Die Verteidigungsausgaben der EU Mitgliedstaaten stiegen von rund 218 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 418 Milliarden Euro im Jahr 2025 – das entspricht 2,2 Prozent des EU BIP. Das EZB Modell veranschlagt den durchschnittlichen Ausgabenmultiplikator über zwei Jahre auf 0,93 – ein positiver, aber keineswegs garantier...
Forschungsantwort

Create a landscape editorial hero image for this Studio Global article: What did ECB Chief Economist Philip R. Lane warn about the eurozone-wide macroeconomic, fiscal, inflationary and monetary-policy consequence. Article summary: Lane’s warning was not that higher defence spending is necessarily harmful, but that it is a large, uncertain and uneven fiscal shock: it can raise euro-area output in the short run, while also straining capacity, adding. Topic tags: general, government, general web, user generated. Style: premium digital editorial illustration, source-backed research mood, clean composition, high detail, modern web publication hero. Use reference image context only for broad subject, composition, and topical grounding; do not copy the exact image. Avoid: logos, brand marks, copyrighted characters, real person likenesses, fake screenshots, UI text, readable text, watermarks, ch
Die wirtschaftliche Botschaft hinter Europas schnellem Ausbau der Verteidigungsfähigkeit ist kein einfacher Wachstumserfolg, sondern ein Abwägungsproblem. Die Verteidigungsausgaben der EU-Mitgliedstaaten stiegen von rund 218 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 418 Milliarden Euro im Jahr 2025. Das entsprach 2,2 Prozent des EU-Bruttoinlandsprodukts.
Analysen der Europäischen Zentralbank (EZB) kommen zu dem Schluss, dass höhere staatliche Ausgaben die Wirtschaftsleistung im Euroraum zunächst stützen dürften. Wie stark dieser Effekt ausfällt, wann er einsetzt und wie er sich auf die einzelnen Länder verteilt, bleibt jedoch unsicher.
Rüstungsaufträge können die Nachfrage nach Fabriken, Ingenieurinnen und Ingenieuren, Technologie sowie spezialisierten Gütern erhöhen. Wo noch freie Kapazitäten vorhanden sind, kann das die Produktion kurzfristig ankurbeln.
Ein schneller und gleichzeitiger Ausbau in vielen Ländern kann jedoch auch mit privaten Investitionen und dem Konsum um Arbeitskräfte, Rohstoffe, Energie und Produktionskapazitäten konkurrieren. Wenn das Angebot langsamer wächst als die Nachfrage, führt derselbe staatliche Impuls zu weniger zusätzlicher realer Produktion – und zu mehr Druck auf Preise und Löhne.
Deshalb betrachtet die EZB die Inflationswirkung nicht als feststehendes Ergebnis, sondern als Risiko, das beobachtet werden muss.
In einer EZB-Analyse liegt der durchschnittliche Ausgabenmultiplikator staatlicher Ausgaben über einen Zeitraum von zwei Jahren bei 0,93. Vereinfacht gesagt: Der geschätzte Effekt auf die Wirtschaftsleistung liegt damit nahe an einem Eins-zu-eins-Verhältnis, ist aber nicht exakt gleich groß. Außerdem betont die EZB die erheblichen Unterschiede zwischen den verwendeten Modellen.
Das ist eine wichtige Einschränkung. Ein Multiplikator nahe eins beschreibt die Reaktion der Wirtschaftsleistung innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Er bedeutet nicht, dass jeder ausgegebene Euro dauerhaft einen entsprechenden Zuwachs des Wohlstands erzeugt.
Entscheidend sind unter anderem das Tempo der Ausgaben, die konjunkturelle Lage, die Art der gekauften Ausrüstung und die Frage, ob die Produktion innerhalb Europas oder im Ausland stattfindet.
Die jüngsten Projektionen des Eurosystems berücksichtigen fiskalische Impulse für Verteidigung und Infrastruktur als Unterstützung für das Wachstum im Euroraum. Ihre Wirkung soll sich im Verlauf des Prognosezeitraums verstärken. Frühere EZB-Analysen kamen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass neue Verteidigungsmaßnahmen das Wachstum 2026 und 2027 stützen dürften, während der Basiseffekt auf die Inflation zunächst begrenzt bleiben sollte.
Für die Geldpolitik zählt nicht allein, welche Summen Regierungen ankündigen. Entscheidend ist, wie die tatsächlichen Ausgaben Nachfrage, Angebot und die Dauer des Inflationsdrucks beeinflussen.
Ein schrittweiser Anstieg der Verteidigungsausgaben kann vergleichsweise geringe Preiswirkungen haben, wenn Unternehmen ihre Produktion ausweiten können und Arbeitskräfte in die gefragten Branchen wechseln. Ein plötzlicher Beschaffungsschub könnte dagegen Engpässe bei Fachkräften, Ingenieursleistungen, Spezialmaterialien und industriellen Vorprodukten sichtbar machen.
Daraus ergeben sich zwei wichtige Wirkungskanäle für die Geldpolitik:
Die EZB-Modelle zeigen in den untersuchten Szenarien einen positiven Effekt auf die Wirtschaftsleistung und im Durchschnitt nur einen moderaten Einfluss auf die Inflation. Zugleich weisen sie auf erhebliche Unsicherheiten hin.
