Das Unternehmen spürt unterdessen die für ein prominentes Start-up typische Unruhe. Auf Abgänge hochkarätiger Forscher angesprochen, räumte Murati die Fluktuation ein, spielte deren Bedeutung aber herunter. Sie stelle nur die normale Volatilität eines jungen Forschungslabors dar, die sich hier in kürzester Zeit entlade .
Das Gespräch kam unweigerlich auf den November 2023 zurück, als der OpenAI-Verwaltungsrat CEO Sam Altman feuerte und Murati mitten in der Krise zur Interimschefin ernannt wurde – eine Episode, die Mitarbeiter intern nur „den Ausrutscher“ nannten . Rückblickend seien ihre Entscheidungen in diesen fünf Tagen instinktiv klar gewesen, sagte Murati: „Schütze die Mission und das Team.“ Das Unternehmen, so ihre Überzeugung, wäre ohne ihren Einsatz „implodiert“
.
Doch sie schilderte die Episode nicht als Triumph. Sie äußerte klares Bedauern und wünschte, sie hätte damals stärker auf mehr Informationen, einen geordneteren Führungswechsel und größere Transparenz von allen Seiten gedrängt . Auf die direkte Frage, ob sie ihrem früheren Chef Sam Altman noch vertraue, antwortete sie nicht
.
Der schärfste Teil ihrer Analyse war nicht die Anklage einer Einzelperson, sondern die Einordnung, dass die Krise kein persönliches Versagen eines Führers war, sondern eine Verurteilung der gesamten Machtarchitektur: Die Branche habe zu viel Zeit damit verbracht, über den Charakter einzelner Personen zu debattieren, anstatt Institutionen strukturell rechenschaftspflichtig zu machen. „Das eigentliche Problem“, sagte sie, „ist nicht der Charakter irgendeiner verantwortlichen Person, sondern das Fehlen struktureller Kontrollen in der Branche“ .
Diese öffentliche Haltung erhält zusätzliches Gewicht durch ihre kürzlich abgegebene, private Zeugenaussage im aufsehenerregenden Bundesprozess Musk vs. Altman. In einer eidesstattlichen Video-Aussage vom Mai 2026 hatte Murati zu Protokoll gegeben, Sam Altman habe systematisch Misstrauen und Chaos unter den Spitzenmanagern gesät, sei ihr gegenüber nicht vollständig transparent gewesen und habe verschiedenen Leuten völlig widersprüchliche Dinge erzählt . Sie sagte zudem aus, Altman habe sie in die Irre geführt, was die Frage betraf, ob ein neues KI-Modell einer internen Sicherheitsprüfung bedurfte
. Diese Erfahrung scheint ihre Überzeugung verfestigt zu haben, dass KI-Firmen sich nicht auf den guten Willen ihrer Gründer verlassen können.
Trotz ihrer Bedenken zur Governance verweigerte sich Murati den extremen Erzählungen, die oft die KI-Debatte dominieren. Sowohl Weltuntergangsszenarien als auch utopische Heilsversprechen wies sie zurück – insbesondere fatalistische Vorhersagen zu massenhaften Jobverlusten und einer unkontrollierten Bewaffnung der Technologie. Sie vertrete die feste Überzeugung, dass die Menschheit „nicht dem Untergang geweiht“ sei und positive Ergebnisse weiterhin möglich seien, wenn man die Technologie richtig lenke .
Zum erbitterten Kampf um die klügsten KI-Köpfe wählte Murati ihre Worte mit Vorsicht. Sie räumte die Forscher-Abgänge bei ihrem eigenen Start-up ein, stellte sie aber als normales Erwachsenwerden eines jungen Unternehmens dar – ohne jeden allgemeinen Kommentar zu dem Talent-Gerangel, das das Silicon Valley im Griff hat . Für eine Gründerin, die erstmals seit dem Start ihres neuen Projekts voll im Rampenlicht stand, war die Botschaft deutlich: Der Fokus gehöre auf die Systeme, die wir bauen – nicht nur auf die Personen, die sie bauen.
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