Weitere europäische Halbleiterunternehmen wie Infineon Technologies oder ASM International wurden im positiven Branchenausblick ebenfalls erwähnt, allerdings ohne öffentlich bestätigte neue Kurszielniveaus in den verfügbaren Berichten.
In einem umfassenderen Branchenbericht identifizierten Analysten der Deutschen Bank sechs strukturelle Trends, die den europäischen Technologie‑ und Halbleitersektor in den kommenden Jahren prägen dürften.
Bei DRAM‑ und NAND‑Speicherchips hat sich das Angebot deutlich verengt. Die Spotpreise für DRAM sind innerhalb kurzer Zeit stark gestiegen, während auch NAND‑Flash‑Preise deutlich zulegten. Die Analysten erwarten, dass diese Knappheit bis mindestens 2027 anhalten könnte – ein Umfeld, das die Profitabilität vieler Halbleiterfirmen verbessert.
Der Boom rund um künstliche Intelligenz betrifft nicht nur High‑End‑GPUs. Auch Netzwerktechnik, Speicherchips und andere Komponenten werden stärker nachgefragt. Dadurch entstehen Engpässe bei sogenannten Mainstream‑Halbleitern, die in vielen Elektronik‑ und Rechenzentrumsanwendungen eingesetzt werden.
Mit der rasanten Expansion von KI‑Rechenzentren steigt der Bedarf an schnelleren Datenverbindungen. Optische Technologien und Photonik‑Komponenten werden deshalb zunehmend wichtiger, um hohe Bandbreiten und energieeffiziente Interconnects zu ermöglichen.
Da klassische Chip‑Miniaturisierung an physikalische Grenzen stößt, investieren Hersteller stärker in fortschrittliche Packaging‑Technologien. Verfahren wie Hybrid Bonding ermöglichen leistungsfähigere Chip‑Stacks und komplexere Designs – ein Bereich, von dem Ausrüstungshersteller wie BESI besonders profitieren könnten.
Im Automobilsektor, vor allem bei Elektrofahrzeugen, setzt sich zunehmend eine 800‑Volt‑Leistungsarchitektur durch. Diese erfordert modernere Leistungshalbleiter und stärkt die Nachfrage nach spezialisierten Komponenten für Energie‑ und Antriebselektronik.
Während die erste Welle der KI vor allem große Cloud‑Rechenzentren betraf, erwarten Analysten eine zweite Phase: Edge‑AI. Dabei werden KI‑Funktionen direkt in Geräte, Fahrzeuge oder industrielle Systeme integriert, was die Nachfrage nach Halbleitern breiter über viele Branchen verteilt.
Die Kombination aus steigender KI‑Nachfrage, höheren Speicherpreisen und zunehmender technologischer Komplexität führt laut Deutsche Bank zu besseren Aussichten entlang der gesamten Halbleiter‑Wertschöpfungskette. Ausrüstungshersteller profitieren von steigenden Investitionen der Chipindustrie, während Chipproduzenten von stärkerer Nachfrage und möglicher Preissetzungsmacht profitieren.
Für europäische Branchenführer wie ASML, STMicroelectronics und BE Semiconductor Industries könnte dies mehr Planungssicherheit beim Umsatz sowie eine schrittweise Erholung der Margen bedeuten – insbesondere, wenn sich der Halbleiterzyklus in Richtung 2027 weiter verbessert.
Gleichzeitig betonen Analysten, dass der Aufschwung innerhalb des Sektors unterschiedlich ausfallen dürfte. Nicht jedes Unternehmen wird gleichermaßen profitieren. Dennoch deutet der jüngste Research‑Ton der Deutschen Bank klar darauf hin, dass strukturelle Trends rund um KI‑Infrastruktur, Packaging‑Technologien und Speicherknappheit ein zunehmend unterstützendes Umfeld für Europas Chipindustrie schaffen.
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