Die EZB kann deshalb nicht mechanisch auf ein neues Verteidigungsziel reagieren. Sie muss verfolgen, wann die Mittel tatsächlich abfließen, wo Kapazitätsengpässe entstehen und wie sich die Inflation entwickelt.
Ein gemeinsames europäisches Verteidigungsprogramm kann die öffentlichen Finanzen der einzelnen Länder sehr unterschiedlich belasten. Staaten mit solideren Haushalten können ihre Ausgaben möglicherweise erhöhen, ohne andere Prioritäten sofort zurückstellen zu müssen. Hoch verschuldete Länder oder Staaten mit geringem finanzpolitischem Spielraum stehen dagegen vor einem schärferen Zielkonflikt zwischen Verteidigung, zivilen Investitionen, öffentlichen Leistungen und Schuldentragfähigkeit.
Eine EZB-Analyse betrachtet ein Szenario, in dem die Verteidigungsausgaben im Euroraum von etwa 2 Prozent des BIP auf 3,5 Prozent im Jahr 2029 steigen. Dies entspräche in diesem Szenario einer fiskalischen Lockerung von rund 1,8 Prozent des BIP bis 2029. Dabei handelt es sich um eine Annahme für den Euroraum insgesamt – nicht um eine Prognose, dass jedes Mitgliedsland denselben Weg einschlägt oder mit denselben Folgen rechnen muss.
Auch die Finanzierung verändert die Wirkung des Ausgabenschubs:
Diese Mechanismen sind keine Garantien. Ihre Wirkung hängt vom Zeitpunkt der Zahlungen, der Glaubwürdigkeit der Haushaltspläne und der Reaktion der Finanzmärkte ab.
Der wirtschaftliche Effekt für Europa fällt größer aus, wenn europäische Unternehmen die Ausrüstung und Dienstleistungen liefern. Laut dem Finanzstabilitätsbericht der EZB würde eine Beschaffung von Verteidigungsgütern innerhalb der EU einen höheren fiskalischen Multiplikator bedeuten.
Werden Aufträge dagegen bei Anbietern außerhalb Europas vergeben, fließt ein Teil der zusätzlichen Nachfrage ins Ausland. Das kann militärisch sinnvoll sein, schwächt aber den unmittelbaren Impuls für die europäische Produktion und begrenzt den Aufbau eigener industrieller Kapazitäten.
Gemeinsame Beschaffung, kompatible Systeme und der Ausbau europäischer Produktionskapazitäten könnten daher sowohl den strategischen als auch den wirtschaftlichen Nutzen erhöhen. Automatisch entsteht dieser Vorteil jedoch nicht. Er hängt davon ab, ob Regierungen Doppelstrukturen vermeiden, Investitionen wirksam steuern und die Kapazitäten schnell genug ausbauen.
Forschung und Entwicklung im Verteidigungsbereich können breitere Produktivitätsgewinne hervorbringen, wenn neue Technologien später auch in zivilen Anwendungen eingesetzt werden. Die EZB verweist zudem auf den hohen öffentlichen Finanzierungsbedarf, der gleichzeitig für Verteidigung sowie für Europas grüne und digitale Transformation entsteht.
Solche möglichen Spillover-Effekte dürfen jedoch nicht als garantierte Rendite von Militärausgaben verstanden werden. Sie hängen von der Qualität der Beschaffung, dem Wissenstransfer, der Nutzung durch private Unternehmen und davon ab, ob Verteidigungsinvestitionen zivile produktive Projekte ergänzen oder verdrängen.
Die Botschaft der EZB lässt sich am besten als vorsichtiger Optimismus zusammenfassen. Europas Verteidigungsaufbau kann die Wirtschaftsleistung im Euroraum stützen. Die aktuellen Modellrechnungen setzen den durchschnittlichen staatlichen Ausgabenmultiplikator über zwei Jahre bei knapp eins an.
Weniger günstig fällt die Bilanz aus, wenn die Ausgaben schneller steigen, als das Angebot reagieren kann, wenn ein großer Teil der Aufträge ins Ausland geht oder wenn der Schuldendruck andere Investitionen einschränkt.
Für die Geldpolitik sind deshalb vor allem drei Punkte entscheidend: das Tempo, die Zusammensetzung und die Weitergabe der Ausgaben an Preise und Löhne. Die Regierungen stehen vor der Aufgabe, ihre Verteidigungsfähigkeit zu stärken, ohne aus einer sicherheitspolitisch notwendigen Reaktion einen unkontrollierten Nachfrageschock oder eine neue Quelle fiskalischer Ungleichgewichte in Europa werden zu lassen.
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Die Verteidigungsausgaben der EU Mitgliedstaaten stiegen von rund 218 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 418 Milliarden Euro im Jahr 2025 – das entspricht 2,2 Prozent des EU BIP.
Die Verteidigungsausgaben der EU Mitgliedstaaten stiegen von rund 218 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 418 Milliarden Euro im Jahr 2025 – das entspricht 2,2 Prozent des EU BIP. Das EZB Modell veranschlagt den durchschnittlichen Ausgabenmultiplikator über zwei Jahre auf 0,93 – ein positiver, aber keineswegs garantierter Eins zu eins Effekt.
Wie groß der wirtschaftliche Nutzen ausfällt, hängt unter anderem von der Finanzierung, dem Tempo der Ausgaben und dem Anteil europäischer Beschaffung ab.