| 59° |
| 227, 267 oder 307 Zoll |
| 399 US-Dollar |
Damit fällt die Kaufentscheidung vergleichsweise leicht: Die iO setzt auf geringes Gewicht, eine konventionelle Optik und Informationen, die man nur kurz einblendet. Die GT-Brillen opfern Alltagstauglichkeit und Unauffälligkeit zugunsten eines deutlich größeren Bildes und eines immersiveren Seherlebnisses.
RayNeo positioniert die iO als Arbeitsassistentin für Berufstätige, Führungskräfte und Menschen, die regelmäßig mit mehreren Bildschirmen arbeiten. Das Retro-Gestell im Stil der Crown-Panto-Brille soll eher wie eine gewöhnliche Sehhilfe als wie ein Headset wirken. Zum Einsatz kommen eine Magnesium-Aluminium-Legierung vom Typ AZ91D und Bügel aus Titan in Luftfahrtqualität. Insgesamt wiegt die Brille 33 Gramm.
Bemerkenswert ist, was der iO fehlt: eine Kamera. Damit grenzt sie sich von Produkten wie den kameraausgestatteten Meta Ray-Ban Smart Glasses ab. Statt Fotos und Videos stehen Sprachsteuerung, Transkription und dezente visuelle Hinweise im Mittelpunkt.
Das Display basiert auf RayNeos Firefly Nano Engine und einem monochrom grün arbeitenden, diffraktiven Blue-Lake-Waveguide. Der Hersteller nennt 97 Prozent Transparenz, eine Helligkeit von 1.300 Nits direkt vor dem Auge und ein Sichtfeld von 23,5 Grad. Gedacht ist die Anzeige für kurze Einblendungen – etwa Übersetzungen, Meeting-Informationen oder Teleprompter-Texte – und nicht für das Anschauen kompletter Filme.
Die Ambient-AI-Funktionen sollen verhindern, dass Nutzer während der Arbeit ständig zum Smartphone greifen müssen. RayNeo zufolge kann die iO Kontextinformationen erfassen, Besprechungen in Aufgaben umwandeln, Änderungen im Kalender vorschlagen und bestimmte Befehle über eine bestätigende Kopfbewegung ausführen.
Zum Einsatz kommen RayNeo AI und Gemini 3.1 Flash Lite. Laut den Berichten zur Vorstellung lässt sich außerdem zwischen Gemini, ChatGPT, Claude und DeepSeek wechseln.
Für Übersetzungen arbeitet RayNeo mit Timekettles BabelOS 3.0 zusammen. Das Unternehmen verspricht Live-Übersetzungen für 55 Sprachen und 109 Akzente bei einer Verzögerung von ungefähr einer Sekunde. Diese Angaben stammen vom Hersteller und sind nicht durch unabhängige Praxistests bestätigt.
Auch beim Ton geht RayNeo einen ungewöhnlichen Weg. Die iO besitzt keine eingebauten Lautsprecher, sondern vier Mikrofone und einen Knochenschall-Sensor. Damit soll die Stimme des Trägers auch in lauten Umgebungen gezielt erfasst und für Transkriptionen aufbereitet werden.
Der Akku mit 240 mAh soll laut RayNeo bis zu zwei Tage bei gewöhnlicher Nutzung durchhalten. Für kontinuierliche Aufnahmen werden 18 Stunden genannt, für durchgehende Übersetzungen 6,2 Stunden. Wie lange die Brille tatsächlich läuft, hängt davon ab, wie intensiv Display, Mikrofone und KI-Funktionen genutzt werden.
Beim Preis der iO widersprechen sich die verfügbaren Berichte. Während manche Veröffentlichungen noch von einem nicht bekannt gegebenen Preis ausgehen, nennt eine andere Quelle einen Einstiegspreis von 479 US-Dollar. Solange RayNeo keinen verbindlichen regionalen Preis veröffentlicht, bleibt die Preisangabe daher ungeklärt.
Die GT-Modelle verfolgen eine ganz andere Idee. Ihre größeren und dickeren Gehäuse sind für konzentriertes Betrachten ausgelegt – beim Spielen, Filmeschauen, Arbeiten oder auf Reisen. Als unauffälliger Ersatz für eine normale Alltagsbrille sind sie ausdrücklich nicht positioniert.
