Seit dem 4. November 2026 können Nutzerinnen und Nutzer auf nyitottaktak.hu nach Namen in Unterlagen der ungarischen Staatssicherheit aus der kommunistischen Zeit suchen. Die erste Veröffentlichung macht nach Schätzungen rund 50.000 bis 60.000 Namen zugänglich. Doch die Datenbank ist keine geprüfte Liste von Informanten: Sie enthält auch Menschen, die für eine Anwerbung vorgesehen oder angesprochen wurden. Ein Name allein belegt keine Zusammenarbeit.
7
14
15
Was die erste Freigabe enthält
Veröffentlicht wurden mehrere Arten von Unterlagen: darunter sogenannte „6-os-Kartonok“ – Karteikarten zur Erfassung von Personen im Umfeld des Sicherheitsapparats –, B-Register und Daten, die von Magnetbändern rekonstruiert wurden. Es handelt sich nicht um vollständige, erzählende Dossiers zu jeder erfassten Person.
7
14
50
Die Einträge können persönliche und anwerbungsbezogene Angaben enthalten. Dazu zählen laut Berichten etwa Name, Deckname, Geburtsdatum, Adresse und der Name der Mutter. Auch der dokumentierte Grund für eine Anwerbung kann vermerkt sein – etwa, ob sie freiwillig erfolgte oder mit Druck beziehungsweise Erpressung verbunden war. Die Suche ist unter anderem nach Name, Geburtsdatum und -ort oder Deckname möglich.
1
8
9
Entscheidend ist, was ein Treffer nicht automatisch aussagt: Manche Personen wurden lediglich als mögliche Rekrutinnen oder Rekruten erfasst. Ihre Nennung beweist nicht, dass sie zugestimmt oder aktiv für den Geheimdienst gearbeitet haben.
7
15
49
Was sich beim Zugang geändert hat
Der Zugang zu den Unterlagen war zuvor deutlich eingeschränkter. Ungarische Bürgerinnen und Bürger konnten ihre eigenen Akten einsehen; 2003 wurden die Möglichkeiten erweitert. Die Namen von Informanten waren jedoch nicht allgemein online recherchierbar. Andere Berichte verweisen darauf, dass Namen geschwärzt und Akten zurückgehalten wurden.
46
55
Die neue Datenbank ermöglicht nun eine öffentliche Online-Suche, statt den Zugang auf die eigene Akte oder auf Forschung unter früheren Beschränkungen zu begrenzen. Die Regierung von Péter Magyar stellte die Öffnung als Wahlversprechen und als überfälligen Schritt im Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit dar.
34
45
46
Auch der Zeitpunkt war bewusst gewählt: Der Start fiel auf den 70. Jahrestag der Niederschlagung des ungarischen Aufstands von 1956 durch die Sowjetunion. Magyar kündigte die Veröffentlichung für 9.30 Uhr an und stellte sie in diesen historischen Zusammenhang.
16
49
Weitere Akten und geschützte Angaben
Die Veröffentlichung erfolgt schrittweise. Bis zum 25. Februar 2027 sollen weitere Anwerbungsdossiers hinzukommen; in Berichten ist von rund 9.000 Akten die Rede. Sie könnten zusätzliche Einzelheiten zu den jeweiligen Anwerbungsfällen enthalten.
2
15
50
Besonders sensible persönliche Angaben sollen geschwärzt werden. Genannt werden etwa Informationen zu Gesundheit, Suchterkrankungen und sexueller Orientierung. Die Regierung hat außerdem angekündigt, Hotlines mit emotionaler Unterstützung und Beratung für Betroffene einzurichten.
1
40
50
Warum die Akten kein abschließendes Urteil erlauben
Das Archiv bildet die Vergangenheit nicht vollständig ab. Berichte und Einschätzungen zum Bestand warnen, dass viele Unterlagen lückenhaft sind und ihren Inhalt nicht in jedem Fall zuverlässig wiedergeben.
20
43 Ein Suchtreffer kann zeigen, dass die Staatssicherheit eine Person erfasste oder in Betracht zog. Er klärt für sich genommen aber weder die Umstände noch eine tatsächliche Zusammenarbeit.
Damit stehen zwei Anliegen nebeneinander: lange schwer zugängliche Unterlagen öffentlich zu machen und zugleich vorschnelle Urteile über einzelne Menschen und ihre Familien zu vermeiden. Magyar bat die Öffentlichkeit, die freigegebenen Akten mit „Würde und Menschlichkeit“ zu behandeln.
7
20
Das neue Archiv eröffnet einen anderen Zugang zum Staatssicherheitsapparat der kommunistischen Zeit. Es kann zeigen, wen die Behörden erfassten und was sie dokumentierten – doch jeder einzelne Eintrag muss im Zusammenhang gelesen werden, nicht als fertiges Urteil.