Die Ankündigung fiel in einen Rekordbericht: Microsoft übertraf die Erwartungen bei Umsatz und bereinigtem Gewinn deutlich – und Azure erzielte erstmals mehr als 100 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz.
„Copilot entwickelt sich schnell weiter – vom Chat über Cowork bis zu Autopilots“, sagte Nadella laut Mitschrift. „In diesem Quartal führen wir diese Copilot-Erlebnisse zusammen, einschließlich Code, in einer Super-App für Privatkunden und Geschäftskunden“ .
Gemeint ist eine Anwendung, die bislang getrennte Funktionen unter einer Oberfläche bündelt:
Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von einem System, das vor allem Antworten liefert, hin zu einem Assistenten, der komplette Arbeitsabläufe erledigen soll . Microsoft erwartet den Start im weiteren Verlauf von 2026. Ein konkretes Veröffentlichungsdatum, Preise und Einzelheiten zur Einführung nannte das Unternehmen noch nicht .
Microsoft erzielte im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 90,0 Milliarden US-Dollar – 18 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der nach US-Rechnungslegung ausgewiesene Nettogewinn stieg um 31 Prozent auf 35,8 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 4,74 US-Dollar und damit deutlich über der Analystenprognose von 4,24 US-Dollar .
| Kennzahl | Q4 GJ 2026 | Veränderung zum Vorjahr | Gesamtjahr GJ 2026 | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 90,0 Mrd. US-Dollar | +18 % | 331 Mrd. US-Dollar | +18 % |
| Nettogewinn nach GAAP | 35,8 Mrd. US-Dollar | +31 % | — | — |
| Gewinn je Aktie nach GAAP | 4,81 US-Dollar | +31 % | — | — |
| Bereinigter Gewinn je Aktie | 4,74 US-Dollar | +23 % | — | — |
| Betriebsergebnis | 40,6 Mrd. US-Dollar | +18 % | — | — |
Nach der Veröffentlichung legte die Microsoft-Aktie im nachbörslichen Handel um rund acht Prozent zu und notierte zeitweise bei etwa 422 US-Dollar .
Für das gesamte Geschäftsjahr meldete Microsoft einen Umsatz von 331 Milliarden US-Dollar. Das Betriebsergebnis wuchs um 21 Prozent . Für das Geschäftsjahr 2027 stellte das Management weiteres zweistelliges Umsatz- und Betriebsergebniswachstum in Aussicht .
Microsoft Cloud setzte im Quartal 59,3 Milliarden US-Dollar um, 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Gesamtjahr kam die Cloud-Sparte auf 214 Milliarden US-Dollar .
Besonders wichtig für die KI-Strategie ist Azure: Der Cloud-Umsatz wuchs im Jahresvergleich um 41 Prozent. Damit überschritt Azure im Geschäftsjahr 2026 erstmals einen Jahresumsatz von 100 Milliarden US-Dollar .
Weitere Kennzahlen aus dem Geschäftsbericht:
Nadella stellte Azure zugleich als Plattform mit möglichst großer Auswahl an KI-Modellen dar. Microsoft wolle Unternehmen nicht dauerhaft an einen einzelnen Modellanbieter binden. „Modelle sind ein Input, keine Entnahme von Unternehmenswissen“, erklärte der CEO .
Die technische Architektur trennt dabei den sogenannten „Harness“ – also Gedächtnis, Kontext und Orchestrierung – vom eigentlichen KI-Modell . Dadurch sollen Unternehmen je nach Aufgabe zwischen leistungsstarken Frontier-Modellen, günstigeren Modellen und selbst trainierten Modellen wechseln können.
Das passt zu Microsofts Beteiligungsstrategie: Das Unternehmen arbeitet mit unterschiedlichen KI-Anbietern und setzt nicht ausschließlich auf OpenAI. Im Quartal verbuchte Microsoft einen Gewinn von 3,2 Milliarden US-Dollar aus seiner Beteiligung an Anthropic. Dieser Effekt erhöhte den verwässerten Gewinn je Aktie um 0,33 US-Dollar . Gleichzeitig wurde die OpenAI-Beteiligung um 600 Millionen US-Dollar abgeschrieben, was den Gewinn je Aktie um 0,07 US-Dollar verringerte .
Zusammen mit niedriger als erwarteten Kosten für das freiwillige Ruhestandsprogramm ergab sich daraus insgesamt ein positiver Effekt von 0,27 US-Dollar je verwässerter Aktie .
Microsoft investierte im vierten Quartal 41 Milliarden US-Dollar in Sachanlagen und damit verbundene Leasingaufwendungen. Das lag leicht unter der Analystenerwartung von 42 Milliarden US-Dollar .
Für die kumulierten KI-Investitionen werden von Analysten zwischen 190 und 220 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Ein großer Teil davon fließt in Rechenzentren und Grafikprozessoren, die für KI-Modelle und deren Betrieb benötigt werden .
Eine wesentliche Neuordnung der berichteten Geschäftssegmente gab Microsoft im vierten Quartal nicht bekannt. Die Ergebnisse wurden weiterhin nach den drei üblichen Bereichen ausgewiesen: Productivity & Business Processes, Intelligent Cloud und More Personal Computing .
Größere Änderungen an wichtigen Leistungskennzahlen hatte Microsoft bereits im Vorfeld des Geschäftsjahres 2025 vorgenommen. Im Q4 2026 wurden diese Anpassungen jedoch nicht wiederholt .
Der Bericht zeichnet ein klares Bild: Microsofts Cloud- und KI-Investitionen schlagen sich weiterhin in starkem Wachstum nieder. Gleichzeitig baut der Konzern sein Modellangebot bewusst breit auf – mit OpenAI, Anthropic und weiteren Optionen.
Die angekündigte Copilot-„Super-App“ ist dabei mehr als eine neue Benutzeroberfläche. Sie zeigt, dass Microsoft Copilot von einer Sammlung einzelner Funktionen zu einer Plattform entwickeln will, über die Nutzer nicht nur Fragen stellen, sondern ganze Aufgabenketten anstoßen und erledigen lassen. Die Details fehlen noch. Die strategische Richtung ist jedoch eindeutig.