Fico sagte, Selenskyj habe ihm bei einem persönlichen Treffen in Armenien erklärt, er sei bereit, Putin „in jedem Format“ zu treffen. Nach Ficos Darstellung übermittelte er diese Position bei seinem Besuch in Moskau an die russische Seite. Zugleich sagte er, Selenskyj solle Putin direkt anrufen, wenn er ein solches Treffen wolle.
Damit stellte Fico sich nicht nur als jemand dar, der über mögliche Diplomatie spricht. Er präsentierte sich als eine Art Mittelsmann: als Politiker, der Selenskyjs Bereitschaft zu direktem Kontakt nach Moskau getragen habe.
Der Kreml – also die russische Präsidialverwaltung – wies genau diesen Punkt zurück. Putin-Berater Juri Uschakow sagte, Fico habe beim Moskauer Treffen am 9. Mai keine „Botschaften“ von Selenskyj übermittelt. Über die Ukraine sei zwar gesprochen worden, und Fico habe auch sein jüngstes Treffen mit Selenskyj erwähnt.
Uschakows Darstellung zieht eine klare Grenze: Es ist das eine, über die Ukraine zu reden. Etwas anderes wäre es, eine autorisierte Botschaft des ukrainischen Präsidenten an Putin zu überbringen. Nach Uschakow habe Selenskyj Fico seine Einschätzung der Lage geschildert, ihn aber nicht gebeten, Putin etwas auszurichten.
Aus Kyjiw kam keine vollständige Bestätigung von Ficos Wortlaut. Dmytro Lytwyn, Berater des ukrainischen Präsidenten, sagte, Selenskyj habe Fico erklärt, die Ukraine wolle ein Ende des Krieges, dafür brauche es „würdige Lösungen“, und die Ukraine sei bereit zu einem Treffen auf Führungsebene, das auf ein Ende des Krieges ziele.
Das lässt die Tür für Diplomatie auf höchster Ebene offen. Es beantwortet aber nicht eindeutig die Frage, ob Fico beauftragt war, Putin eine konkrete Botschaft Selenskyjs zu überbringen.
Der Kern des Streits ist weniger, ob direkte Gespräche grundsätzlich denkbar sind. Entscheidend ist die Frage nach Auftrag und Darstellung. Fico sagte, er habe Selenskyjs Bereitschaft nach Moskau getragen. Der Kreml sagte, es sei keine Botschaft übermittelt worden. Kyjiw betonte die grundsätzliche ukrainische Linie zu Gesprächen über ein Kriegsende, bestätigte aber nicht Ficos genaue Version des Vorgangs.
| Seite | Was gesagt wurde | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
| Robert Fico | Selenskyj habe ihm in Armenien gesagt, er sei bereit, Putin „in jedem Format“ zu treffen; Fico habe dies der russischen Seite mitgeteilt. | Das stellt Fico als Vermittler oder Überbringer dar. |
| Kreml | Die Ukraine sei Thema gewesen, aber Fico habe keine Selenskyj-„Botschaften“ überbracht. | Das weist die Idee einer formellen oder autorisierten Übergabe zurück. |
| Kyjiw | Die Ukraine sei zu einem Treffen auf Führungsebene bereit, wenn es um ein Ende des Krieges und „würdige Lösungen“ gehe. | Das bestätigt Offenheit für Spitzengespräche, aber nicht zwingend Ficos Darstellung. |
Die belastbarste Schlussfolgerung ist eng gefasst: Fico behauptete, Selenskyjs Bereitschaft zu einem direkten Treffen mit Putin weitergegeben zu haben. Der Kreml bestritt, über Fico eine Selenskyj-Botschaft erhalten zu haben. Kyjiw sprach von ukrainischer Bereitschaft zu Gesprächen auf Führungsebene zur Beendigung des Krieges, übernahm aber nicht vollständig Ficos Darstellung der angeblichen Übergabe.
Damit bleibt der sensibelste Punkt öffentlich ungeklärt: War Fico ein autorisierter Bote – oder deutete er nach seinem Moskauer Treffen ein privates Gespräch mit Selenskyj politisch aus?