Im Mai 2026 drohte eine Welle historisch großer Börsengänge – allen voran SpaceX – die traditionellen Aufnahmeregeln der großen Aktienindizes zu sprengen. Während Nasdaq und FTSE Russell schnell ihre Regelwerke umschrieben, ging S&P Dow Jones Indices einen anderen Weg. Am 4. Juni 2026 verkündete der Hüter des S&P 500, dass er seine Zulassungskriterien nicht ändern werde. Die nur wenige Wochen zuvor gestartete „Konsultation zur Behandlung von MegaCap-Unternehmen“ wurde damit offiziell verworfen .
Die Entscheidung bedeutet: Für den meistbeachteten US-Aktienindex zählt Größe allein nicht – entscheidend sind die Gewinne. SpaceX, das einen Börsengang über 75 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 1,75 Billionen Dollar anstrebt, bleibt damit auf absehbare Zeit aus dem S&P 500 ausgeschlossen.
Für die Aufnahme in den S&P 500 gibt es zwei zentrale Kriterien, an denen SpaceX derzeit scheitert. Das erste ist die 12-monatige Wartezeit: Ein Unternehmen muss mindestens ein volles Jahr an einer großen Börse gehandelt worden sein, bevor es überhaupt für den Index in Frage kommt . Die Prüfung hatte vorgeschlagen, diesen Zeitraum für Mega-Caps auf sechs Monate zu verkürzen, doch das Komitee hielt an der ursprünglichen Frist fest
.
Die zweite, deutlich höhere Hürde ist die Gewinnanforderung nach GAAP (Generally Accepted Accounting Principles). Ein Kandidat muss im jüngsten Quartal sowie in der Summe der vergangenen vier Quartale einen positiven Nettogewinn ausweisen . SpaceX hingegen meldete für 2025 einen Nettoverlust von 4,94 Milliarden Dollar – und das trotz eines Umsatzanstiegs von 33 Prozent auf 18,67 Milliarden Dollar
. Mit diesen tiefroten Zahlen ist eine Serie von vier aufeinanderfolgenden Gewinnquartalen in weiter Ferne, völlig unabhängig von der gigantischen Marktkapitalisierung.
Die Situation erinnert stark an Tesla: Der E-Autobauer war über ein Jahrzehnt börsennotiert, bevor er Ende 2020 endlich die Gewinnregel des S&P 500 erfüllte . Wenn sich die Ertragslage von SpaceX nicht dramatisch dreht, könnte der Ausschluss eher Jahre als Monate dauern.
Durch die harte Haltung des S&P 500 entsteht eine ungewöhnliche Situation: SpaceX wird in zahlreichen großen Indizes vertreten sein, aber im wichtigsten Benchmark-Index auffällig fehlen. Während S&P beim S&P 500 die Linie hält, hat man bei den Total Market Indizes die Eintrittsregeln für große IPOs durchaus angepasst – ein technischer Unterschied, der dem Vorzeigeindex aber wenig nützt .
Die Spaltung ist frappierend. Nasdaq lockerte die Eintrittsregeln für den Nasdaq-100, sodass SpaceX möglicherweise schon 15 Handelstage nach seinem Debüt – voraussichtlich Ende Juni oder Anfang Juli 2026 – in diesen Index aufgenommen wird . FTSE Russell führte eigene Fast-Entry-Regeln ein, um Mega-IPOs in die Russell-Indizes zu integrieren
. Das Ergebnis: Innerhalb von drei Wochen nach dem Börsengang wird SpaceX in fast jedem großen Indexfonds vertreten sein, was massive Zwangskäufe durch passive Fonds auslöst, die den Nasdaq-100 und Russell 1000 abbilden
.
Aber die Billionen Dollar, die direkt auf den S&P 500 indexiert sind, werden so lange nicht in SpaceX-Aktien fließen, bis das Unternehmen nach GAAP profitabel ist. Für einen Konzern dieser Größe ist dieser Ausschluss eine spürbare Verzerrung seiner Anlegerbasis – und ein seltener Fall, in dem Marktkapitalisierung und jahrzehntealte Governance-Regeln kollidieren.
Schon vor der Entscheidung waren die Marktkommentare gespalten. Ein Experte brachte den Kernkonflikt auf den Punkt: SpaceX habe sich seinen „Sitz am Tisch noch nicht verdient“, weil es gleichzeitig an den Kriterien Gewinn, Streubesitz und Börsenhistorie scheitere . Der Gewinnfilter des S&P 500 war ursprünglich dafür gedacht, dass der Index nur Unternehmen mit nachgewiesenen Erträgen enthält – und nicht Wetten auf Umsätze ohne Gewinne. Dieses Prinzip wurde nun mit Nachdruck bekräftigt
.
Für Anleger in ETFs, die den S&P 500 abbilden – wie den SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY) – ist die unmittelbare Folge einfach: SpaceX wird nicht enthalten sein. Der Ausschluss bedeutet, dass die gängigste Form der passiven US-Aktienanlage eines der größten Unternehmen der Welt schlicht deshalb verpasst, weil dessen GAAP-Bilanz rote Zahlen schreibt.
Die Entscheidung des S&P-Komitees sendet ein klares Signal: Für die Aufnahme in sein Vorzeige-Barometer zählt nach wie vor die Profitabilität – unabhängig von kultureller, technologischer oder wirtschaftlicher Strahlkraft eines Unternehmens. Für SpaceX führt der Weg in den S&P 500 ab sofort direkt über die Gewinn- und Verlustrechnung.
Studio Global AI
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S&P Global lehnt Lockerung der Gewinn und Wartezeitregeln ab: SpaceX kann frühestens ein Jahr nach dem IPO in den S&P 500 – und selbst dann nur nach vier aufeinanderfolgenden profitablen Quartalen.
S&P Global lehnt Lockerung der Gewinn und Wartezeitregeln ab: SpaceX kann frühestens ein Jahr nach dem IPO in den S&P 500 – und selbst dann nur nach vier aufeinanderfolgenden profitablen Quartalen. Andere Indexanbieter wie Nasdaq und FTSE Russell haben ihre Regeln bereits geändert und nehmen SpaceX innerhalb weniger Wochen auf – ein Novum in der Indexwelt.
Für Anleger bedeutet das einen gespaltenen Markt: Während passive Fonds auf den Nasdaq 100 und Russell Indizes SpaceX Aktien kaufen müssen, bleibt der S&P 500 außen vor – mit Milliardenfolgen.