Hayes bezeichnete Ethereum als die größte Position in seinem Portfolio außerhalb von Bitcoin. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass er ETH für risikofrei hält. Seine Argumentation lautet vielmehr, dass das Abwärtsrisiko bei Ethereum aus seiner Sicht robuster einzuschätzen ist als bei vielen kleineren Kryptoassets.
Als zweitgrößte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung verfügt Ethereum über eine vergleichsweise starke Large-Cap-Position. Trotzdem lag der Kurs zum Zeitpunkt des Interviews noch unter seinem Höchststand von 2021.
Genau diese Underperformance bildet den Kern der These. Hayes hält ETH für ungewöhnlich unbeliebt – insbesondere gemessen an seiner Größe. Sollte sich die Marktstimmung drehen, könnte Ethereum deshalb gegenüber anderen großen Kryptoassets aufholen. Es geht in diesem Szenario weniger darum, dass ETH den Markt bereits anführt, sondern darum, dass es eine bestehende Performance-Lücke schließt, wenn Liquidität und Nachfrage weiter zunehmen.
Hayes nannte 3.000 US-Dollar als entscheidende Marke. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte seiner Einschätzung nach zusätzliche Dynamik anziehen und ETH in Richtung 5.000 US-Dollar – oder sogar darüber hinaus – treiben. Dabei handelt es sich um eine Prognose, nicht um eine Gewissheit: Voraussetzung wäre, dass der Ausbruch Bestand hat und das globale Liquiditäts- sowie Marktumfeld unterstützend bleibt.
Der Zeitpunkt seiner Aussagen war bemerkenswert. Ethereum war innerhalb einer Woche um rund 25 Prozent gestiegen; andere Marktberichte meldeten zudem einen Tagesgewinn von etwa 20 Prozent im Rahmen einer breiten Krypto-Rally. Parallel zogen die Zuflüsse in börsengehandelte Fonds wieder an, während die Derivatemärkte hohe Handelsaktivität verzeichneten.
Die öffentlich beobachteten Aktivitäten seiner Wallets liefern einen wichtigen Gegenpol zu seinem langfristig bullischen Ausblick. On-Chain-Berichte zufolge verkaufte Hayes im Juni 6.000 ETH mit einem geschätzten Verlust von rund 606.000 US-Dollar. Zuvor hatte er etwa 5.900 ETH zu einem Durchschnittspreis von ungefähr 1.793 US-Dollar gekauft und anschließend zu durchschnittlich rund 1.690 US-Dollar verkauft.
Im Juli änderte er seine Position erneut. Berichten zufolge kaufte er zunächst etwa 1.939 ETH im Wert von rund 3,7 Millionen US-Dollar. Darin enthalten waren 646 ETH, die über Galaxy Digital transferiert wurden, sowie ein weiterer Kauf von 1.293 ETH.
Später kamen 3.298 ETH für ungefähr 6,39 Millionen US-Dollar hinzu. Damit beliefen sich die gemeldeten Juli-Käufe auf insgesamt 7.213 ETH im Wert von rund 13,87 Millionen US-Dollar – zu einem Durchschnittspreis von etwa 1.923 US-Dollar je ETH. Nachdem Ethereum von ungefähr 1.960 auf 1.872 US-Dollar gefallen war, wurde die Position je nach Zeitpunkt und Berechnung mit rund 301.000 bis 368.000 US-Dollar im Minus eingeschätzt.
Eine separate Analyse von Wallets, die Hayes zugeschrieben werden, kam über eine breitere Handelshistorie auf ETH-Verluste von ungefähr 2,04 Millionen US-Dollar. Die Zuordnung von Wallets sowie die Berechnung von realisierten und nicht realisierten Gewinnen und Verlusten sind allerdings nur schwer unabhängig zu überprüfen. Die Zahl sollte daher als Schätzung und nicht als endgültige Abrechnung seiner gesamten ETH-Performance verstanden werden.
Die zentrale Lehre für Anleger: Auch eine überzeugende langfristige These schützt nicht vor kurzfristiger Volatilität, Fehlentscheidungen beim Timing oder den Kosten eines Verkaufs und späteren Wiedereinstiegs zu anderen Kursen.
Hayes sprach sich außerdem dafür aus, für Bitcoin-Exposure über eine klassische Börse einen Spot-Bitcoin-ETF zu nutzen. Er nannte ausdrücklich BlackRocks IBIT oder ein vergleichbares Produkt und stellte diese Möglichkeit Strategy-Aktien gegenüber.
