In den für den 30. Juni 2026 ausgewiesenen Zahlen führt Coinbase 150.279 ETH als digitale Vermögenswerte zu Anlagezwecken. Zum 31. Dezember 2025 waren es 151.175 ETH. Damit sank der Bestand innerhalb von sechs Monaten um 896 ETH. Der Anlagebestand wurde mit rund 235,7 Millionen US-Dollar angesetzt, bei einer Kostenbasis von etwa 340,6 Millionen US-Dollar.
Zusätzlich meldete Coinbase 10.480 ETH für operative Zwecke. Zusammengenommen ergeben beide Unternehmenskategorien rund 160.759 ETH.
Daraus lassen sich einige eng gefasste Schlüsse ziehen:
Die Angaben beantworten allerdings nicht jede Frage der Kritiker. Der niedrigere Anlagebestand kann auf Verkäufe, Umbuchungen zwischen Kategorien, Aktivitäten im Zusammenhang mit Staking oder andere Veränderungen zurückgehen. Die vorliegenden Berichtsdaten nennen nicht für alle 896 ETH den konkreten Grund für den Rückgang.
Die Aussage „Coinbase verkauft niemals ETH“ wäre deshalb zu weitgehend. Die Daten zeigen, dass Coinbase eine beträchtliche Position behalten hat. Sie beweisen aber nicht, dass im fraglichen Zeitraum keinerlei ETH verkauft wurden.
Pollak erklärte, Coinbase sei der größte ETH-Halter außerhalb von Digital-Asset-Treasury-Unternehmen – kurz Non-DAT – „mit einer Größenordnung Abstand“.
Der Bericht stützt den ersten Teil dieser Aussage: Coinbase weist selbst einen großen Unternehmensbestand an ETH aus. Der Vergleich mit allen anderen Firmen wird dadurch jedoch nicht automatisch bestätigt. Dafür bräuchte es zunächst eine klar definierte Non-DAT-Kategorie sowie aktuelle und vergleichbare Angaben anderer Unternehmen zu ihren ETH-Beständen.
Auch die Abgrenzung ist entscheidend. Unternehmen, deren zentrale Strategie ausdrücklich in einer Krypto-Treasury besteht, sind aus Pollaks Vergleich ausgeschlossen. Ein solches Unternehmen kann mehr ETH halten als Coinbase. Zugleich kann die Einordnung eines Technologie-, Finanzdienstleistungs- oder Börsenunternehmens mit weniger expliziter Treasury-Strategie unterschiedlich ausfallen. Ohne eine vollständige Rangliste und einheitliche Kriterien bleibt „mit einer Größenordnung Abstand“ daher Pollaks Vergleich – keine Schlussfolgerung, die sich allein aus dem Coinbase-Bericht ergibt.
Pollak argumentierte außerdem, die Debatte konzentriere sich zu stark auf Tokenbewegungen und übersehe Coinbases umfassendere Beteiligung an Ethereum. In der Berichterstattung wurden unter anderem folgende Beiträge genannt:
Coinbase wird in der Berichterstattung zudem als bedeutender Ethereum-Kunde über Base beschrieben – nicht lediglich als Vermittler, der Wert aus dem Netzwerk abzieht.
Das ist ein Argument über Coinbases gesamte Beziehung zu Ethereum, aber keine direkte buchhalterische Widerlegung jedes einzelnen Vorwurfs zu ETH-Verkäufen. Ein Unternehmen kann zu einem Netzwerk beitragen, es nutzen und trotzdem Transaktionen durchführen, die Kritiker ablehnen. Pollaks Punkt lautet vielmehr, dass alle diese Aspekte gemeinsam betrachtet werden sollten, statt Coinbase auf den Vorwurf des Verkaufs zu reduzieren.
Pollak wandte sich auch gegen das, was er als moralische Bewertung bestimmter Ethereum-Aktivitäten versteht. Handel, dezentrale Finanzanwendungen und Memecoins behandelte er als Nutzungen, die auf einer erlaubnisfreien Plattform grundsätzlich nebeneinander bestehen können – selbst wenn Teile der Community sie weniger wertvoll finden als andere Anwendungen.
Damit sind Streitfragen zu konkreten Token-Starts, Gebührenmodellen oder Geschäftsentscheidungen nicht gelöst. Pollak stellt vielmehr die Annahme infrage, dass die Unterstützung bestimmter Aktivitäten Coinbase automatisch zu einem Gegner von Ethereum mache. Der Konflikt ist deshalb nicht nur finanzieller, sondern auch kultureller Natur: Es geht sowohl darum, was Coinbase mit ETH tut, als auch darum, welche Formen der Ethereum-Nutzung die Community als legitim und wertvoll anerkennt.
Ungewöhnlich an Coinbases Position ist, dass das börsennotierte Unternehmen einen tokenbezogenen Bestand aus seiner eigenen Bilanz separat offenlegt. Dadurch lässt sich annähernd bestimmen, wie viel ETH Coinbase selbst hält. Das ist etwas anderes als die deutlich größere Menge an Ether, die die Börse möglicherweise für Kunden verwahrt.
Die in Verwahrung gehaltenen Kundenbestände gehören wirtschaftlich den Kunden und nicht der Unternehmenstreasury von Coinbase. Sie dürfen daher weder zum Anlagebestand addiert noch als Beleg dafür verwendet werden, wie viel ETH Coinbase selbst besitzt.
Die Unterscheidung ist in beide Richtungen wichtig. Coinbases Verwahrungsgeschäft kann dem Unternehmen Zugang zu einer sehr großen Menge Kunden-ETH geben, macht diese Vermögenswerte aber nicht zu Unternehmenseigentum. Umgekehrt ist der ausgewiesene Anlagebestand von 150.279 ETH – ergänzt um die separat gemeldeten operativen ETH – eine direkte Unternehmensposition und damit für Pollaks Verteidigung relevant.
Pollaks am besten belegbarer Punkt lautet: Coinbase hat eine große, öffentlich ausgewiesene Unternehmensposition in ETH gehalten und zugleich Produkte sowie Infrastruktur rund um Ethereum aufgebaut. Die Zahlen zum 30. Juni 2026 bestätigen 150.279 ETH für Anlagezwecke und weitere 10.480 ETH für den operativen Betrieb.
Die Zahlen liefern aber auch eine wichtige Einschränkung. Der Anlagebestand sank gegenüber dem Jahresende um 896 ETH, und die verfügbaren Angaben erklären nicht eindeutig, warum. Der Coinbase-Bericht schwächt damit die Darstellung, das Unternehmen habe ETH schlicht aufgegeben. Er beweist jedoch nicht, dass Coinbase niemals ETH verkauft.
Auch die Behauptung, Coinbase sei „mit einer Größenordnung Abstand“ der größte Non-DAT-Halter, bleibt ein relativer Vergleich. Der Bericht belegt Coinbases eigenen Bestand, nicht die vollständige Marktübersicht, die für eine unabhängige Bestätigung dieser Rangfolge erforderlich wäre.