Quellen zufolge verursachte jeder Entwickler, der externe Tools nutzte, Kosten zwischen 500 und 2.000 US-Dollar pro Monat . In dieser Größenordnung ist die Wirtschaftlichkeit der Abhängigkeit von einem externen Anbieter schwer zu rechtfertigen – vor allem, wenn die eigenen Alternativen schnell zur Marktreife gelangen.
Nur wenige Tage vor dem Bloomberg-Interview stellte Microsofts „AI Superintelligence Team“ auf der Entwicklerkonferenz Build 2026 in San Francisco eine Familie von sieben neuen Modellen vor. Die MAI-Reihe umfasst:
Diese Veröffentlichung ist Microsofts bislang aggressivster Vorstoß, um glaubwürdige hauseigene Alternativen zu den Modellen von Anthropic und OpenAI zu schaffen . Suleyman beschrieb die Anstrengung in einem Blogbeitrag als einen Schritt hin zu „langfristiger Selbstversorgung für Microsoft und unsere Partner. Es geht um Modelle, denen Sie vertrauen können“
.
Beim Thema Leistung verspricht Microsoft handfeste Vorteile: Nach einer Feinabstimmung der Modelle für die Unternehmensberatung McKinsey habe man OpenAIs GPT-5.5 bei der Kosteneffizienz um den Faktor zehn übertroffen . Zudem gibt das Unternehmen an, dass das Reasoning-Modell MAI-Thinking-1 bei einem gängigen Programmier-Benchmark mit Anthropics Claude Opus 4.6 mithalten kann – jedoch zu einem deutlich niedrigeren Preis
.
Suleymans Äußerungen zu Anthropic fügen sich nahtlos in eine Reihe von Aussagen ein, die er im vergangenen Jahr getätigt hat. Er hatte seine „persönliche Mission bei Microsoft“ bereits mit dem Aufbau von Superintelligenz und dem Erreichen „wahrer KI-Selbstständigkeit“ beschrieben – ein Ziel, das sich ebenso auf das Verhältnis zu OpenAI wie auf das zu Anthropic bezieht .
In einem separaten Interview mit Semafor räumte Suleyman ein, dass Microsoft in einem Aufholspiel steckt und eigene Frontier-KI-Modelle, maßgeschneiderte Beschleuniger-Chips und leistungsstarke „Harnesse“ (Softwaregerüste) baut, um mit Werkzeugen von Cursor, Anthropic, OpenAI und Google zu konkurrieren. „Wir haben das in sechs Monaten geschafft, was an sich schon eine bemerkenswerte Leistung ist“, sagte er. „Wir sind jetzt Kopf an Kopf mit dem, was noch vor wenigen Monaten der Stand der Technik war“ .
Die finanziellen Mittel hinter dieser Rhetorik sind immens. Microsoft investiert mehr als 80 Milliarden US-Dollar in seine KI-Rechenzentrumsinfrastruktur, einschließlich eigener Beschleuniger-Chips und des Quantenchips Majorana 2. Dies soll es ermöglichen, eigene Modelle in großem Maßstab zu betreiben, anstatt externe Anbieter zu bezahlen . Bereits Anfang 2026 brachte Microsoft ein Spracherkennungsmodell auf den Markt, dessen Preis bei umgerechnet nur 0,33 Euro pro Stunde liegt – ein klares Bekenntnis zur Kostensenkung im gesamten KI-Portfolio
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Trotz der markigen Worte werden die Beziehungen zu den KI-Partnern nicht über Nacht gekappt. Microsoft unterhält weiterhin eine milliardenschwere Foundry-Partnerschaft mit Anthropic, die seinen Kunden weiterhin Zugang zu Claude-Modellen ermöglicht. Die interne Anweisung, von Claude Code auf GitHub Copilot CLI zu wechseln, hat auf dieses breitere Geschäftsverhältnis keine Auswirkungen .
Ähnlich verhält es sich mit OpenAI: Während Microsoft nach mehr Unabhängigkeit strebt, bleiben beide Unternehmen vertraglich aneinander gebunden. CEO Satya Nadella gab bereits zu: „Wir sind übermäßig von OpenAI abhängig“ . Die neue Marschrichtung von Suleyman unterstreicht diese Einschätzung nun auch operativ, doch strukturell laufen die Partnerschaften weiter.
Was sich grundlegend geändert hat, ist die strategische Stoßrichtung. Microsoft gibt sich nicht länger mit der Rolle als Cloud-Plattform zufrieden, über die KI-Modelle anderer Firmen ausgeliefert werden. Das Unternehmen ist nun gewillt, im Spitzenfeld direkt mitzukonkurrieren. Und der KI-Chef des Konzerns hat unmissverständlich klargemacht, dass man die Ausgaben für Anthropic nicht mehr als notwendiges Übel, sondern als einen Posten betrachtet, der von der Ausgabenliste gestrichen werden soll.
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