Olli Rehn zufolge bleiben Lohnwachstum und Lohnausblick im Euroraum moderat; klare Anzeichen für Zweitrundeneffekte gibt es bislang nicht. Die EZB dürfte datenabhängig entscheiden: Entlastung bei Löhnen und Inflationserwartungen spricht für Geduld, anhaltender Energiedruck für eine straffere Geldpolitik.
Forschungsantwort

Create a landscape editorial hero image for this Studio Global article: What did ECB policymaker and Bank of Finland Governor Olli Rehn say about moderate eurozone wage growth, the absence of clear second-round e. Article summary: Rehn’s message is cautiously reassuring on domestic inflation: euro-area wage growth remains moderate and there is no clear evidence that the energy shock has produced broad second-round wage-and-price effects. But the U. Topic tags: general, government, news, general web. Style: premium digital editorial illustration, source-backed research mood, clean composition, high detail, modern web publication hero. Use reference image context only for broad subject, composition, and topical grounding; do not copy the exact image. Avoid: logos, brand marks, copyrighted characters, real person likenesses, fake screenshots, UI text, readable text, watermarks, charts with
Die jüngste Botschaft von Olli Rehn klingt vorsichtig beruhigend: Das Lohnwachstum im Euroraum und sein Ausblick bleiben moderat. Zugleich sieht der EZB-Ratspolitiker keine klaren Hinweise darauf, dass die höheren Energiekosten bereits breite Zweitrundeneffekte bei Löhnen und Preisen ausgelöst haben. Entwarnung bedeutet das jedoch nicht. Rehn betonte, dass die Inflationserwartungen verankert bleiben müssen – gerade weil der anhaltende Konflikt zwischen den USA und Iran rund um die Straße von Hormus den Energie- und Inflationsausblick für Europa ungewöhnlich unsicher macht.
Rehn, Gouverneur der finnischen Zentralbank und Mitglied des EZB-Rats, erklärte, das Lohnwachstum sei bislang moderat geblieben. Klare Anzeichen für sogenannte Zweitrundeneffekte gebe es nicht. Gemeint ist damit, dass ein ursprünglicher Energieschock über höhere Lohnforderungen, steigende Unternehmenskosten und eine breitere Preissetzung in der gesamten Wirtschaft weitergegeben wird.
Entscheidend sind dabei die Inflationserwartungen. Wenn Haushalte und Unternehmen dauerhaft mit hoher Inflation rechnen, könnten Beschäftigte größere Lohnsteigerungen verlangen und Unternehmen ihre Preise länger und stärker anheben. Bleiben die Erwartungen dagegen verankert, sinkt das Risiko, dass sich ein vorübergehender Energieschock zu einer sich selbst verstärkenden Lohn-Preis-Spirale entwickelt.
Die verfügbaren Lohndaten der EZB passen zu diesem vergleichsweise begrenzten Bild. Der EZB-Lohntracker lag im April bei 2,6 Prozent. Zugleich wurde erwartet, dass der Druck durch neu ausgehandelte Tariflöhne in der ersten Hälfte des Jahres 2026 nachlässt und sich im Jahresverlauf auf niedrigerem Niveau stabilisiert.
Die moderaten Lohndaten beschreiben vor allem die Lage bis jetzt – nicht unbedingt das, was bei länger anhaltenden Energieunterbrechungen bevorsteht. An den Märkten wird zunehmend eingepreist, dass Einschränkungen für die Schifffahrt durch die Straße von Hormus länger dauern könnten. Gleichzeitig sind die Hoffnungen auf einen diplomatischen Durchbruch zwischen Washington und Teheran gesunken. Das hält eine geopolitische Risikoprämie in den Energiepreisen und verschärft die Sorgen um das Angebot.
Die EZB hat den mit dem Iran-Krieg verbundenen Energieschock als Faktor beschrieben, der die Inflation im Euroraum erhöhen und zugleich das Wirtschaftswachstum schwächen könnte. Die Projektionen der EZB-Mitarbeiter deuteten außerdem auf dauerhaft höhere Ölpreise, ein geringeres Wachstum und eine höhere Inflation hin, falls die Meerenge nur schrittweise wieder geöffnet würde.
