Linux 7.3-rc2 kommt zu einem Zeitpunkt, der im Kernel-Zyklus üblicherweise eher ruhig ist. Nach dem Merge-Fenster – der Phase, in der größere Änderungen aufgenommen werden – nehmen sich Entwickler bei der zweiten Vorabversion oft erst einmal Zeit, während die ersten Regressionen auftauchen. Dieses Mal war es anders: Linus Torvalds sagte, die Version habe sich für ihn nicht besonders arbeitsreich angefühlt, sei aber eindeutig eine „full fat“-Veröffentlichung – also ungewöhnlich umfangreich.
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Einen einzelnen Grund nannte Torvalds nicht. Ein verspätet eingereichter EDAC-Pull, also Änderungen am Linux-Subsystem zur Fehlererkennung und -korrektur im Speicher, spielte zwar eine Rolle. Nach seiner Einschätzung war er aber zu klein, um das Gesamtvolumen zu erklären. Hinzu kamen Fixes aus mehreren Dateisystemen und ein recht großer DRM-Pull mit vielen verstreuten Korrekturen für den Grafikstack. Sein Satz, man könne dafür wohl auch KI verantwortlich machen, war daher ein Scherz – nicht die Feststellung, dass ein Sprachmodell unmittelbar die Größe von rc2 verursacht hätte.
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Was in Linux 7.3-rc2 steckt
Die Änderungen konzentrieren sich nicht auf eine einzelne kritische Regression, sondern verteilen sich breit über den Kernel. Treiber machen den größten Anteil der Aktualisierung aus. Bei den übrigen Änderungen entfallen rund ein Fünftel auf Werkzeuge; außerdem sind Dateisysteme, Kernel-Kerncode und Netzwerkcode wichtige Bereiche.
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Zu den auffälligen Fixes und Bereinigungen gehören:
- Korrekturen für Cache-bewusste Scheduling-Fehleinstufungen auf hybriden CPUs, die das Leistungsverhalten verbessern sollen.
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- Eine projektweite Umstellung weiterer Speicherallokationen von
kmalloc() auf kmalloc_obj().
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- Display-Fixes im Nouveau-Treiber für NVIDIA-Blackwell-Hardware.
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- Änderungen, durch die die RandStruct-Sicherheitsfunktion standardmäßig deaktiviert wird, wenn Rust-Unterstützung samt Rust-Compiler-Toolchain vorhanden ist.
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- Eine EDAC-Änderung, die das Merge-Fenster für Linux 7.3 verpasst hatte.
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- Gemeldete Härtungen des BPF-Verifiers sowie Korrekturen für Scheduler-Regressionen.
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Gerade diese Mischung erklärt, warum rc2 groß ausfällt, ohne dass es eine simple Ein-Ursachen-Erklärung gibt: Mehrere Subsysteme haben gleichzeitig berechtigte Wartungs- und Fehlerkorrekturen geliefert.
Was der KI-Scherz bedeutet – und was nicht
Der Scherz hat einen realen Hintergrund. Torvalds hatte bereits bei übergroßen Release Candidates spät im Entwicklungszyklus von einer neuen Normalität gesprochen, die mit Prüfungen durch verschiedene KI-Werkzeuge zusammenhängt. Das bedeutet nicht, dass KI alle Patches geschrieben oder jede Änderung ausgelöst hat. Gemeint ist vielmehr die wachsende Zahl von Problemen, die automatisierte Analysewerkzeuge aufspüren und die anschließend von menschlichen Maintainern bewertet und behoben werden müssen.
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Greg Kroah-Hartman, ein zentraler Maintainer der stabilen Linux-Kernelzweige, warnte separat, Linux 7.3 könne ein „rauer“ Entwicklungszyklus werden. KI- und LLM-Aktivität erhöhe den Zufluss von Fehlerberichten und Patch-Vorschlägen. Ein Teil davon sei nützlich, doch Prüfung und Einordnung blieben Arbeit der Kernel-Entwickler – auch bei Meldungen zu altem oder selten verändertem Code.
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Wie groß dieser Aufwand werden kann, zeigt der Sicherheitstrend: Vor dem 7.3-Zyklus hieß es, die Zahl behobener CVEs pro Release sei von etwa 500 bei Linux 6.9 bis 6.19 auf mehr als 1.000 in Linux 7.0 und mehr als 1.500 in Linux 7.2 gestiegen. Linux 7.3 könnte sich bei anhaltendem Trend 2.000 nähern. Das ist eine Prognose, kein endgültiger Wert für 7.3.
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Nach einem schon sehr großen 7.3-rc1
Die arbeitsreiche Woche folgt auf einen bereits überdurchschnittlich großen Linux-7.3-rc1. Code-Statistiken beziffern den Quellbaum auf etwa 40,98 Millionen Zeilen – gegenüber rund 40,42 Millionen Zeilen in Linux 7.2 ein Zuwachs von ungefähr 560.000 Zeilen. Diese Zahl umfasst erkannten Code, Kommentare, Leerzeilen und weitere Inhalte des Quellbaums. Sie steht also nicht für 40,98 Millionen Zeilen ausführbaren Codes.
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Damit startet der Kernel in seine Test- und Fehlerbereinigungsphase, nachdem das Merge-Fenster ein ohnehin riesiges Projekt spürbar erweitert hat.
Könnte die Stabilisierung von Linux 7.3 länger dauern?
Linux 7.3-rc2 ist ein Vorabstand zum Testen und noch kein finaler stabiler Kernel. kernel.org führte 7.3-rc2 am 6. September 2026.
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Ein umfangreicher früher Release Candidate bedeutet für sich genommen nicht, dass sich der Zeitplan verschiebt. Sollten allerdings bis spät im Zyklus viele substanzielle Korrekturen und Regressionen eintreffen, können die Maintainer zusätzliche Release Candidates veröffentlichen. Der Vorteil: Wichtige Fixes erhalten mehr Zeit zum Testen und Stabilisieren. Der Nachteil eines starren Veröffentlichungstermins bei weiterhin hoher Änderungsrate wäre dagegen weniger Raum für diese Validierung.
Für Linux-Nutzer und Distributionen lautet die praktische Einordnung daher nicht, dass Linux 7.3 grundsätzlich unsicher sei. Entscheidend wird sein, ob aus dem hohen Volumen gut getestete Korrekturen werden – oder ob bis zum Ende des Zyklus immer neue Änderungen nachkommen. Der Satz „Schuld ist die KI“ bringt genau diese Spannung auf den Punkt: Automatisierte Analyse kann echte Fehler finden, aber die menschliche Arbeit für Bewertung, Integration und Tests nicht ersetzen.