Eine Signatur soll zeigen, wer ein Bild gemacht hat. Umso heikler ist es, wenn sie auf einem Werk auftaucht, das die betreffende Person gar nicht gezeichnet hat: Nieman Lab dokumentierte mehr als 15 Cartoonistinnen und Cartoonisten des New Yorker, deren Namen ChatGPT auf KI-generierte Cartoons setzte – ohne ihre Erlaubnis oder Bezahlung.
17
24
„BLOPER“: ein Name, der für Verwirrung sorgte
Besonders sichtbar wurde das Problem bei einem verbreiteten Cartoon mit der Signatur „BLOPER“ – dem Künstlernamen des New-Yorker-Cartoonisten Brendan Loper. Er sagte, er habe das Bild weder gezeichnet noch unterschrieben. Trotzdem meldeten sich Menschen bei ihm und fragten, ob der Cartoon von ihm sei. Die Signatur ließ also den Eindruck entstehen, Loper stehe hinter einem Bild, das eine KI erzeugt hatte.
18
19
Für Loper ist seine Unterschrift weit mehr als ein gestalterisches Detail. Er bezeichnete sie als eine Art „Echtheitszertifikat“: Er setze seinen Namen unter Arbeiten, die als von ihm geschaffen erkennbar sein sollen.
17
Es geht um mehr als einen ähnlichen Zeichenstil
Die Kritik richtet sich nicht allein dagegen, dass KI-Bilder an den vertrauten Cartoonstil des Magazins erinnern. Wenn zusätzlich die echte Signatur eines Cartoonisten erscheint, wird dessen Name einem Werk zugeschrieben, das er nicht geschaffen hat. Andere Cartoonisten beschrieben, in den Bildern zwar Elemente ihrer Arbeit wiederzuerkennen, zugleich aber klar zu sehen, dass sie die Zeichnungen nicht selbst angefertigt hatten.
17
34
Für das Publikum ist diese Unterscheidung wichtig: Eine Signatur gilt als Hinweis auf die Urheberschaft. Auf einem KI-Bild kann sie deshalb darüber täuschen, von wem das Werk tatsächlich stammt.
17
18
Die Condé-Nast-Lizenz galt nicht für Cartoons
OpenAI hat eine Lizenzvereinbarung mit Condé Nast, dem Verlag des New Yorker. Laut den vorliegenden Berichten erlaubte diese Vereinbarung jedoch kein Training mit den Cartoons des Magazins. Eine Lizenz für bestimmte Inhalte ist keine pauschale Erlaubnis, sämtliche Werke eines Verlags zu verwenden oder die Signaturen einzelner Künstlerinnen und Künstler zu reproduzieren.
10
22
Einschränkungen – aber offene Fragen
Nachfragen von Nieman Lab zufolge ergänzte OpenAI Einschränkungen für bestimmte Prompts. Dennoch wurden weiterhin KI-Cartoons mit Künstler-Signaturen gemeldet.
22
26
Die Berichte dokumentieren die erzeugten Bilder und die daraus entstehenden Probleme mit der Zuschreibung. Sie klären aber nicht abschließend, wie das Modell die Signaturen gelernt hat oder ob das Training beziehungsweise die erzeugten Bilder Urheberrechte verletzen. Weder die Lizenzvereinbarung noch das Auftauchen einer Signatur beantworten diese Fragen für sich genommen.
17
22