Der Unterschied liegt in der Struktur: Ein Spot-ETF soll einen möglichst direkten Zugang zum Bitcoin-Kurs bieten. Strategy ist dagegen ein Unternehmen, dessen Aktienkurs zusätzlich von Finanzierungen, Bilanzentscheidungen und dem Verhältnis zwischen dem Börsenwert des Unternehmens und dem Wert seiner Bitcoin-Bestände beeinflusst wird.
Zusammenfassungen von Hayes’ Position zufolge bieten ETFs ein Exposure, das näher am Nettoinventarwert liegt, und vermeiden zusätzliche Risiken durch Unternehmensstruktur sowie mögliche Auf- oder Abschläge gegenüber dem Wert der Bitcoin-Bestände.
Ein ETF ist deshalb nicht identisch mit dem direkten Besitz von Bitcoin. Gebühren, Abweichungen bei der Kursnachbildung, Börsenhandelszeiten und die ETF-Struktur bleiben relevant. Hayes’ Argument ist enger gefasst: Wer über das Wertpapierdepot möglichst unmittelbar an der Bitcoin-Entwicklung partizipieren möchte, sollte nicht automatisch annehmen, dass eine Bitcoin-Treasury-Firma das effizienteste Anlagevehikel ist.
Das Marktumfeld lieferte Gründe für Optimismus und Vorsicht. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 20. August Nettozuflüsse von 517,19 Millionen US-Dollar, davon entfielen 284,7 Millionen US-Dollar auf BlackRocks IBIT. Für Spot-Ethereum-ETFs wurden in einem separaten Berichtszeitraum Zuflüsse von 71,468 Millionen US-Dollar gemeldet.
Bitcoin stieg während der Rally über 69.000 US-Dollar; andere Berichte sahen den Kurs über 70.000 US-Dollar und Ethereum über 2.200 US-Dollar. Der genaue Stand hing vom Zeitpunkt der jeweiligen Meldung ab. Das übergeordnete Bild war jedoch einheitlich: Beide großen Kryptoassets legten kräftig zu, während ETF-Nachfrage und gehebelte Positionierungen die Bewegung verstärkten.
Ein Teil der Rally könnte allerdings auf Zwangskäufe und nicht ausschließlich auf neue langfristige Spot-Nachfrage zurückgegangen sein. Innerhalb von 24 Stunden wurden Krypto-Positionen im Wert von rund 3,35 Milliarden US-Dollar liquidiert; etwa 3 Milliarden US-Dollar entfielen auf Short-Positionen. Ein solcher Short Squeeze kann einen Ausbruch beschleunigen, macht die Kurse aber auch anfällig für eine Gegenbewegung, sobald die erzwungenen Käufe nachlassen.
Hayes’ Ethereum-These basiert auf drei Punkten: ETH sei ein vergleichsweise widerstandsfähiges Large-Cap-Kryptoasset, habe gegenüber seinem früheren Hoch Nachholbedarf und könne bei einem Ausbruch über 3.000 US-Dollar eine neue Marktpsychologie auslösen. Sein Szenario von 5.000 US-Dollar oder mehr ist damit vor allem eine liquiditäts- und momentumabhängige Aufholthese – kein garantiertes Kursziel.
Seine eigene Handelshistorie zeigt zugleich, warum eine starke Überzeugung kein verlässliches kurzfristiges Signal darstellt. Hayes verkaufte mit Verlust, stieg wenig später mit Millionenbeträgen wieder ein und sah die neu aufgebaute Position kurz darauf erneut ins Minus rutschen. ETF-Zuflüsse und das Eindecken von Short-Positionen unterstützten die Rally, doch das hohe Volumen an Liquidationen erhöhte auch die Gefahr heftiger Schwankungen.
Für Bitcoin-Anleger mit einem klassischen Wertpapierdepot fällt Hayes’ zweite Empfehlung vergleichsweise klar aus: Entscheidend ist, welches Exposure tatsächlich gewünscht wird. Ein Spot-ETF wie IBIT soll die Bitcoin-Entwicklung direkter abbilden. Strategy-Aktien bringen dagegen zusätzliche Variablen aus Unternehmensfinanzierung, Bilanzstruktur und Marktbewertung mit, die Gewinne wie Verluste verstärken können.