Die Phase-3-Studie TRIUMPH-2 untersuchte Retatrutid bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht oder Adipositas. Nach 80 Wochen zeigte sich mit der höchsten untersuchten Dosis ein deutlicher Gewichtsverlust und eine bessere Blutzuckerkontrolle. Die Ergebnisse zu Herz-Kreislauf-Risikofaktoren sind dagegen kein Nachweis dafür, dass das Medikament Herzinfarkte oder Schlaganfälle verhindert.
4
5
8
Was die Studie nach 80 Wochen ergab
Die Teilnehmenden erhielten Retatrutid einmal wöchentlich. Mit 12 mg sank das Körpergewicht im Mittel um 49,6 Pfund (rund 22,5 kg) beziehungsweise 20,8 Prozent des Ausgangsgewichts. Unter Placebo waren es 4,0 Prozent. Bei den Dosen von 4 mg und 9 mg lag der durchschnittliche Gewichtsverlust bei 12,7 beziehungsweise 19,1 Prozent.
8
Besonders ausgeprägt waren die Ergebnisse bei Teilnehmenden, deren BMI zu Studienbeginn mindestens 35 betrug: In der 12-mg-Gruppe verloren sie durchschnittlich 60,8 Pfund (rund 27,6 kg), entsprechend 23,4 Prozent ihres Körpergewichts. Am Studienende erfüllten 59,5 Prozent der Teilnehmenden dieser Dosisgruppe nicht mehr die BMI-Kriterien für Adipositas.
5
Auch die Blutzuckerwerte verbesserten sich. Der HbA1c-Wert – ein Maß für den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen Monate – sank mit Retatrutid um bis zu durchschnittlich 1,6 Prozentpunkte.
19
Risikofaktoren verbesserten sich – ein Schutz vor Herzereignissen ist nicht belegt
Die berichteten Ergebnisse umfassten günstige Veränderungen bei Risikofaktoren wie Blutdruck und Blutfetten. Solche Messwerte geben Hinweise auf die kardiometabolische Gesundheit, belegen aber nicht, dass Retatrutid Herzinfarkte, Schlaganfälle oder kardiovaskuläre Todesfälle verringert.
34
37
Retatrutid aktiviert drei Hormonrezeptoren: GLP-1, GIP und Glukagon. Semaglutid wirkt auf den GLP-1-Rezeptor, Tirzepatid auf GLP-1- und GIP-Rezeptoren. TRIUMPH-2 verglich Retatrutid jedoch mit Placebo und war keine direkte Vergleichsstudie mit Semaglutid oder Tirzepatid. Die Gewichtsverlustwerte aus dieser Studie zeigen daher nicht, dass Retatrutid einem der beiden Medikamente überlegen ist.
3
4
8
Nebenwirkungen und Abbrüche
Zu den am häufigsten berichteten Nebenwirkungen gehörten Beschwerden des Magen-Darm-Trakts, darunter Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
9
Wegen unerwünschter Ereignisse brachen 3,8 Prozent der Teilnehmenden in der 4-mg-Gruppe, 11,6 Prozent in der 9-mg-Gruppe und 7,7 Prozent in der 12-mg-Gruppe die Behandlung ab. In der Placebogruppe waren es 4,9 Prozent.
6
Nächste Schritte und offene Fragen
Der Hersteller Lilly plant, im ersten Quartal 2027 einen Biologics License Application (BLA) bei der US-Arzneimittelbehörde FDA einzureichen. TRIUMPH-2 ist Teil eines größeren Phase-3-Studienprogramms zu Retatrutid. Das Mittel ist weiterhin ein Prüfpräparat und nicht für die reguläre Behandlung zugelassen.
1
12
38
Die verfügbaren Quellen nennen keinen konkreten Lilly-Plan für rechtliche oder behördliche Schritte gegen nicht autorisierte Nachahmerprodukte. Die Studienergebnisse beziehen sich auf das in klinischen Studien untersuchte Präparat und lassen sich nicht ohne Weiteres auf außerhalb des Studienprogramms angebotene Produkte übertragen.