Schon in der vorherigen Kampagne hatte Nato mit 21 Punkten nur Platz 20 erreicht. Die Punktzahlen liegen nah beieinander, doch für Nissan zählt vor allem der Kontext: Auch das zweite Auto lieferte erneut nicht regelmäßig genug Ergebnisse, um das Team in der Teamwertung ausreichend zu unterstützen.
Der bevorstehende technische Umbruch bot Nissan zudem die Gelegenheit für einen Neustart. Saison 12 war die letzte Saison mit dem Gen3-Evo-Rennwagen. Gleichzeitig hatte der Hersteller Rowland bereits langfristig an sich gebunden und ihn zum Mittelpunkt des nächsten Projekts gemacht.
Nato beendete Saison 12 nach den Berichten zum London-Finale mit 20 Punkten auf Rang 19. Seine vorherige Saison hatte er mit 21 Punkten auf Platz 20 abgeschlossen.
Die nackten Zahlen sprechen damit eher für ein ähnliches Ergebnis als für einen entscheidenden Durchbruch. Zwar gelangen Nato in der jüngsten Saison einige bessere Einzelleistungen, darunter laut Berichten ein fünfter Platz. Eine längere Serie konstant guter Resultate konnte er daraus jedoch nicht entwickeln.
Besonders problematisch war seine Form im Saisonendspurt. Bis zum Lauf in Madrid hatte er in den vorangegangenen zwölf Rennen lediglich drei Punkte gesammelt – nachdem er im ersten Shanghai-Rennen dieses Zeitraums Sechster geworden war. Auch das Finale in London brachte keine klare Wende: Im ersten Rennen kam Nato als 15. ins Ziel. Das chaotische zweite Rennen sorgte zwar für einen ungewöhnlichen Titelkampf; in den Berichten zum Event wurde Nato letztlich unter den Fahrern auf den Punkterängen geführt.
Das Gesamtbild fällt deshalb eindeutig aus: Nato konnte weiterhin einzelne starke Ergebnisse erzielen, war aus Sicht von Nissan aber nicht konstant genug, um auch in der nächsten technischen Ära einen Stammplatz zu behalten.
Nato hat die Formel E bereits mit seinem Engagement in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft kombiniert. Dort fährt er im Cadillac-Hypercar-Programm von Hertz Team JOTA. Diese Doppelbelastung wird jedoch schwieriger, weil sich die Kalender beider Serien zunehmend überschneiden.
Der erwartete Gen4-Kalender dürfte direkten Terminkonflikten und zusätzlichem logistischem Druck führen. Als Beispiele wurden unter anderem eine Überschneidung zwischen Spa und Monaco sowie eine enge Terminballung rund um Interlagos und Shanghai genannt.
Dabei geht es nicht nur um die Anreise zwischen zwei Rennorten. Werksteams brauchen ihre Fahrer auch für Tests, Vorbereitung, Simulatorarbeit und die Rennwochenenden selbst. In der Langstrecken-WM wiederum sind Kontinuität und die Verfügbarkeit über besonders lange Veranstaltungen hinweg entscheidend. Nato musste wegen seiner WEC-Verpflichtungen bereits Formel-E-Rennen auslassen; bei mindestens einem früheren Terminkonflikt hatte sein Cadillac-/JOTA-Vertrag Vorrang.
Eine vollständige Rückkehr in die Formel E parallel zu einem werksgebundenen Hypercar-Programm wirkt deshalb zunehmend unrealistisch. Eine Verbindung zur Elektro-Einsitzer-Serie als Reserve- oder Entwicklungsfahrer ist zwar denkbar, die verfügbaren Berichte deuten jedoch stärker auf die Langstrecke als Natos künftigen Schwerpunkt hin.
Nato dürfte zunächst bei Cadillac und Hertz Team JOTA in der WEC weitermachen, statt unmittelbar nach einem neuen Vollzeitplatz in der Formel E zu suchen. Seine Abschiedsbotschaft markierte das Ende des Nissan-Kapitels; zugleich wurde er in den verfügbaren Berichten nicht stark mit einem freien Stammcockpit bei einem anderen Formel-E-Team in Verbindung gebracht.
Das muss nicht zwangsläufig das endgültige Ende seiner Formel-E-Karriere bedeuten. Eine Rolle als Reserve-, Test- oder Entwicklungsfahrer bleibt möglich – auch wegen seiner Erfahrung mit Nissan-Rennwagen. Eine solche Option ist allerdings nicht mit einem bestätigten künftigen Formel-E-Vertrag gleichzusetzen.
Oliver Rowland ist der bestätigte Eckpfeiler von Nissans Gen4-Projekt. Der amtierende Weltmeister hat einen neuen mehrjährigen Vertrag unterschrieben und soll den japanischen Hersteller in die nächste technische Phase führen.
Victor Martins gilt als aussichtsreichster Kandidat für Natos Nachfolge. Er hat bereits Nissan-Formel-E-Technik getestet und wurde in mehreren Berichten als voraussichtlicher neuer Teamkollege Rowlands genannt.
Der entscheidende Vorbehalt: In den verfügbaren Quellen wurde Martins’ Wechsel noch als erwartete oder sich anbahnende Vereinbarung beschrieben, nicht als formelle Nissan-Bestätigung. Sollte der Deal zustande kommen, würde Nissan mit Rowland und Martins eine Kombination aus bewährter Titelstärke und einem jüngeren Fahrer mit Erfahrung im Testprogramm in die Gen4-Ära schicken.
Die neue Formel-E-Generation soll am 18. Dezember 2026 beim Jeddah E-Prix in Saudi-Arabien starten. Natos Abschied ist damit mehr als ein gewöhnlicher Fahrerwechsel: Er ist Teil von Nissans Versuch, mit einem gesetzten Spitzenfahrer und einem neu besetzten zweiten Cockpit in einen neuen technischen Zyklus zu starten.