Beide Modelle verwenden RayNeos Vision-4000-Display-Chip und den Zone-360-Chip für die Bildschirmverfolgung mit drei Freiheitsgraden, kurz 3DoF. Unterstützt werden stabilisierte Darstellungen sowie Modi, bei denen der virtuelle Bildschirm im Raum fixiert bleibt oder der Kopfbewegung folgt. Hinzu kommen von Bang & Olufsen abgestimmte Lautsprecher mit vier Treibern, räumlicher Klang mit Kopfverfolgung und ein gerichteter Whisper-Modus.
Die Standard-GT wiegt 68 Gramm und nutzt ein Birdbath-Optiksystem. Ihr Sichtfeld beträgt 46 Grad, die virtuelle Anzeige kann laut Hersteller bis zu 231 Zoll groß wirken. Damit ist sie die kompaktere und günstigere Option für alle, die unterwegs einen privaten Großbildschirm nutzen möchten.
Die GT Max bringt 78 Gramm auf die Waage, erweitert das Sichtfeld aber auf 59 Grad. Sie verwendet RayNeos Peacock Optical Engine 3.0 Max und ein Tandem-MicroOLED-Display der 5,5. Generation. Für die virtuelle Leinwand stehen Größen von 227, 267 oder 307 Zoll zur Auswahl. Außerdem wird die Brille in drei Größen für den individuellen Pupillenabstand angeboten.
Der größere Blickwinkel ist der entscheidende Hardware-Unterschied zwischen GT und GT Max. Die Max richtet sich an Käufer, die beim Spielen und bei Videos möglichst viel Bildfläche wollen. Die normale GT ist leichter und günstiger, bietet dafür aber weniger Immersion.
RayNeo gibt an, dass das GT-System native Dolby-Vision-Wiedergabe unterstützt, wenn es mit der separat erhältlichen, auf Google TV basierenden RayNeo Pocket TV Pro gekoppelt wird. Zusätzlich wird eine Echtzeit-Konvertierung von SDR- zu HDR-Material durch KI genannt. Da die Pocket TV Pro ein eigenes Gerät ist, sollte Dolby Vision als Funktion des gesamten Ökosystems verstanden werden – nicht als Garantie, dass jede Zuspielquelle diese Wiedergabe allein mit der Brille ermöglicht.
Für die USA werden 299 US-Dollar für die RayNeo GT und 399 US-Dollar für die GT Max genannt. Die Preisangaben der GT-Modelle sind konsistenter als jene für die iO; je nach Region und Zubehör können die tatsächlichen Kosten jedoch abweichen.
Alle drei Brillen – iO, GT und GT Max – sollen ab dem 4. September 2026 über RayNeos offizielle Website und den Amazon-Shop des Unternehmens erhältlich sein. Außerdem will RayNeo die Produkte auf der IFA 2026 in Berlin Anfang September demonstrieren.
Mit der Aufteilung des Sortiments positioniert sich RayNeo bewusst gegen den Ansatz eines einzigen Geräts, das jede Aufgabe erledigen soll. Die iO tritt in der Kategorie der KI-Assistenten gegen Produkte aus dem Umfeld der Meta Ray-Ban an, hebt sich aber durch ihr integriertes Display, das unauffälligere Gestell und den Verzicht auf eine Kamera ab. Die GT-Familie zielt hingegen auf den Markt für immersive Display-Brillen, in dem etwa XREALs One Pro angesiedelt ist.
RayNeo erklärte außerdem, mit einem Anteil von 23,7 Prozent an den weltweiten Auslieferungen von AR-Smartbrillen für Endkunden im ersten Quartal 2026 in die Vorstellung zu gehen. Diese Zahl beruht auf einer von RayNeo angeführten Angabe von Counterpoint Research und ist in den vorliegenden Materialien nicht unabhängig verifiziert.
RayNeos wichtigste Entscheidung ist die klare Trennung der Einsatzgebiete. Das 33 Gramm leichte, transparente und kamerafreie Design der iO soll einige der größten Hürden herkömmlicher Smart Glasses lösen: hohes Gewicht, auffällige Bauform und Datenschutzbedenken durch Kameras. Die GT-Modelle gehen den entgegengesetzten Weg. Sie akzeptieren ein schwereres und sichtbar voluminöseres Gestell, um dafür einen riesigen privaten Bildschirm und ein breiteres Sichtfeld zu bieten.
Die Produktfamilie ist dadurch leichter zu verstehen als ein vermeintliches Universalgerät:
Die zentrale offene Frage vor dem Verkaufsstart am 4. September ist der endgültige Preis der iO – und ob KI, Übersetzung und Akkulaufzeit im Alltag tatsächlich so überzeugend funktionieren, wie es die technischen Angaben zur Vorstellung versprechen.