AGIBOT und Unitree vereinten damit allein rund drei Viertel der im ersten Halbjahr gemeldeten Auslieferungen auf sich. Die deutliche Lücke zu den übrigen Spitzenanbietern zeigt, dass die verfügbare Produktions- und Vertriebsskala derzeit bei wenigen chinesischen Unternehmen gebündelt ist.
Unterhaltung, Auftritte, Datenerstellung und Forschung machten weiterhin mehr als 60 Prozent der Auslieferungen aus. Ihr gemeinsamer Anteil ging jedoch leicht zurück. Das deutet darauf hin, dass viele Roboter nach wie vor für Demonstrationen, Schulungen und die Sammlung von Trainingsdaten eingesetzt werden – und noch nicht flächendeckend im laufenden Betrieb.
Gleichzeitig gewinnen anwendungsnahe Bereiche an Gewicht. Auf Service- und Lotsenaufgaben entfielen etwa 19 Prozent der Auslieferungen, auf intelligente Fertigung 13 Prozent sowie auf Lagerhaltung und Logistik 5 Prozent.
Auch die von Counterpoint genannten Unternehmensbeispiele weisen auf diesen Wandel hin. AGIBOT setzte seine G2-Roboter in der Elektronik- und Automobilzulieferproduktion ein, während Galbot seine Systeme an CATL-Fertigungslinien testete. Die angehobene Absatzprognose für den Walker S zeigt zudem, dass UBTECH mit größeren kommerziellen Stückzahlen rechnet.
Counterpoint erwartet, dass Service- und Industrie-Pilotprojekte in der zweiten Jahreshälfte 2026 in eine breitere kommerzielle Nutzung übergehen. Als mögliche Einsatzorte nennt das Unternehmen Verkehrsknotenpunkte sowie verschiedene Bereiche der Wertschöpfungsketten von Autoherstellern – von der Produktion über den Verkauf bis zum Kundendienst.
Auf Sicht der nächsten fünf Jahre dürften Service- und Industrieanwendungen laut Counterpoint Unterhaltung und Forschung überholen. Damit verschiebt sich auch die Wettbewerbsfrage: Nicht mehr allein die Leistung eines einzelnen Robotermodells entscheidet, sondern die Fähigkeit, eine komplette Lösung für einen bestimmten Einsatzbereich bereitzustellen.
Dazu gehören die Integration moderner KI-Modelle, der Einsatz in branchenspezifischen Szenarien, der Aufbau der nötigen Dateninfrastruktur und die schnelle Weiterentwicklung der Modelle anhand der im Betrieb gesammelten Daten. Der entscheidende Vorteil könnte künftig also ebenso sehr in Umsetzung und Integration liegen wie in der Hardware selbst.
Die Schätzung von Counterpoint ist nicht die einzige veröffentlichte Messung für das erste Halbjahr 2026. Forbes nennt 19.100 weltweite Auslieferungen und ein Wachstum von 272 Prozent, während Smart Analytics Global dieselben Werte berichtet. Die Abweichungen können darauf hindeuten, dass sich die Marktbeobachter bei der Abdeckung der Anbieter, der Definition von „Auslieferung“ und ihrer Methodik unterscheiden.
Für die Counterpoint-Daten bleibt die Kernaussage dennoch klar: Die Auslieferungen wachsen rasant, chinesische Anbieter beherrschen den gegenwärtigen Markt, und der Praxistest verlagert sich. Es geht zunehmend weniger darum, ob humanoide Roboter bei Vorführungen beeindrucken, sondern ob sie zuverlässig in Fabriken, Logistiknetzen und Serviceumgebungen arbeiten können.