Bei der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Bangkok hat IWF-Chefin Kristalina Georgieva Künstliche Intelligenz als „langsam heranrollenden Tsunami“ für Arbeitsplätze, Bildung und öffentliche Finanzen beschrieben. Ihre Warnung verband sie mit einem Gegengewicht: Investitionen in KI stützen zugleich das Wirtschaftswachstum. Singapurs Präsident Tharman Shanmugaratnam lenkte den Blick auf den schwieriger werdenden Berufseinstieg für Hochschulabsolventen. Weltbank-Präsident Ajay Banga hob hervor, wie praktische KI-Anwendungen die Produktivität steigern könnten.
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Was die IWF-Schätzung zu Jobs aussagt – und was nicht
Der IWF schätzt, dass KI langfristig etwa 40 Prozent der Jobs weltweit betreffen könnte. Gemeint sind Tätigkeiten, die durch KI unterstützt, abgewertet oder ganz verdrängt werden könnten. Das bedeutet nicht, dass vier von zehn Arbeitsplätzen zwangsläufig verschwinden. Georgieva nannte für fortgeschrittene Volkswirtschaften einen Anteil von rund 60 Prozent, für Länder mit niedrigem Einkommen von 23 Prozent.
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Der niedrigere Wert ist kein Schutzversprechen. Einer der Berichte erklärt ihn mit der langsameren Verbreitung von KI in ärmeren Volkswirtschaften – nicht damit, dass diese Länder von den Folgen der Technologie verschont blieben. Die Prozentzahlen beschreiben, wie viele Jobs betroffen sein könnten, nicht wie gut ein Land auf den Wandel vorbereitet ist.
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Warum der Berufseinstieg für Absolventen zum Problem wird
Shanmugaratnam warnte, dass die erste Sprosse der Karriereleiter unter Druck gerät: Unternehmen stellen weniger Berufseinsteiger ein.
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28 KI übernimmt bereits Routine- und Wiederholungsaufgaben, die häufig zu Einstiegsjobs gehören. Zugleich entstehen teils schlechter bezahlte Tätigkeiten, etwa im Baugewerbe. Georgieva mahnte, dies sei für sich genommen kein beruhigender Ersatz für die wegfallenden Chancen.
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Laut Berichten zu Shanmugaratnams Äußerungen verwies er außerdem auf eine schwächere Nachfrage nach Hochschulabsolventen in den USA und auf den schrumpfenden Gehaltsvorsprung von Akademikern gegenüber Menschen ohne Hochschulabschluss.
26 Es geht also nicht nur darum, ob neue Stellen entstehen. Entscheidend ist auch, ob junge Menschen die erste Berufserfahrung sammeln können, auf der sie Fähigkeiten und eine Laufbahn aufbauen. Ein verspäteter Einstieg könne ihnen Zeit für den Erwerb solcher Fähigkeiten kosten; ein weiterer Bericht zitierte Shanmugaratnam mit der Warnung, anhaltende Unsicherheit könne das Vertrauen in die Zukunft erschüttern.
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Was Politik und Hochschulen tun könnten
Shanmugaratnam sprach sich dafür aus, dass Regierungen gemeinsam mit privaten Arbeitgebern die Einstellung von Absolventen fördern. Dazu könnten Beschäftigungsprogramme gehören, die sich an Unterstützungsmaßnahmen aus früheren Krisen orientieren.
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13 Außerdem plädierte er für engere Verbindungen zwischen Studium und Arbeitswelt – etwa durch Praktika, duale beziehungsweise praxisintegrierte Studienangebote und andere Formen des Lernens am Arbeitsplatz.
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Banga machte auf die Größenordnung der Herausforderung aufmerksam: Laut einem CNBC-Bericht verwies er auf 1,2 Milliarden junge Menschen, die in den kommenden 15 Jahren erwachsen werden, und rief dazu auf, privates Kapital für die Schaffung von Arbeitsplätzen zu mobilisieren.
10 Neue Jobs zu schaffen, ist damit eine gemeinsame Aufgabe von Politik und Unternehmen – sie lässt sich nicht allein dadurch lösen, dass Beschäftigte den Umgang mit neuen Werkzeugen lernen.
Wachstumsschub durch KI – und die Frage nach den Steuereinnahmen
Georgieva warnte, KI könne die öffentlichen Finanzen unter Druck setzen, wenn Einkommen sich von Arbeit hin zu Kapital verlagert und dadurch die Steuerbasis schrumpft.
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15 Gleichzeitig trugen Investitionen in KI-Infrastruktur laut Berichten über ihre Äußerungen dazu bei, das weltweite Wachstum bei rund drei Prozent zu halten.
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Für Asien nannte sie mögliche zusätzliche Wachstumsimpulse: Durch den Einsatz von KI könnte das Wachstum in fortgeschrittenen asiatischen Volkswirtschaften um 0,5 bis 1 Prozentpunkt und in aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften um 0,2 bis 0,8 Prozentpunkte steigen. Das sind mögliche Zugewinne, keine garantierten Ergebnisse.
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22 KI könnte außerdem einen Teil der wirtschaftlichen Belastung ausgleichen, die mit der alternden Bevölkerung in Asien verbunden ist.
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Für Entwicklungsländer setzte Banga auf „Small AI“: praktische Anwendungen etwa für Landwirtschaft, Gesundheitsversorgung und Bildung, statt eines direkten Wettlaufs um die größten KI-Modelle.
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Produktivität allein ist noch keine Beschäftigungsstrategie
Die Aussagen der Vertreter markieren eine politische Lücke: KI kann die Produktivität steigern und das Wachstum stützen. Daraus entstehen jedoch nicht automatisch zugängliche Einstiegsjobs, und auch die Staatseinnahmen sind dadurch nicht automatisch gesichert. Die vorgeschlagene Antwort setzt deshalb an mehreren Stellen an: Unternehmen sollen junge Menschen einstellen, Bildung soll stärker mit der Arbeitswelt verbunden werden, und die Steuerpolitik muss auf Verschiebungen bei Einkommen reagieren.
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