Der Streit dreht sich um eine entscheidende Formulierung bei einem dramatischen Zwischenfall in großer Höhe: Wurde ein Passagier teilweise durch ein zerstörtes Flugzeugfenster nach außen gezogen – oder lediglich mit großer Kraft dagegen?
Ryanair-Chef Michael O’Leary bestreitet, dass der serbische Passagier Ljubisa Karović mit irgendeinem Körperteil außerhalb des Flugzeugs gewesen sei. Karović sei zwar „unter dramatischen Umständen“ in Richtung Fenster gesogen worden, sagte O’Leary, aber: „Wir glauben nicht, dass irgendein Teil seines Körpers aus dem Fenster gelangt ist.“ Dass Karović verletzt wurde, räumte er ein.
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Der vorläufige Bericht des US-Verkehrssicherheitsamts NTSB (National Transportation Safety Board) zieht noch keine Schlussfolgerung zur Unfallursache. Er hält aber fest, dass Karović nach der Beschädigung des Fensters teilweise in der Öffnung eingeklemmt war.
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Was auf Flug FR1879 geschah
Malta Air Flug 1879, der für Ryanair von Thessaloniki in Griechenland nach Memmingen flog, erlitt am 10. Juli beim Steigflug die Abtrennung eines Fanblatts am rechten Triebwerk. Nach den vorläufigen NTSB-Erkenntnissen durchschlugen Trümmerteile den druckbeaufschlagten Rumpf – am Passagierfenster in Reihe 11 sowie an einer Stelle im unteren Rumpfbereich. Die Folge war eine schnelle Dekompression der Kabine.
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Die Besatzung erklärte einen Notfall und kehrte nach Thessaloniki um. Berichten über die vorläufigen Erkenntnisse zufolge ereignete sich der Zwischenfall in etwa 16.000 Fuß Höhe, rund 4.900 Metern. Die Piloten gingen in den Sinkflug, nutzten Sauerstoffmasken, schalteten das betroffene Triebwerk ab und landeten sicher.
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Passagiere zogen Karović zurück in die Kabine
Karović saß auf Platz 11F direkt neben dem zerstörten Fenster. Laut NTSB fand eine Flugbegleiterin ihn teilweise in der Fensteröffnung eingeklemmt vor. Andere Fluggäste zogen ihn zurück in die Kabine.
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Er wurde von der Öffnung weggebracht. Ein Arzt, der als Passagier an Bord war, leistete bis zur Landung Erste Hilfe. Seine Verletzungen wurden als schwer eingestuft; veröffentlichten Berichten zufolge erlitt er Verletzungen an Kopf, Hals und Schulter, Reibungsverbrennungen sowie einen Schock.
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Genau hier liegt der Konflikt: O’Leary bestreitet, dass ein Teil von Karovićs Körper außerhalb des Flugzeugs gewesen sei. Der vorläufige Bericht dokumentiert dagegen, dass der Mann teilweise im fehlenden Fenster feststeckte. Die NTSB betont, dass ihre Angaben vorläufig sind und sich im Verlauf der Untersuchung ändern können.
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Warum die NTSB O’Leary zuvor zurechtwies
Noch vor Veröffentlichung des vorläufigen Berichts hatte O’Leary öffentlich erklärt, die Triebwerksschäden deuteten auf einen „Fremdkörperschaden“ hin und stünden nicht mit dem Alter oder der Wartung des Flugzeugs in Zusammenhang. Die NTSB erwiderte, eine solche Feststellung sei nicht getroffen worden. Sie mahnte zudem, Beteiligte sollten während einer laufenden internationalen Untersuchung keine öffentlichen Bewertungen oder Analysen zum Unfall abgeben.
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Diese Rüge war keine Aussage über die endgültige Ursache. Der NTSB-Bericht benennt ausdrücklich noch keine wahrscheinliche Unfallursache.
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Offene Fragen zu Triebwerk und Schutzmaßnahmen
Die Ermittler fanden im beschädigten Triebwerk Überreste von Vögeln, darunter Federn. Für dieses Triebwerk waren in den zwölf Monaten vor dem Unfall außerdem vier mutmaßliche Vogelschläge gemeldet worden; bei anschließenden Inspektionen wurde jeweils kein Schaden festgestellt. Das macht einen möglichen Vogelschlag zu einem Ermittlungsansatz – nicht zu einer gesicherten Erklärung für den Fanblattbruch.
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Die Fanblätter waren per Ultraschall geprüft worden, zuletzt im Mai 2026, ohne dass dabei ein Befund gemeldet wurde.
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Außerdem stellte die NTSB fest, dass an der Triebwerksverkleidung noch keine verbesserten Befestigungselemente und keine externe Verstärkungsplatte verbaut worden waren, wie sie die FAA-Lufttüchtigkeitsanweisung 2025-04-02 vorsieht. Der Bericht nennt diesen Ausrüstungsstand, folgert daraus jedoch nicht, dass die fehlende Nachrüstung den Unfall verursacht hat.
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Entschädigung und Streit um O’Learys Vergütung
O’Leary erklärte, Karović habe Anspruch auf Entschädigung. Eine Zahlung in „Millionen und Abermillionen“ wies er jedoch zurück. Wie hoch eine mögliche Entschädigung letztlich ausfallen könnte, ist offen.
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Die jüngsten Aussagen fielen zeitlich mit der Hauptversammlung von Ryanair zusammen. Die Aktionäre billigten ein Vergütungspaket, das O’Leary mindestens 150 Millionen Euro einbringen könnte. Allerdings votierten 39,3 Prozent der abgegebenen Stimmen dagegen; 60,7 Prozent stimmten dafür.
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Die zentrale Sicherheitsfrage bleibt damit unbeantwortet: Der vorläufige Bericht beschreibt die Abfolge vom Triebwerksschaden über den Rumpfdurchschlag bis zur Dekompression. Eine endgültige Ursache hat die NTSB aber noch nicht festgestellt.
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