Im Mittelpunkt seiner Botschaft stand jedoch die strategische Logik einer engeren Zusammenarbeit. Polen liegt im Zentrum Europas und ist Teil des Binnenmarkts der Europäischen Union – eines der größten Wirtschaftsgebiete der Welt. Für taiwanische Unternehmen kann das Land deshalb als praktischer Einstiegspunkt in europäische Lieferketten dienen.
Umgekehrt verfügt Taiwan über eine hochentwickelte Technologie‑ und Halbleiterindustrie und ist eng in ostasiatische Produktionsnetzwerke eingebunden. Für polnische Unternehmen kann die Insel daher als Plattform für den Markteintritt in Asien fungieren.
Aus diesen komplementären Stärken folge, so Chiang, dass beide Länder „wichtige Tore“ füreinander sein könnten: Polen für Europa und Taiwan für Asien. Parlamentarische Kontakte könnten dabei helfen, wirtschaftliche und technologische Kooperation weiter zu vertiefen.
Das Treffen steht exemplarisch für eine breitere Entwicklung: In den vergangenen Jahren haben parlamentarische Delegationsreisen zwischen Taiwan und europäischen Partnern zugenommen.
Solche Kontakte gelten als wichtiger Kanal, um konkrete Projekte in Bereichen wie Technologie, Investitionen und Industriepolitik vorzubereiten. Laut Chiang können regelmäßige Gespräche zwischen Abgeordneten dazu beitragen, bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen, Forschungsinstitutionen und Investoren auf beiden Seiten zu schaffen. Gleichzeitig stärken sie die politische Annäherung zwischen Taiwan und vielen europäischen Demokratien.
Dass sich die Beziehungen nicht nur auf symbolische Diplomatie beschränken, zeigen auch jüngste Wirtschaftsinitiativen.
Ende Juni und Anfang Juli 2025 entsandte Polen seine bislang größte Wirtschaftsdelegation nach Taiwan. Die Mission wurde vom stellvertretenden Minister für wirtschaftliche Entwicklung und Technologie, Michał Jaros, geleitet und umfasste Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen und staatlichen Institutionen. Während des Besuchs fanden Investitionsgespräche statt, außerdem wurden mehrere Vereinbarungen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit unterzeichnet.
Solche Initiativen unterstreichen das wachsende Interesse Polens an Taiwans Technologie‑Ökosystem und Taiwans Rolle als Partner in der europäischen Industrieentwicklung.
Besonders sichtbar wird die Zusammenarbeit derzeit im Bereich Drohnen und anderer Zukunftstechnologien.
Im Juli 2025 unterzeichneten mehrere Organisationen – darunter das Asia UAV AI Innovation Application R&D Center aus Taiwan, die Taiwan‑Poland Chamber of Commerce, das Unternehmen Jmem Technology sowie Polens FC Auto System – eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit in Bereichen wie Cybersicherheits‑Module, Automobilelektronik und Drohnenanwendungen.
Weitere Vereinbarungen verbinden taiwanische und polnische Branchenorganisationen mit dem Ziel, zentrale Technologien gemeinsam zu entwickeln und Lieferketten für Drohnen aufzubauen, die nicht von chinesischen Netzwerken abhängig sind. Dabei geht es unter anderem um Systemintegration, industrielle Anwendungen und gemeinsame Technologieentwicklung.
Neben wirtschaftlichen Interessen betonen beide Seiten immer wieder ihre politischen Gemeinsamkeiten. Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit gelten als wichtige Grundlage der Zusammenarbeit.
Für Chiang ist die Partnerschaft zwischen Taiwan und Polen deshalb mehr als nur ein Handelsverhältnis. Vielmehr handelt es sich um eine strategische Kooperation zwischen demokratischen Gesellschaften, die sichere Lieferketten aufbauen, technologische Innovation fördern und die Verbindungen zwischen Europa und Asien stärken wollen.
Mit zunehmenden Parlamentskontakten, neuen Wirtschaftsmissionen und konkreten Technologieprojekten entwickelt sich diese Vision schrittweise zu einer langfristigen Partnerschaft.