Der unter dem Codenamen N1 und N1X entwickelte RTX Spark ist eine Ein-Chip-Architektur (SoC) und markiert Nvidias ersten Auftritt als Hauptprozessor in einem Consumer-Windows-PC . In seinem Inneren arbeiten eine 20-Kern-Arm-CPU, eine GPU der Blackwell-Klasse mit 6.144 CUDA-Kernen und bis zu 128 GB LPDDR5x-Arbeitsspeicher, angebunden über einen 300 GB/s schnellen Datenbus
.
Die schiere Rechenleistung ist das eine – das Einsatzziel das andere: Der Chip ist darauf ausgelegt, große KI-Sprachmodelle mit bis zu 120 Milliarden Parametern lokal auszuführen. Nvidia spricht von einer „Agentic AI“-Plattform, die den PC vom bloßen Werkzeug zum aktiven KI-Assistenten macht, der selbstständig Aufgaben erledigt .
Mindestens ebenso wichtig ist die Software-Seite. Mit RTX Spark kommt zum ersten Mal das gesamte Nvidia-Ökosystem – CUDA, DLSS, TensorRT, OptiX, Reflex und G-SYNC – in einem dünnen und leichten Windows-on-Arm-Gerät zum Einsatz . Parallel kündigte das Unternehmen DLSS 4.5, Updates für die Ray-Reconstruction-Technologie und weitere RTX-Softwarefunktionen für Kreative und Gamer an
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Hardwareseitig positioniert Nvidia RTX-Spark-Laptops im Premium-Segment: Sie sollen nur 14 Millimeter flach sein, etwa 1,4 Kilogramm wiegen und über präzisionsgefräste Aluminiumgehäuse in Größen von 14 bis 16 Zoll verfügen . Das ist eine klare Kampfansage an Intels Evo-Plattform und Apples MacBook-Air-Reihe.
Nvidia hat die RTX-Spark-Ära nicht im Alleingang eingeläutet, sondern eine komplette Hersteller-Riege auf die Bühne geholt. Laptops und Kompakt-Desktops mit dem neuen Superchip werden ab Herbst von ASUS, Dell, HP, Lenovo, Microsoft Surface und MSI ausgeliefert, Modelle von Acer und GIGABYTE folgen kurz darauf . Berichten zufolge umfasst die erste Welle mehr als 30 Laptops und 10 Desktops – der größte gleichzeitige Windows-on-Arm-Start in der Geschichte der Plattform
.
Einige Hersteller präsentierten bereits konkrete Modelle: MSI zeigte das Prestige N16 Flip AI+, ein ultramobiles 2-in-1-Convertible . ASUS stellte eine Partnerschaft mit dem League of Legends-Weltmeisterteam T1 vor, die sich auf GeForce RTX 50 Grafikkarten bezieht – ASUS gehört aber ebenfalls zu den RTX-Spark-Launchpartnern
. Besonders bemerkenswert: Microsofts Surface-Sparte wurde als enger Kooperationspartner genannt. Damit läuft erstmals ein Microsoft-Design-PC mit einem von Nvidia entwickelten Hauptprozessor
.
Die Ankündigung zog auch die Aktien der PC-Hersteller mit nach oben: HP stieg um rund 8 %, Dell legte im Tagesverlauf sogar um 10,7 % zu, beflügelt vom Computex-Halo .
Die Anleger interpretierten die RTX-Spark-Vorstellung als Nullsummenspiel: Was Nvidia gewinnt, verlieren die etablierten CPU-Anbieter.
Die Nvidia-Aktie schoss am Montag, dem 1. Juni, um 6,26 % auf 224,36 US-Dollar in die Höhe . Bereits im vorbörslichen Handel legten Nvidia und Microsoft um je 2,3 % zu, während die Stimmung von Kleinanlegern auf Plattformen wie Stocktwits von „neutral“ auf „bullish“ drehte
. Die Rallye war breit genug, um S&P 500 und NASDAQ auf gleichzeitige Rekordschlussstände zu hieven – und das, obwohl erneute Spannungen im Nahen Osten und neue US-Chip-Exportbeschränkungen die Nachrichtenlage belasteten
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Ganz anders sah es bei der Konkurrenz aus:
Diese Marktreaktion spiegelt die wahrgenommene Bedrohung für alle drei etablierten Chipriesen wider: Intel und AMD im x86-Laptop-Duopol, und Qualcomm im mühsam aufgebauten Arm-PC-Segment. Analysten verwiesen auf ein rund 200 Milliarden US-Dollar schweres Marktpotenzial im PC-CPU-Bereich, das Nvidia nun direkt ins Visier nimmt .
Ein kleiner Wermutstropfen: Einige Quellen verzeichneten während des Tages einen kurzen Kursrückgang bei Nvidia. Dieser wird jedoch nicht auf die Keynote, sondern auf zeitgleiche Meldungen über verschärfte US-Exportkontrollen für KI-Chips zurückgeführt, die über malaysische Tochterfirmen nach China gelangen könnten . Der übergeordnete Aufwärtstrend blieb bis Handelsschluss bestehen.
Während der RTX Spark den consumerorientierten Teil der Computex-Präsenz dominierte, fand der geopolitisch bedeutsamste Schachzug hinter verschlossenen Türen statt.
Am Abend des 1. Juni lud Jensen Huang im Taipeher Stadtbezirk Da’an zur ersten „Korea Partner Night“. An diesem exklusiven Networking-Dinner, dem ersten seiner Art für das koreanische Partner-Ökosystem während einer Computex, versammelte sich die Führungsriege von Samsung Electronics, SK hynix, LG Electronics, Hyundai Motor und Naver Cloud .
Im Zentrum des Treffens stand eine formelle Zusage, mehr als 250.000 Nvidia-GPUs in den KI-Fabriken Südkoreas zu installieren und das Land damit als „Tier-1-Knotenpunkt“ der KI-Lieferkette – gleichauf mit Taiwan und Japan – zu etablieren . Huang bezeichnete Korea als unverzichtbare Achse der Nvidia-KI-Strategie und weitete die Gespräche explizit über Halbleiter hinaus auf Robotik und „Physical AI“ aus – ein Feld, in dem Hyundai Motor und Doosan zu den industriellen Schlüsselspielern zählen
.
Damit nicht genug: Huang machte das unaufgeforderte, aber vielsagende Angebot, Seoul könne die hauseigene Entwicklerkonferenz GTC ausrichten, und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Wenn ich zu Besuch bin, werde ich Samgyeopsal essen.“ Gleichzeitig kündigte er an, noch in derselben Woche nach Seoul zu reisen, um die Gespräche vor Ort zu vertiefen
. Das Unternehmen signalisierte zudem eine generelle Investitionsbereitschaft in Südkoreas Robotik- und Physical-AI-Sektor, auch wenn keine konkrete Summe genannt wurde
.
Für Südkorea bedeuten die Absprachen eine Verfestigung einer Beziehung, die die Halbleiterindustrie des Landes bereits umgekrempelt hat. Nvidias Schwenk zu LPDDR-Speicher und Architekturen mit vereinheitlichtem Speicher (Unified Memory) erzeugt unmittelbare Nachfrage nach koreanischen Speicherchips, während der Vorstoß in Richtung physischer KI völlig neue Kooperationskanäle mit den Automobil- und Industriekonglomeraten des Landes öffnet . Der KOSPI-Index, der bereits Ende Mai erstmals die Marke von 8.000 Punkten durchbrochen hatte, setzte seine Rekordjagd in der Computex-Woche fort
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