Binance zufolge war der Diebstahl von rund 6,3 Milliarden US-Dollar kein spontaner Angriff, sondern das Ende einer monatelangen Kampagne. Die Angreifer sollen kompromittierte Computer und ein internes KI-Tool genutzt haben, um Zugang zu den Wallet-Systemen der Kryptobörse zu erlangen. Die am 3. November veröffentlichten Erkenntnisse sind vorläufig. Sollte sich die berichtete Summe bestätigen, wäre es möglicherweise der größte Krypto-Diebstahl bislang.
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Vom manipulierten Download zum falschen Bewerbungsgespräch
Die von Binance geschilderte Vorgeschichte reicht bis in den Juni zurück. Ein Entwickler aus dem Wallet-DevOps-Team lud bei der Suche nach einem Entwicklerwerkzeug einen manipulierten Homebrew-Installer herunter. Homebrew ist ein verbreitetes Werkzeug, mit dem sich Software auf dem Mac installieren lässt. Binance bemerkte verdächtige Aktivitäten, ersetzte das Gerät und änderte Zugangsdaten. Berichte über die Untersuchung zufolge waren Informationen über die Rolle des Mitarbeiters und seine Kollegen zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits bekannt geworden.
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Im September nahmen Angreifer über eine legitime Jobplattform Kontakt zu einem weiteren Softwareentwickler auf und arrangierten fingierte Bewerbungsgespräche. Berichten zufolge sollte eine bösartige Programmieraufgabe den Rechner des Mitarbeiters kompromittieren.
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Binance erklärte später, die Angreifer hätten über einen kompromittierten Computer und ein internes KI-Tool auf die Wallet-Infrastruktur zugegriffen. Die bisherige Darstellung beschreibt eine Kette aus Angriffen auf Mitarbeitende und Systeme – nicht den einfachen Diebstahl eines einzelnen Passworts.
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Der Diebstahl und sein Ausmaß
Die nicht autorisierten Transfers fanden am 29. Oktober statt. Das Blockchain-Analyseunternehmen TRM Labs schätzte, dass Vermögenswerte im Wert von rund 6,36 Milliarden US-Dollar über zehn Blockchains bewegt wurden. Der Großteil der Transfers soll sich innerhalb von etwa 20 Minuten ereignet haben. Für den Teil auf Ethereum berichten Medien über den Einsatz von EIP-7702 – einem Mechanismus, mit dem eine Wallet autorisiert werden kann, Smart-Contract-Code zu nutzen. Dabei handelt es sich um berichtete Ermittlungserkenntnisse; die verfügbaren Informationen belegen nicht unabhängig jeden einzelnen Angriffsschritt.
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Binance zufolge verschafften sich die Angreifer Zugang zu internen Wallet-Systemen und nutzten kompromittierte Computer und Zugangsdaten. Die vorliegenden Berichte reichen nicht aus, um den Vorfall als Beleg für einen Diebstahl privater Schlüssel zu werten. Auch eine lückenlose Chronologie des Angriffs und seiner Eindämmung lässt sich daraus nicht ableiten.
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Was Binance zur Wiederherstellung mitteilte
Binance erklärte, mit Unterstützung von Partnern aus der Branche seien betroffene Vermögenswerte im Wert von rund 3 Milliarden US-Dollar eingefroren oder gesichert worden. Außerdem habe das Unternehmen mehr als 6,34 Milliarden US-Dollar aus eigenen Mitteln zurückgestellt, um die gestohlenen Vermögenswerte abzudecken. Eingefrorene Gelder oder ein Ausgleich aus Unternehmensmitteln sind nicht dasselbe wie eine Rückholung der Beute von den Angreifern.
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Bei den Angaben zur Wiederauffüllung der Bestände gibt es Unterschiede: In einem veröffentlichten Update hieß es, zum 31. Oktober seien 98 Prozent der betroffenen Token wieder aufgefüllt gewesen. Reuters berichtete am 3. November dagegen, Co-CEO Richard Teng habe die Quote mit 95 Prozent angegeben. Die vorliegenden Auszüge erklären nicht, ob die Differenz auf den Zeitpunkt oder die Berechnung zurückgeht.
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Binance teilte zudem mit, Auszahlungen würden schrittweise wieder freigeschaltet. Weitere Vermögenswerte und Netzwerke sollten nach Sicherheitsprüfungen folgen. Teng sagte, die Zu- und Abflüsse hätten sich weitgehend normalisiert. Ein ausführlicher Bericht zur Aufarbeitung solle später veröffentlicht werden.
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Zuschreibung und nächste Schritte
Das FBI schrieb den Diebstahl nordkoreanischen Akteuren zu, die es der Gruppe TraderTraitor zuordnet. Auch Blockchain-Analyseunternehmen brachten die Operation mit dieser Gruppe in Verbindung. Nordkorea wies den Vorwurf der USA zurück. Die Zuschreibung ist damit ein Ermittlungsergebnis – keine Bestätigung durch Binance in den hier zitierten Berichten.
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Binance sagte, das Unternehmen habe 2026 insgesamt 57 mutmaßliche Cyberangriffe mit Nordkorea-Bezug erkannt und verhindert. Außerdem wolle es stärker in KI-gestützte Bedrohungserkennung investieren und einen Sicherheitsforschungsfonds sowie Initiativen mit KI-Unternehmen vorantreiben. Diese Maßnahmen und der angekündigte Bericht könnten weitere Einzelheiten liefern. Bislang zeichnet sich vor allem das Bild einer längerfristigen Kampagne ab, die über Mitarbeitende bis zur Wallet-Infrastruktur der Börse führte.
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