Für die Geldpolitik entsteht damit ein schwieriger Zielkonflikt: Höhere Energiepreise treiben die Inflation nach oben. Der damit verbundene Kaufkraftverlust, steigende Produktionskosten und mögliche Lieferprobleme können jedoch Nachfrage und Wachstum bremsen. Die zentrale Frage für die EZB lautet deshalb, ob der Schock auf Energiepreise beschränkt bleibt oder auf Löhne, Dienstleistungen und längerfristige Inflationserwartungen übergreift.
Rehns Äußerungen sprechen gegen einen bereits festgelegten geldpolitischen Kurs. Die EZB dürfte vor ihrer Entscheidung am 10. September vor allem zwei Entwicklungen gegeneinander abwägen:
Die EZB-Umfrage unter professionellen Prognostikern zeigte, dass die Erwartungen für die Gesamt- und Kerninflation im zweiten Quartal 2026 für die nähere Zukunft nach oben korrigiert wurden. Die längerfristigen Erwartungen für die Gesamtinflation blieben dagegen unverändert. Das unterstreicht den Unterschied zwischen einem vorübergehenden kurzfristigen Schock und einem gefährlicheren Vertrauensverlust bei der mittelfristigen Preisstabilität.
Für die Entscheidung zählt daher weniger der Anstieg der Energiepreise allein als dessen Dauerhaftigkeit. Die Währungshüter dürften auf Tarifabschlüsse, die Dienstleistungsinflation, die Inflationserwartungen und darauf achten, ob Unternehmen ihre höheren Kosten zunehmend an Kunden weitergeben.
Auch für den Wechselkurs ist das Bild zweigeteilt. Sollten die Märkte zu dem Schluss kommen, dass eine anhaltende Energieinflation die EZB zu länger hohen Zinsen zwingt, könnten steigende Zinserwartungen im Euroraum den Euro stützen.
Eine länger andauernde Störung rund um Hormus würde jedoch zugleich Europas Energiekosten erhöhen und den Wachstumsausblick verschlechtern. Wenn Anleger stärker auf die schwächere europäische Konjunktur und die geopolitischen Risiken als auf mögliche EZB-Zinserhöhungen fokussieren, könnte die Nachfrage nach dem US-Dollar zunehmen und den EUR/USD belasten. Marktanalysen haben diesen Zielkonflikt hervorgehoben: Selbst wenn höhere Energiepreise die Erwartungen an eine weitere EZB-Zinserhöhung stärken, könnte der Wachstumsschock für den Euro letztlich wichtiger sein.
Ausgehend von einem Niveau knapp über 1,1600 entscheidet sich die Richtung des Währungspaars damit vor allem an der Interpretation des Schocks. Wird er primär als Inflationsproblem betrachtet, das eine straffere EZB-Politik erfordert, könnte der Euro profitieren. Wird er dagegen als größerer Belastungsfaktor für Europas Außenhandel und Wachstum gesehen, dürfte der Dollar im Vorteil sein.
Rehns Aussagen lassen beide Szenarien offen. Sie machen aber eine Bedingung besonders deutlich: Moderates Lohnwachstum bleibt nur so lange beruhigend, wie die Inflationserwartungen verankert bleiben.
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Olli Rehn zufolge bleiben Lohnwachstum und Lohnausblick im Euroraum moderat; klare Anzeichen für Zweitrundeneffekte gibt es bislang nicht.
Olli Rehn zufolge bleiben Lohnwachstum und Lohnausblick im Euroraum moderat; klare Anzeichen für Zweitrundeneffekte gibt es bislang nicht. Die EZB dürfte datenabhängig entscheiden: Entlastung bei Löhnen und Inflationserwartungen spricht für Geduld, anhaltender Energiedruck für eine straffere Geldpolitik.
Beim EUR/USD wirken gegenläufige Kräfte: Höhere EZB Zinserwartungen könnten den Euro stützen, während Wachstumssorgen und Risikoaversion den Dollar begünstigen könnten.