Am 26. Oktober 2026 erklärte OpenAI, seine internen Modelle hätten Ergebnisse in der harmonischen Analysis, der Komplexitätstheorie und der Quantenfeldtheorie erzielt. Wenige Stunden später meldete Anthropic einen konkurrierenden Anspruch zur Exponentialzeithypothese (ETH). Die Behauptungen sorgten für Aufmerksamkeit, weil die Ergebnisse – falls sie sich bestätigen – weit über die KI-Forschung hinausreichen würden. Berichten zufolge waren sie zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht unabhängig überprüft.
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Was OpenAI behauptet
Ein Beweis zur lokalen Glättung. In einem öffentlichen Repository führt OpenAI das Manuskript Local smoothing for the Euclidean wave equation samt Lean-Formalisation auf. Demnach beweise die Arbeit Sogges Vermutung zur lokalen Glättung für Wellengleichungen in jeder räumlichen Dimension ab zwei. Laut Repository folgt daraus außerdem die Kakeya-Maximal- und die Kakeya-Dimensionsvermutung sowie Stein’sche sphärische Restriktionsabschätzungen im Inneren des vermuteten Gültigkeitsbereichs.
17 Ein separater Bericht datiert Sogges Vermutung auf das Jahr 1991.
6 Das sollte nicht zu der Behauptung ausgeweitet werden, jede Version von Steins Restriktionsvermutung sei damit gelöst.
Eine Widerlegung der ETH. OpenAI erklärte, sein Modell habe die ETH widerlegt – eine Vermutung darüber, wie schwierig Probleme der booleschen Erfüllbarkeit rechnerisch sind. Das Unternehmen bezeichnete sie als Annahme, auf der zahlreiche bedingte Ergebnisse in der Informatik beruhen.
13 Berichten zufolge lieferte das Modell das Ergebnis am 16. Oktober; am folgenden Tag wurde es in Lean formalisiert.
32 Im öffentlichen Repository von OpenAI findet sich ein Manuskript mit dem Titel The Exponential Time Hypothesis is False.
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Sollte die Widerlegung stimmen, könnte das den Status von Ergebnissen verändern, die auf der ETH beruhen. Ein subexponentieller Algorithmus ist aber nicht automatisch ein polynomieller Algorithmus: 2^√n wächst beispielsweise subexponentiell in n, aber weiterhin schneller als jedes feste Polynom. Selbst ein gültiger 2^o(n)-Algorithmus für 3-SAT würde die ETH also widerlegen, ohne damit allein P = NP zu beweisen. Die Fragen hängen zusammen, sind aber nicht gleichbedeutend.
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Ein Existenzresultat zur Quantenfeldtheorie. OpenAI behauptete außerdem, einen mathematisch strengen Existenzbeweis für bestimmte wechselwirkende Quantenfeldtheorien in vier Dimensionen vorgelegt zu haben, darunter die Quantenchromodynamik (QCD).
1 Die Berichte beschreiben den Anspruch als Existenzresultat. Sie belegen nicht, dass damit das umfassendere Yang-Mills-Millenniumsproblem – einschließlich der Frage nach der Masselücke – gelöst wäre.
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Anthropics konkurrierender ETH-Anspruch
Kurz darauf präsentierte Anthropic eine eigene behauptete Widerlegung der ETH. Ein Bericht nennt die Arbeit A 2^o(n) Time Algorithm for 3-SAT und schreibt sie Claude zu. Dem Bericht zufolge sagte der Anthropic-Mathematiker Levent Alpöge, der Kernalgorithmus sei am 16. Oktober „ohne menschliche Eingabe“ gefunden worden; Forschende hätten anschließend mit Claude an der Darstellung des Papers gearbeitet.
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33 Das sind berichtete Angaben zur Entstehung der Arbeit – keine unabhängige Bestätigung des Beweises.
Bemerkenswert ist der zeitliche Gleichlauf: Berichten zufolge datierten beide Labore ihre zentralen ETH-Ergebnisse auf den 16. Oktober.
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32 OpenAI wollte die externe Prüfung nach Berichten einer Gruppe mit Russell Impagliazzo, Ramamohan Paturi und Ryan Williams anvertrauen.
20 Entscheidend ist jedoch nicht, welches Labor zuerst verkündete, sondern ob unabhängige Fachleute die Argumentation und ihre Folgen bestätigen können. Den hier vorliegenden Berichten zufolge war diese Prüfung noch nicht abgeschlossen.
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Unterschiedliche Veröffentlichungspläne und Fragen zur Transparenz
OpenAI bezeichnete die KI-generierten Manuskripte als „Rohdaten der Forschung“, die externe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam auswerten und in wissenschaftliches Verständnis überführen sollten.
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11 Die Manuskripte zur lokalen Glättung und zur ETH veröffentlichte das Unternehmen samt Lean-Formalisierungen in einem öffentlichen Repository.
17 Die Physikgruppe hielt die KI-Materialien laut Berichten dagegen zunächst zurück und arbeitete an einer eigenen Darstellung. David Gross wurde als einer der mit dieser Arbeit verbundenen externen Fachleute genannt.
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Auch frühere OpenAI-Veröffentlichungen standen wegen ihrer Transparenz in der Kritik. Laut einer Zusammenfassung von AI Edge Briefing enthielten 10 von 719 veröffentlichten Manuskripten Ausgaben der Modell-internen Gedankenkette („Chain of Thought“). Zudem hätten maschinenlesbare Metadaten gefehlt, die natürlichsprachliche Manuskripte mit den formalen Beweisartefakten verknüpfen.
18 Das ist relevanter Kontext für die Bewertung der Veröffentlichungspraktiken, belegt für sich genommen aber nicht sämtliche Einwände gegen die Ankündigungen vom 26. Oktober.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer bemerkenswerten Forschungsbehauptung und einem bestätigten Ergebnis. OpenAI machte zwei mathematische Ansprüche anhand öffentlicher Manuskripte und Lean-Artefakte überprüfbar; die Physikmaterialien blieben im beschriebenen Prüfverfahren zunächst unveröffentlicht. Anthropic legte einen konkurrierenden ETH-Anspruch vor und lieferte laut Berichten eine Darstellung dazu, wie Claude daran beteiligt gewesen sein soll. Bis externe Fachleute die Beweise geprüft und bestätigt haben, sollte keine der Ankündigungen als gesicherte wissenschaftliche Entdeckung gelten.
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