profitiert oder Pflichten verletzt haben.
Die klar belegte persönliche Abhilfe ist drastisch: Musk strebt Altmans Entfernung aus der OpenAI-Führung an.
Ein weiterer Trial-Recap beschrieb außerdem, Musk wolle eine gerichtliche Anordnung, die OpenAI zur Aufgabe der gewinnorientierten Umwandlung und zur Rückkehr in eine Nonprofit-Struktur verpflichtet.
Die vorliegenden Auszüge enthalten jedoch keine vollständige, gerichtsfeste Liste aller noch möglichen Rechtsfolgen. Sicher ist daher vor allem: Musk zielt auf strukturelle Eingriffe in OpenAIs Führung und Ausrichtung, wobei Altmans Rolle ausdrücklich im Fokus steht.
Die Jury hat in diesem Verfahren nur begrenzte Macht. Berichte zur Prozessstruktur besagen, dass die Haftungsphase bis etwa zum 21. Mai laufen sollte. Danach soll die Sache an die Jury für ein beratendes Votum gehen; anschließend beginnt Richterin Gonzalez Rogers mit der Phase zu den möglichen Rechtsfolgen.
Andere Berichte bestätigen: Das Juryvotum ist nur advisory, also beratend. Die endgültige Entscheidung über Haftung und Rechtsfolgen trifft Richterin Gonzalez Rogers.
Das bedeutet: Selbst ein Votum zugunsten Musks würde Altman nicht automatisch aus dem Amt entfernen und OpenAI nicht automatisch umstrukturieren. Es wäre ein Signal dafür, wie die Geschworenen die Beweise bewerten. Die rechtlich maßgebliche Entscheidung läge weiterhin bei der Richterin.
Findet Gonzalez Rogers zugunsten Musks, dürfte sich der nächste Streit auf Governance und Struktur konzentrieren – einschließlich der berichteten Forderung nach Altmans Absetzung und möglicher Vorgaben für OpenAIs kommerzielle Ausrichtung. Findet sie zugunsten OpenAIs, könnten Musks verbleibende Ansprüche scheitern, selbst wenn die Jury zuvor anders tendiert hätte.
Altmans Aussage verschiebt den Schwerpunkt des Prozesses: Musk sagt, OpenAI habe ein gemeinnütziges Versprechen gebrochen; OpenAI sagt, Musk habe selbst eine kommerzielle Struktur angestrebt, solange er sie beherrschen konnte.
Der nächste große Moment ist deshalb nicht nur das beratende Juryvotum. Entscheidend wird, wie Richterin Gonzalez Rogers die zwei verbliebenen Ansprüche bewertet – und ob sie daraus strukturelle Folgen für OpenAI ableitet.
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