Nvidia-Chef Jensen Huang verband sein BG2-Podcastinterview vom 15. Oktober mit zwei Botschaften: Die Bestellungen für KI-Chips nähmen weiter zu, obwohl Nvidia das Angebot ausbaue. Und die Nachfrage nach Rechenleistung komme aus einem breiteren Markt als nur von den bekanntesten KI-Laboren. Seine Argumentation für einen massiven Ausbau der Infrastruktur ist eine Prognose – keine Garantie, dass sich jedes Projekt rechnet.
6
3
Bestellungen wachsen trotz höherer Lieferkapazität
Huang sagte, Nvidia erhalte neue Bestellungen „fast wöchentlich und täglich“ und der Auftragsbestand wachse weiter, während das Unternehmen seine Liefermenge erhöhe. Berichten zufolge bestellen große Cloud-Anbieter, jüngere KI-Cloud-Unternehmen und Hersteller von Ausrüstung. Einige Kunden planten ihren Bedarf weit im Voraus. Die vorliegenden Berichte belegen jedoch nicht, dass alle Kunden ein bis zwei Jahre vorausplanen.
6
8
43
Zugleich stößt der Ausbau auf Grenzen bei der Infrastruktur. In Berichten zu Huangs Aussagen werden vor allem Stromversorgung und weitere Infrastrukturengpässe genannt – nicht nur die Verfügbarkeit von Chips. Die vorliegenden Auszüge belegen keine detaillierte Aufstellung unfertiger Rechenzentren oder konkreter fehlender Komponenten.
42
Warum Huang den Markt breiter sieht als die führenden KI-Labore
Huang hält die Vorstellung, dass nur zwei große KI-Labore die gesamte Nachfrage nach Rechenleistung tragen, für ein Missverständnis. Ein Bericht über seine Aussagen ordnet etwa ein Drittel der Nvidia-Rechenleistung klassischen Anwendungen zu, ein weiteres Drittel dem Open-Source-Ökosystem und rund 30 Prozent den führenden Modell-Laboren. Die Anteile sind gerundete Kategorien, keine genaue Abrechnung jeder Nutzung.
1
Andere Berichte beziffern den Anteil der führenden KI-Labore auf etwa 25 bis 30 Prozent. Klassische Rechenaufgaben und ein breiteres Start-up-Ökosystem machten demnach einen großen Teil der übrigen Nachfrage aus. Huang argumentiert damit, dass die Investitionen nicht allein davon abhängen müssten, ob OpenAI, Anthropic oder andere Spitzenlabore Umsätze in Höhe der gesamten Infrastrukturinvestitionen erzielen.
34
35
Billionenprognosen sind keine Umsatzversprechen
Huang schätzt, dass die weltweiten jährlichen Investitionen in KI-Infrastruktur bis 2030 auf 3 bis 4 Billionen US-Dollar steigen könnten. Davon entfielen seiner Einschätzung nach etwa 1,5 Billionen Dollar pro Jahr auf Recheninfrastruktur. Auch jährliche Investitionen von 10 Billionen Dollar zu einem späteren Zeitpunkt würden ihn nicht überraschen. Das sind seine Prognosen, keine unabhängig bestätigten Ergebnisse.
3
4
Wichtig ist die Unterscheidung: Diese Beträge beschreiben eine mögliche Größenordnung der Infrastrukturinvestitionen – nicht Nvidias Umsatz und auch keine Garantie, dass sich jedes Vorhaben angemessen rentiert. Huang setzt darauf, dass sich der Bedarf an KI-Rechenleistung auf mehr Nutzer und Anwendungen ausweitet. Ob Finanzierung und Wirtschaftlichkeit bei allen Projekten aufgehen, ist damit nicht entschieden.
3
7
Starke Nachfrage beseitigt das Finanzierungsrisiko nicht
Ob Kunden mehr Rechenleistung bestellen, ist eine andere Frage als die, ob sie ihre Pläne finanzieren können und Infrastrukturbetreiber damit Gewinne erzielen. Huangs Aussagen zum Auftragsbestand sprechen für Nachfrage; für sich genommen belegen sie weder, dass jeder Kunde seine Vorhaben stemmen kann, noch dass jedes Infrastrukturprojekt rentabel wird.
6
Bei einem separaten Auftritt bei Bloomberg verteidigte Huang den KI-Cloud-Anbieter CoreWeave. „CoreWeaves Stärke verbessert sich jeden Tag“, sagte er; zugleich sinke dessen Kapitalkostensatz. Diese Äußerung fiel bei einer Veranstaltung in Stockholm, nicht im BG2-Interview.
39
Die nüchterne Lesart ist daher optimistisch, aber mit Vorbehalt: Huang erwartet, dass sich die Nachfrage nach KI-Rechenleistung weit über die größten Modell-Labore hinaus erstreckt. Wie groß und dauerhaft der Ausbau tatsächlich wird, hängt weiterhin von Infrastrukturkapazitäten, Finanzierung und Renditen ab.