„Souveräne KI“ soll Staaten eigentlich helfen, die Abhängigkeit von ausländischen Technologieunternehmen zu verringern. Bei der Rechenbasis gelingt das bislang kaum. Counterpoint-Analyst Neil Shah hob deshalb den zentralen Widerspruch hervor: Länder bauen eigene Modelle, verlassen sich dafür aber fast durchgängig auf die Hardware und Software eines einzigen US-Konzerns .
Der Vorsprung lässt sich nicht allein mit der Geschwindigkeit einzelner Chips erklären. Entscheidend ist das gesamte Ökosystem.
Zwar gibt es Anzeichen dafür, dass die CUDA-Bindung langfristig weniger exklusiv werden könnte. Hardwareunabhängige Werkzeuge wie Triton sowie eigene Chips von Google und Amazon greifen an den Rändern des Nvidia-Ökosystems an . Für souveräne KI-Projekte ist daraus bislang jedoch kein relevanter Marktanteilsgewinn eines Wettbewerbers entstanden.
Die Konkurrenz ist nicht unsichtbar – sie konzentriert sich bislang aber auf einzelne Projekte und Regionen:
Nvidia versucht, seine Position nicht nur durch Produktzyklen zu verteidigen, sondern auch durch langfristige Partnerschaften und Kapital.
Am 27. Juli 2026 gaben Nvidia und Safe Superintelligence (SSI), das von dem früheren OpenAI-Chefwissenschaftler Ilya Sutskever mitgegründete KI-Unternehmen, eine langfristige strategische Partnerschaft bekannt. Reuters berichtete über eine Beteiligung von 5 Milliarden US-Dollar; die offizielle Mitteilung nannte die finanziellen Details nicht .
SSI erhält Zugang zu Nvidias kommender Vera-Rubin-Plattform. Nach Angaben der Unternehmen soll sich die verfügbare Rechenleistung des KI-Labors dadurch um eine Größenordnung erhöhen . Der Deal verbindet damit ein prominentes Forschungsunternehmen mit Nvidias Hardware-Roadmap und schafft zusätzliche Nachfrage nach der Plattform.
NAVER, Nvidia und Brookfield haben einen Ausbau der südkoreanischen nationalen AI-Factory-Infrastruktur auf 200 Megawatt vorgeschlagen . Damit stärkt Nvidia seine Stellung in einem wichtigen asiatischen Markt für staatlich unterstützte KI. Für konkrete gemeinsame Ausbauvorhaben in Japan liegen in den vorliegenden Quellen dagegen keine ausreichenden Details vor.
Nvidia hat außerdem angekündigt, über fünf Jahre 26 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung sogenannter Open-Weight-Modelle bereitzustellen. Solche Modelle können von Forschungseinrichtungen und Behörden heruntergeladen, angepasst und selbst betrieben werden. Wenn die zugrunde liegenden Systeme jedoch auf Nvidia-Software und -Hardware optimiert sind, kann Offenheit auf Modellebene die Abhängigkeit von der Rechenplattform sogar weiter verfestigen .
China wurde aus der Counterpoint-Untersuchung ausgeschlossen. Die Quellen führen als Hintergrund an, dass chinesische Alternativen wie Huawei Ascend und Cambricon bei den leistungsfähigsten KI-Anwendungen hinter Nvidia zurückliegen und US-Exportbeschränkungen den Zugang zu modernen Nvidia-Beschleunigern begrenzen .
Chinesische KI-Labore müssen daher auf ältere, vor den Beschränkungen erworbene Nvidia-GPUs, weniger leistungsfähige heimische Chips oder geringere verfügbare Rechenkapazitäten ausweichen. Das kann die Entwicklung besonders großer Modelle verlangsamen.
Daraus entsteht ein strategischer Widerspruch: Exportkontrollen stärken Nvidias Stellung in vielen internationalen Projekten, weil sie chinesische Alternativen vom globalen Wettbewerb fernhalten. Gleichzeitig erhöhen sie für China den Anreiz, eine eigene Chip- und Softwarebasis aufzubauen.
Für konkrete Aussagen zu angeblichen Äußerungen des DeepSeek-Chefs, Vorwürfen rund um Moonshot, US-Zöllen im Jahr 2026, Section 232 oder dem sogenannten „Pax-Silica“-Pakt enthalten die vorliegenden Quellen keine ausreichenden, zitierfähigen Belege. Diese Punkte sollten daher nicht als bestätigte Bestandteile des Befunds behandelt werden.
| Aussage | Beleglage |
|---|---|
| Nvidia 92,4 Prozent, AMD 4,1 Prozent und Cerebras 1,7 Prozent bei souveräner KI | Durch mehrere Berichte bestätigt |
| CUDA als zentraler Wettbewerbsvorteil | Belegt |
| AMD-Präsenz bei LUMI, Maincode und Moreh | Belegt |
| Cerebras-Präsenz über G42 und Condor Galaxy | Belegt |
| Nvidia-Beteiligung an SSI und Zugang zu Vera Rubin | Partnerschaft bestätigt; die Höhe von 5 Milliarden US-Dollar wurde von Reuters berichtet |
| Ausbau der südkoreanischen AI Factory | NAVER, Nvidia und Brookfield sowie das Ziel von 200 Megawatt bestätigt |
| Detaillierte Japan-Geschäfte, DeepSeek-Äußerungen und Moonshot-Vorwürfe | In den vorliegenden Quellen nicht ausreichend belegt |
| Zölle 2026, Section 232 und „Pax Silica“ | In den vorliegenden Quellen nicht ausreichend belegt |
Der Counterpoint-Bericht macht sichtbar, dass „souveräne KI“ aus mindestens zwei Ebenen besteht: Ein Staat kann eigene Daten verwenden und ein eigenes Sprachmodell entwickeln. Das bedeutet aber noch nicht, dass er auch die dafür notwendige Recheninfrastruktur kontrolliert.
Mit einem Anteil von 92,4 Prozent ist Nvidia in den untersuchten Projekten nahezu zum Standard geworden. AMD und Cerebras verfügen über wichtige regionale Nischen, doch bislang nicht über eine Plattform, die CUDA, Nvidias Komplettsysteme und dessen Lieferkettenvorsprung zugleich ersetzen könnte .
Die entscheidende Frage für die kommenden Jahre lautet deshalb nicht nur, wer die besten KI-Modelle entwickelt. Es geht ebenso darum, ob Staaten ihre Modelle auf einer ausreichend vielfältigen und eigenen technischen Basis betreiben können – oder ob ihre digitale Unabhängigkeit weiterhin auf der Hardware eines einzigen amerikanischen Unternehmens aufbaut.