Die zweite, deutlich höhere Hürde ist die Gewinnanforderung nach GAAP (Generally Accepted Accounting Principles). Ein Kandidat muss im jüngsten Quartal sowie in der Summe der vergangenen vier Quartale einen positiven Nettogewinn ausweisen . SpaceX hingegen meldete für 2025 einen Nettoverlust von 4,94 Milliarden Dollar – und das trotz eines Umsatzanstiegs von 33 Prozent auf 18,67 Milliarden Dollar
. Mit diesen tiefroten Zahlen ist eine Serie von vier aufeinanderfolgenden Gewinnquartalen in weiter Ferne, völlig unabhängig von der gigantischen Marktkapitalisierung.
Die Situation erinnert stark an Tesla: Der E-Autobauer war über ein Jahrzehnt börsennotiert, bevor er Ende 2020 endlich die Gewinnregel des S&P 500 erfüllte . Wenn sich die Ertragslage von SpaceX nicht dramatisch dreht, könnte der Ausschluss eher Jahre als Monate dauern.
Durch die harte Haltung des S&P 500 entsteht eine ungewöhnliche Situation: SpaceX wird in zahlreichen großen Indizes vertreten sein, aber im wichtigsten Benchmark-Index auffällig fehlen. Während S&P beim S&P 500 die Linie hält, hat man bei den Total Market Indizes die Eintrittsregeln für große IPOs durchaus angepasst – ein technischer Unterschied, der dem Vorzeigeindex aber wenig nützt .
Die Spaltung ist frappierend. Nasdaq lockerte die Eintrittsregeln für den Nasdaq-100, sodass SpaceX möglicherweise schon 15 Handelstage nach seinem Debüt – voraussichtlich Ende Juni oder Anfang Juli 2026 – in diesen Index aufgenommen wird . FTSE Russell führte eigene Fast-Entry-Regeln ein, um Mega-IPOs in die Russell-Indizes zu integrieren
. Das Ergebnis: Innerhalb von drei Wochen nach dem Börsengang wird SpaceX in fast jedem großen Indexfonds vertreten sein, was massive Zwangskäufe durch passive Fonds auslöst, die den Nasdaq-100 und Russell 1000 abbilden
.
Aber die Billionen Dollar, die direkt auf den S&P 500 indexiert sind, werden so lange nicht in SpaceX-Aktien fließen, bis das Unternehmen nach GAAP profitabel ist. Für einen Konzern dieser Größe ist dieser Ausschluss eine spürbare Verzerrung seiner Anlegerbasis – und ein seltener Fall, in dem Marktkapitalisierung und jahrzehntealte Governance-Regeln kollidieren.
Schon vor der Entscheidung waren die Marktkommentare gespalten. Ein Experte brachte den Kernkonflikt auf den Punkt: SpaceX habe sich seinen „Sitz am Tisch noch nicht verdient“, weil es gleichzeitig an den Kriterien Gewinn, Streubesitz und Börsenhistorie scheitere . Der Gewinnfilter des S&P 500 war ursprünglich dafür gedacht, dass der Index nur Unternehmen mit nachgewiesenen Erträgen enthält – und nicht Wetten auf Umsätze ohne Gewinne. Dieses Prinzip wurde nun mit Nachdruck bekräftigt
.
Für Anleger in ETFs, die den S&P 500 abbilden – wie den SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY) – ist die unmittelbare Folge einfach: SpaceX wird nicht enthalten sein. Der Ausschluss bedeutet, dass die gängigste Form der passiven US-Aktienanlage eines der größten Unternehmen der Welt schlicht deshalb verpasst, weil dessen GAAP-Bilanz rote Zahlen schreibt.
Die Entscheidung des S&P-Komitees sendet ein klares Signal: Für die Aufnahme in sein Vorzeige-Barometer zählt nach wie vor die Profitabilität – unabhängig von kultureller, technologischer oder wirtschaftlicher Strahlkraft eines Unternehmens. Für SpaceX führt der Weg in den S&P 500 ab sofort direkt über die Gewinn- und Verlustrechnung.
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